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Caritas-Länderabend Nigeria

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Beim Länderabend Nigeria, den das  Caritas-Projekt Dialog St. Georgen kürzlich in St. Georgen im Attergau veranstaltete, entführte Joana Adesuwa Reiterer in ihr Herkunftsland Nigeria. Einer Welt voller Widersprüche, in der beispielsweise eine Familie, die von weniger als einem Dollar am Tag leben muss, direkt neben einer Familie wohnt, die nach London zum Einkaufen fliegt.

Die Wiener Unternehmerin deckte auf, warum in einem Land mit über 180 Mio. Menschen Schulpflicht und Sozialsystem zwar theoretisch existieren, durch Politiker, die sich selber bereicherten, und Missmanagement aber praktisch nicht funktionieren würden. Die Korruption schwäche den Staat und es bleibe oft kein Geld, Versicherungsleistungen und Pensionen in der Bevölkerung auszubezahlen. Weil auch die Lehrer kein Gehalt bekämen, gingen sie nicht mehr in die Schule. Den Kindern würde die Chance auf Bildung und einen Weg aus der Armut verwehrt.

Die Negativspirale drehe sich aber noch weiter. Durch den Import von subventionierten Lebensmittel aus Europa oder Plastikkleidung aus China seien in Nigeria die Güterproduktion und die Landwirtschaft fast völlig zum Erliegen gekommen. Der Geist der Kolonialzeit tue sein Übriges, dass das afrikanische Selbstbewusstsein bis heute niedrig bleibe und für die Bekämpfung der weit verbreiteten Korruption niemand seinen eigenen Kopf hinhalten wolle.

„Durch Joana Reiterers Erzählungen bekam das Publikum einen Eindruck, wie vielschichtig die Gründe für die Nigerianer sein können, ihre Heimat zu verlassen und wie groß die Verzweiflung sein muss, den Weg über Wüste und Meer auf sich zu nehmen“, so Mag.a Barbara Pichler vom Caritas-Projekt Dialog St. Georgen. „Doch ob man sich aus der Perspektivlosigkeit oder einer konservativen Gesellschaft befreien will, vor häuslicher Gewalt oder der terroristischen Gruppierung Boko Haram flüchtet, die Ausgangsposition ist für alle gleich: Es gibt in Nigeria kein Visum, um auf legalem Weg nach Europa zu kommen. Deshalb lassen sie sich auf Menschenhändler und Schlepper ein und schenken ihren Versprechen glauben.“ In Europa komme jedoch das böse Erwachen. Junge Frauen und Männer würden zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen oder befänden sich plötzlich in von Gewalt geprägten Abhängigkeiten.

Foto: Caritas

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