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Wildtiere in Österreich: Urwüchsige Natur im Salzkammergut

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Die ursprüngliche Natur in unserer Heimat bietet Lebensraum für eine Vielfalt an Tieren, die in anderen Ländern nur noch selten zu sehen sind. In den letzten Jahren sind auch größere Arten wieder in Österreich gesichtet geworden. Luchse, Wölfe oder sogar Bären haben sich bereits in den einen oder anderen Wald vorgewagt. Auch abseits der Wildparks können verschiedene Tiere in ihrer urwüchsigen Umgebung beobachtet werden.

Der Cumberland Wildpark in Grünau bietet einen geschützten Lebensraum für eine große Zahl unterschiedlichster Tiere. In dem weitestgehend ursprünglichen Ökosystem leben etwa 500 Exemplare, allesamt einheimische Arten. Aber auch wer aufmerksam beim Sonntagsspaziergang durch den Park oder nahegelegenen Wald wandert, kann beispielsweise Eichkätzchen, Rehe oder verschiedene Vogelarten entdecken.

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Rot- und Schwarzwild in ihrer natürlichen Umgebung: in Österreichs Wäldern sind zahlreiche Wildtiere beheimatet. Bildquelle: pixabay, © cocoparisienne, CC0 Public Domain

Gerade im Winter ist es etwas einfacher, den scheuen Zeitgenossen auf die Spur zu kommen. Im Schnee hinterlassen sie ihre individuellen Abdrücke. In vielen Gemeinden werden zu allen Jahreszeiten spezielle, geführte Wanderungen angeboten. Unter der Leitung der ansässigen Förster oder Tierexperten kann gelernt werden, die unterschiedlichen Spuren zu unterscheiden und den jeweiligen Arten zuzuordnen. Ein besonderer Höhepunkt ist hier manchmal eine mit eingeplante Wildtierfütterung.

Wildtiere auf dem Vormarsch

Viele wilde Arten, vor allem kleine und größere Raubtiere, sind durch intensive Bejagung nicht nur aus der Alpenregion beinahe vollständig verdrängt worden. Vor allem Wolf und Bär wurden im 18. und 19. Jahrhundert stark verfolgt. Für den scheuen Luchs ist die Zerstückelung des Lebensraumes mit der Ausdehnung landwirtschaftlich genutzten Flächen zum Verhängnis geworden. Verschiedene Gründe haben zur Verdrängung der Tiere beigetragen:

  • Übermäßige Jagd, lange wurden Wolf und Bär als „Nahrungskonkurrenten“ gejagt – hinzu kam der Schutzgedanke (Schafherden)
  • Einstufung als Wildschädling (Luchs und Wolf), Konflikte bei einer intensiveren Waldnutzung
  • Anstieg der Anzahl an landwirtschaftlich genutzten Flächen
  • Zunehmende touristische Erschließung von Naturräumen

Doch in den letzten Jahren sind die verschiedenen Arten aufgrund verbesserter Schutzbestimmungen und der stetigen Erweiterung von Schutzgebieten wieder mehr in die heimische Landschaft vorgedrungen.

Für den Wolf ist Österreich bisher eher ein Durchzugsgebiet geblieben. Zahlreiche Tiere, die in Deutschland, Frankreich oder Italien wieder heimisch geworden sind, konnten bei ihrem Transit beobachtet werden. Dabei sind auch für ihn hier wieder ausreichend Lebensräume geschaffen worden.

Lebensräume rücken zusammen

Die Ausweitung der Schutzzonen hat für die Bevölkerung auch noch ganz andere Folgen mit sich gezogen. Viele Wildtiere haben ihren Lebensraum verlagert und sich zunehmend auch an eine eher urbane Umgebung angepasst.

Ein Fuchs ist auch im heimischen Garten kein seltener Anblick mehr. Die Wildtiere haben sich ein Stück Lebensraum zurückerobert. Bildquelle: pixabay, © pichler61, CC0 Public Domain

Ein Fuchs ist auch im heimischen Garten kein seltener Anblick mehr. Die Wildtiere haben sich ein Stück Lebensraum zurückerobert.
Bildquelle: pixabay, © pichler61, CC0 Public Domain

Wildschweine, die  Vorgärten durchpflügen und im Wohlstandsmüll wühlen, Füchse, die um die Kaninchengehege streunen, Marder und Waschbären, die sich in den Häusern mit einnisten: Viele Stadtbewohner müssen sich mit den neuen „wilden“ Nachbarn arrangieren lernen. Kinder müssen sensibilisiert werden im Umgang mit Tieren, die bisher nur aus dem Zoo bekannt waren.

Wer selbst Haustiere hat, fürchtet möglicherweise einen Übergriff auf den Hund oder die Hauskatze. Vor allem wenn Tiere außerhalb des Hauses untergebracht sind, müssen oft zusätzliche Schutzmaßnahmen bedacht werden. Besonders Vögel fallen immer wieder wilden Tieren zum Opfer. Mit den richtigen Sicherheitsvorkehrungen können aber auch Volieren im Freien ausreichend geschützt werden. Wenn die Wildtiere nicht durch Nahrungsquellen angelockt werden, ist es jedoch wegen ihres scheuen Verhaltens meist möglich, sie vom Grundstück und den Kleintierställen oder Gehegen wieder zu vertreiben.

Wildtiere und Nützlinge im Garten

Im heimischen Garten können jedoch auch alltäglichere und kleinere Tiere beobachtet werden. Auch hier ist der Winter eine besonders geeignete Jahreszeit. Für verschiedene Vögel, aber auch Eichkätzchen oder bei passender Waldrandlage sogar Rehe, können entsprechende Futterstellen aufgestellt werden. Da die Büsche und Hecken in der kalten Jahreszeit nicht so dicht sind, ist der Blick auf das Grundstück meist etwas freier. So lassen sich von der warmen Stube aus die verschiedenen Arten beim Schmausen beobachten. Gerade Kinder können hier viel Neues entdecken.

Wer im Herbst einen Laubhaufen anlegt, lädt einen Igel dazu ein, hier sein Winterquartier zu beziehen. Kommt er gut durch die kalte Jahreszeit, hält er die Beete im nächsten Jahr frei von Schnecken und anderem unerwünschten Kleingetier.

Einmalige Kultur- und Naturregion

Das Salzkammergut, beziehungsweise hier die Region Hallstatt-Dachstein ist eines der wenigen Gebiete weltweit, die von der UNESCO gleichzeitig als Weltkultur- und Weltnaturerbe ausgezeichnet wurde. Seit Jahrhunderten ist die Natur hier vom Menschen durch den Salzbergbau geprägt worden und hat dennoch nichts von ihrer Schönheit und Urwüchsigkeit verloren.

Das Salzkammergut bietet vielen Wildtieren nicht nur in seinen Naturschutzgebieten einen naturbelassenen Lebensraum mit urwüchsiger Landschaft und vielfältiger Pflanzenwelt. Bildquelle: pixabay, © schnattertriene, CC0 Public Domain

Das Salzkammergut bietet vielen Wildtieren nicht nur in seinen Naturschutzgebieten einen naturbelassenen Lebensraum mit urwüchsiger Landschaft und vielfältiger Pflanzenwelt.
Bildquelle: pixabay, © schnattertriene, CC0 Public Domain

Die besonderen geologischen Voraussetzungen der Karstformationen mit zahlreichen Höhlen sind durch die intensive Salinenwirtschaft nicht beeinträchtigt worden. Lange Zeit haben hier Mensch und Tier in größtmöglichem Einklang nebeneinander gelebt. Und dennoch ist es heute den Initiativen der Wildparks und verschiedenen Gemeinden zu verdanken, dass sich selten gewordene Tierarten wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum ansiedeln können.

Besonderer Schutz und Arterhaltung

Viele Wildtiere finden heute nur noch in den ausgewiesenen Schutzgebieten ausreichend große Flächen natürlichen Lebensraum vor. Je größer die Tiere dabei sind, umso größer ist in der Regel der Platzbedarf. Da viele Flächen heute auch touristisch genutzt werden ist es nicht so einfach, größere zusammenhängende Gebiete für die Tiere abzugrenzen. Wirtschaftliche Interessen kollidieren dann mit dem Wunsch nach einer intakten Natur.

Unter den Naturschutzgebieten und Wildparks in Österreich setzt sich vor allem der Naturtierpark Grünau für die Erhaltung artgerechter Lebensräume und bedrohter Tierarten ein. Durch die Verbindung des touristischen Konzepts mit Besucherzentrum und zahlreichen Informationsveranstaltungen wird versucht, die Ausflügler für eine intakte Natur zu sensibilisieren. Neben dem Erhalt der Ökosphäre beteiligt sich der Wildpark an verschiedenen europäischen Erhaltungszuchtprogrammen.

Im Park geborene Nachkommen werden dabei zum Teil an andere Teilnehmer des Programms abgegeben und so ein Weiterbestehen der Art gewährleistet. Die folgenden Tierarten werden in Österreich erfolgreich gezüchtet:

  • Gänsegeier
  • Habichtskauz
  • Waldrapp
  • Fischotter
  • Przewalski Wildpferd
  • Wisent

Bemühungen zur Neuansiedlung des Waldrapps

Exemplarisch bei den Bemühungen zur Arterhaltung kann der Einsatz zur Neuansiedlung des Waldrapps gelten. Diese heimische Ibisart war lange Zeit in Mitteleuropa und hier vorwiegend im Voralpenland, aber auch in höheren Lagen verbreitet. Bereits im frühen 17. Jahrhundert verschwand die Vogelart aufgrund intensiver Bejagung.

Der bis zu 1,5 Kilogramm schwere Waldrapp galt lange Zeit als fast ausgestorben. Durch Zuchterhaltungsprogramme unter anderem in Österreich konnte die Population wieder erhöht werden. Bildquelle: Fotolia, © robfphoto

Der bis zu 1,5 Kilogramm schwere Waldrapp galt lange Zeit als fast ausgestorben. Durch Zuchterhaltungsprogramme unter anderem in Österreich konnte die Population wieder erhöht werden.
Bildquelle: Fotolia, © robfphoto

Als Kooperationspartner des Wildparks Grünau ist die Konrad Lorenz Forschungsstelle an der Universität Wien an dem Forschungs- und Arterhaltungsprogramm beteiligt. Der Zugvogel ist akut vom Aussterben bedroht. Die Population konnte dank verschiedener Nachzuchten in beteiligten Zoos und Parks auf derzeit rund 2.000 Tiere erhöht werden.

Noch ist die Wiederansiedlung in freier Wildbahn nicht abgeschlossen. 2013 existierte nur noch ein einziges dokumentiertes Exemplar. Nach und nach sollen nun Vögel aus der Zucht ausgewildert werden. Das Artenschutzprojekt – eines der größten derzeit in Europa –  läuft noch bis 2019. Bis dahin sollen rund 120 Waldrappe in verschiedenen Gebieten des Alpenvorlandes bis ins Wintergebiet der Vögel in der Toskana wieder heimisch werden. Im Wildpark Grünau kann die Art in weitestgehend freier Natur bereits beobachtet werden.

Die Erkenntnisse, die aus dem Vorzeigeprojekt gewonnen werden können, sind wertvolle Grundlage in der Forschung und für weitere Wiederansiedlungsprojekte anderer bedrohter Tierarten.

Lebenswerte Natur im Salzkammergut

Eine große genetische Vielfalt und Biodiversität sind Merkmale eines intakten Ökosystems. Die Natur in unserer Heimat bietet seit jeher ein abwechslungsreiches Landschaftsbild und ist Heimat einer großen Zahl an Wildtieren, die anderswo nur im Zoo bestaunt werden können.

Steinböcke, Rotwild, Luchse, Graugänse, Wisente und viele weitere Arten bevölkern nicht nur die verschiedenen Wildparks, sondern sind dank beharrlicher und konsequenter Schutzmaßnahmen auch in freier Wildbahn zuhause. Wir alle tragen mit verantwortungsvollem Handeln und Verhalten dazu bei, die urwüchsige Natur zu erhalten und mit den Wildtieren ein Stück Lebensraum zu teilen.

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