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Der 3. Blick 6.0 - Zum Glück gibt´s Olympia!
Donnerstag, 25.02.2010 22:53 (GMT+2)

In Zeiten, in denen EU-Granden klar und deutlich von der Schaffung einer zentralen Brüsseler Wirtschaftsregierung sprechen; in Zeiten, in denen die Arbeitskraft der Massen schamlos zur Bewältigung einer durch manisches Spekulieren entstandenen Überschuldungskrise missbraucht wird; in Zeiten, in denen der Staatsanwalt gegen streitbare Väter ermittelt, die vehement ein Recht auf ihre eigenen Kinder einfordern und dieses Engagement als Gründung einer „staatsfeindlichen Organisation“ und „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ gebrandmarkt wird (Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/541649/index.do) – in diesen Zeiten sind sie ein willkommener abendlicher Lichtblick: die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver, Kanada.

Während gesellschaftlich die Kräfte der Entsolidarisierung, des schwindenden Zusammenhalts untereinander, immer deutlicher spürbar werden, bereiten uns insbesondere die errungenen Goldmedaillen in den Teambewerben der Skispringer und Kombinierer große Freude. Schön, wenn eine Gruppe zusammenhält, jeder sein Bestes gibt und damit ein erstklassiges Ergebnis möglich wird.

Ganze Nationen liegen momentan im Olympischen Freudentaumel und vergessen dabei, dass wir äußerst prekären Zeiten entgegengehen. Im unterhaltenden Sinn erfüllen die Spiele ihre Funktion hervorragend, wie damals im alten Rom das Spektakel im Circus Maximus: Panem et Circenses - Brot und Spiele für das Volk … Das ist die eine, positive, Seite, wenn man so möchte.

Aus einer anderen Perspektive besehen könnte man freilich anmerken: Während die Athleten hochkonzentriert die Olympische Herausforderung annehmen und spannende Wettkämpfe austragen, geht beinahe unter, dass es sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um eine Organisation handelt, die sich alle 2 Jahre den weltweiten Leistungssport unter ihre gierigen Nägel reißt und mit Olympischen Weihen versehen gnadenlos vermarktet.

Die Entmündigung des Menschen endet dabei nicht bei den in Szene gesetzten Athleten, denen bei Olympia das Recht auf individuelle Vermarktung völlig abgesprochen wird. (Thomas Morgenstern musste sogar sein eigens kreiertes, individuelles Namenslogo auf dem Helm überkleben, um nicht Gefahr zu laufen disqualifiziert zu werden.)

Die schlagkräftige Kombination aus finanzstarken Sponsoren und IOC hat es im Zusammenspiel mit den lokalen Behörden British Columbias sogar vollbracht, den Großteil der Wettkampfstätten gegen den Willen der legitimen indigenen Landbesitzer auf deren Grund und Boden zu errichten – nachzulesen unter http://no2010.com/node/19.

Um daran etwas zu ändern, dafür ist es jetzt freilich zu spät. Wir wollen dies als Vorgeschmack auf die nächsten Winterspiele 2014 in Sotschi werten, wo die Sportstätten nicht nur in ein Naturschutzgebiet gebaut werden, sondern die Region im 19. Jahrhunderts zudem Schauplatz eines regelrechten Genozids, begangen von den Russen an den Tscherkessen (Adygen), wurde, der bis heute offiziell nicht als solcher bezeichnet wird.

Glücklicherweise leben wir im Herzen Europas und haben auf diese Vorgänge wenig Einfluss. Konzentrieren wir uns also besser auf unsere eigene Situation, kehren wir zunächst vor jener Tür, die wir für die unsere halten: Mit Herbst 2009 wurde der Vorstand des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) komplett erneuert. Nach dem finanziellen „Schaden“ um die Salzburger Olympiakandidatur wurde endlich reiner Tisch gemacht, gründlich aufgeräumt und ausgemistet. Zwar musste das neue ÖOC soeben hinnehmen, dass sein jüngst abgetretener Generalsekretär Heinz Jungwirth sage und schreibe € 176.000,- erhalten hat, damit er für alle Zeit Stillschweigen über die Vorgänge innerhalb des alten ÖOC bewahren möge.

Parallel dazu präsentiert sich das ÖOC nun, nach dem Ausscheiden von Dr. Leo Wallner, Heinz Jungwirth und anderer vornehmer Herren in blütenweißem Gewand. Anstelle des alten ÖOC-Präsidenten Leo Wallner, seines Zeichens ehemaliger Präsident der Österreichischen Lotterien, Rotarier-Obmann, usw., steht nun der ehrenwerte Herr Stoss an der Spitze des OÖC und führt dessen lukrative Geschäfte. „Der Vater dreier Kinder, dessen Frau so gut wie nie an seiner Seite in der Öffentlichkeit zu sehen ist, gilt als ein begnadeter Netzwerker mit Kontakten in alle politischen Lager.

Es gibt aber auch Kritiker, die ihn als Jobhopper bezeichnen, der niemandem wehtut und daher beruflich immer weitergereicht wurde. (…) 2005 wurde er schließlich Chef des Generali-Konzerns in Österreich. Dort hielt es ihn nur knapp zwei Jahre lang, ehe er als Nachfolger Wallners zu den Casinos wechselte. (…) Zu seinen Freunden aus dem Ländle zählen Ottakringer-Chef Sigi Menz, ORF-Info-Direktor Elmar Oberhauser und Jesuitenpfarrer Georg Sporschill. Stoss ist Präsident eines Wiener Rotary-Klubs …“, usw., usf. (Quelle: Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe 25.09.2009)

Noch einmal in Zusammenfassung: Der frisch installierte Hoffnungsträger Stoss ist - wie sein Amtsvorgänger Wallner: Rotarier-Obmann, Casino-Chef, ÖOC-Präsident, ...

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Treibt selber Sport!

Der Kosmotoriker aus Scharnstein

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