Der 3. Blick 5.0 nimmt Pearl Harbor unter die Lupe Mittwoch, 20.01.2010 23:23 (GMT+2)
Am 20. Jänner 2010 brachte der ORF den aktuellen Beitrag Hollywoods zur Katastrophe von Pearl Harbor. Wie Sie wissen, überfielen im Dezember 1941 die Japaner den Vorposten der USA in Pearl Harbor/Hawaii, was dazu führte, dass Präsident Franklin D. Roosevelt dem „3. Reich“ und dessen Verbündeten den Krieg erklären musste.
Bis zum heutigen Tag gilt dieser Angriff auf unschuldige Amerikaner als Inbegriff der Feigheit und blinden Kriegswut. Amerika musste sich einfach wehren. Details sind in epischer Breite unserem staatlichen Fernsehen zu entnehmen. Soviel zu Blick Nummer 1, der freilich auch auf Wikipedia etc. (noch) die Oberhand hat. Abwarten.
Als ich im Jahr 1997 selbst ein paar Tage in Hawaii verbrachte, konnte ich erahnen, welche Katastrophe damals über das Inselparadies Hawaii, insbesondere die Bucht von Pearl Harbor, hereingebrochen war. Da ich damals von Japan kommend die Datumsgrenze und den Pazifik überflog, nahm ich praktisch dieselbe Route wie die Japaner mit ihren Schiffen. In der Schule hatte ich im Fach Geschichte stets brav aufgepasst, also wusste ich, auf welch historischem Boden ich in der Nähe von Waikiki-Beach wandelte. Als Junge waren mir bei meinem Onkel einige Schundhefte in die Hände gefallen, in denen der berüchtigte Kampgeist der Japaner bis ins grausamste Detail geschildert wurde. Das machte freilich gehörig Eindruck. Soviel zu Blick Nummer 2.
Auf den 3. Blick sieht die Sache für die unschuldig gefallenen Soldaten, die in Pearl Harbor ihr Leben lassen mussten, nicht besser aus. Sie wurden tatsächlich aus heiterem Himmel mit dem Allerschlimmsten konfrontiert und starben für die USA den Heldentod. Parallelen zu 9/11 übergehe ich hier.
Erstmals stutzig lässt einen werden, wenn man sich klar darüber wird, dass die USA im Perlenhafen ausschließlich Kriegsschiffe verloren, die für den Ausgang des Zweiten Weltkrieges unbedeutend waren. Dem Angriff der Japaner fielen tatsächlich nur „olle Pötte“ zum Opfer – was die menschlichen „Opfer“ freilich nicht schmälern kann. Zunächst sollten Sie sich klar darüber sein, welche Strecke ein Japanischer Flottenverband damals im Pazifik zu bewältigen hatte, um überhaupt in Schlagdistanz zu Pearl Harbor zu gelangen.
Derartige Manöver bleiben zu Zeiten eines Weltkrieges nicht unbemerkt. Immerhin beobachteten nicht nur die USA die globale Situation sehr genau. Belegt ist etwa auch, dass ein sehr aufgebrachter Australischer Botschafter Tage vor der Katastrophe den Präsidenten im Weißen Haus aufsuchte, um ihm mitzuteilen, ein Angriff der Japaner stünde unmittelbar bevor. Der Präsident reagierte auch und sandte eine Warnung - per Telegramm.
Wie wir heute wissen, nahm die Katastrophe gezielt ihren Lauf. Hollywood hat mit Effekten nicht gegeizt und am Ende des Filmes weiß wohl auch der letzte Depp, auf welcher Seite der Gute steht. Damals war es nicht anders: Als Reaktion auf den verhinderbaren Überfall meldeten sich 1,5 Millionen freiwillige US-Amerikaner zum Kriegsdienst. Sicher dachte jeder Einzelne für eine gerechte Sache in den Krieg zu ziehen …
Die Frage, die wir uns heute stellen sollten, lautet: Wiederholt sich Geschichte etwa tatsächlich? Meine Antwort lautet: Ja. Wenn man erkennt, dass sie sich nur geschickt kostümiert und sich die entscheidenden Spieler im Hintergrund hinter anderen Kulissen verbergen, kann man das wohl so sagen.
Damals wurden berüchtigte japanische Kamikaze-Bomber als effektives Feindbild aufgebaut, zu deren Vernichtung die gerechten Armeen ausgesandt wurde. Heute sind es noch weniger greifbare Selbstmordattentäter, Terroristen, Taliban, die den eigenen Leib am Zielort in die Luft jagen. Blöd nur, wenn etwa aus Videoaufnahmen in der Londoner U-Bahn klar hervorgeht, dass eine Bombe damals nicht, wie berichtet, im Rucksack eines Attentäters detonierte, sondern unterhalb des Zuges …
Leute: Aufwachen! Einer, der uns dabei unterstützen kann, ist der Historiker und Autor Jan von Flocken. Jan von Flocken studierte Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin, wurde Redakteur bei der Berliner Tageszeitung "Der Morgen". 1991 wechselte er zur Berliner Morgenpost und 1996 zum Nachrichtenmagazin Focus. Seit 2005 ist er als freier Autor tätig. Ein Interview mit ihm gibt´s hier (unten) zu sehen. Wer keine ganze Stunde Zeit für seine Bildung aufbringen möchte, beachte insbesondere Minute 35:50 bis 38:50. Geht neue Wege.