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Gmunden: Team Dr. Sommergruber leistet Aufklärungsarbeit
Donnerstag, 15.10.2009 11:00 (GMT+1)

Krankenhaus Gmunden eröffnet First-Love-Ambulanz - Prim. Dr. Michael Sommergruber | Foto: gespagIn den Bezirken Gmunden und Vöcklabruck leben knapp 29.000 Jugendliche (Stand 1. Jänner 2009) im Alter zwischen zehn und 19 Jahren. Sie alle befinden sich in diesem Alter mehr oder weniger in der wichtigsten Entwicklungsphase des Lebens – der Pubertät.

Eine schwierige Zeit, nicht nur für Eltern, sondern vor allem für die Heranwachsenden selbst: Die Entdeckung der Sexualität und des eigenen Körpers, Aufklärung oder die erste gynäkologische Untersuchung werfen viele Unsicherheiten und Fragen auf, die selbst bei Teenagern des Internetzeitalters immer aktuell sind.

Doch wem können sie sich anvertrauen, wer hilft fachlich kompetent und zugleich verständnisvoll? Erste Anlaufstelle für die Jugendlichen des Salzkammergutes ist seit wenigen Wochen jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat zwischen 13 und 14 Uhr die neu eröffnete First-Love-Ambulanz des Landes-Krankenhauses Gmunden (wir berichteten).

First-Love-Beratung ist anonym und kostenlos
Im Alter zwischen zehn und 19 Jahren machen Mädchen und Burschen den größten Wandel durch: Der Körper verändert sich, das berühmte erste Mal steht an und mit ihm auch die Verhütung, sexuell übertragbare Erkrankungen oder die erste gynäkologische Untersuchung – Themen, die beschäftigen. Gleichzeitig trauen sich aber die meisten Teenager nicht, mit ihren Eltern darüber zu reden. Auch das Internet als Informationsquelle Nummer eins reicht nicht aus, um den jungen Menschen die nötige Sicherheit zu geben und die Angst zu nehmen.

„Die persönliche Beratung, das Gespräch, ist in diesem Alter ist ganz wichtig und ist durch nichts zu ersetzen, denn obwohl Sexualität so offen wie nie in den Medien behandelt wird, kursieren unzählige Mythen und Halbwahrheiten, die den jungen Menschen Angst machen“, sagt Prim. Dr. Michael Sommergruber, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, in deren Rahmen die First-Love-Ambulanz stattfindet.

First-Love-Ambulanz des Landes-Krankenhauses Gmunden ist kostenlos
Die Beratung der First-Love-Ambulanz des Landes-Krankenhauses Gmunden ist kostenlos und anonym und erfolgt ohne Anmeldung. „Das ist ein ganz wichtiger Faktor, denn die Teenager sollen Vertrauen aufbauen können und sollen sich nicht kontrolliert vorkommen“, sagt der Mediziner. Das Angebot der First-Love-Ambulanz reicht von Beratungen rund um das Thema Sexualität, Verhütung und Aufklärung bis hin zur gynäkologischen Erstuntersuchung.

Vertrauen aufbauen und Bewusstsein schärfen
OÄ Dr.in Carola Fuschlberger-Traxler | Foto: gespagOÄ Dr.in Carola Fuschlberger-TraxlerOÄ Dr.in Carola Fuschlberger-Traxler, selbst Mutter eines siebenjährigen Sohnes, leitet die First-Love-Ambulanz am LKH Gmunden und wird von ihrer engagierten Kollegin, Ass. Dr. in Martina Hinterreitner, unterstützt. Die Gynäkologin weiß, wie wichtig die First-Love-Anlaufstelle für Teenager ist: „Rund 25 Prozent aller Jugendlichen haben heutzutage mit spätestens 14 Jahren bereits ihren ersten Sex gehabt und sind doch ahnungslos. Gerade die Mädchen fühlen sich reifer als es ihrem eigentlichen Alter und ihrer Entwicklung entspricht“, sagt die Expertin. „Sie geben vor, alles zu wissen, doch am Ende sind sie froh und erleichtert, wenn man ihnen erklärt, wie der weibliche Zyklus funktioniert, was etwa Hormone sind, wie man richtig verhütet oder auch, was die beste Verhütungsmethode für sie persönlich ist.“

Die Medizinerin hat einen besonderen Zugang zu den jungen Menschen, die in die First-Love-Ambulanz kommen, sie kann sich gut in die Teenager hineinversetzen: „Wenn ich den Mädchen zum Beispiel die Funktionsweise des gynäkologischen Stuhls erkläre, sage ich, dass das für alle Frauen – auch für mich – unangenehm ist; dass die Untersuchung vielen Frauen Angst macht, dass das aber normal ist und die Untersuchung eben dazugehört.

Das schafft das nötige Vertrauen.“ Besonderes Anliegen der Oberärztin ist es, das Bewusstsein der Teenager zu schärfen. So ist das Bedürfnis nach Aufklärung über Geschlechtskrankheiten bei der Mehrzahl der Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren relativ gering: „HPV-Viren etwa waren bei der Impfdiskussion kurzfristig Thema, doch das Interesse dafür hat wieder nachgelassen“, sagt Expertin Fuschlberger-Traxler und erklärt: „Eine HPV-Erkrankung wie Gebärmutterhalskrebs ist für die jungen Mädchen gedanklich sehr, sehr weit weg. Dass HPV-Viren – durch Geschlechtsverkehr übertragen – jedoch auch zu den sehr belastenden und resistenten Feigwarzen, den Condylomen, im Geschlechtsbereich führen können, ist den wenigsten bekannt. Auch dafür müssen wir die Sensibilität wecken, wenn die jungen Patientinnen zu uns in die First-Love-Ambulanz kommen.“

Gynäkologische Untersuchung und Verhütung
Die Mehrzahl der Mädchen, die die First-Love-Ambulanz aufsuchen, hat den Wunsch nach Verhütung und lässt sich in diesem Zusammenhang erstmalig gynäkologisch untersuchen. „Die Untersuchung ist für viele am Anfang befremdlich. Wir erklären deshalb zunächst genau, was wir machen und zeigen ihnen auch die Instrumente, die für junge Mädchen extra klein und zierlich – der Anatomie angepasst – konzipiert sind“, sagt Dr. in Fuschlberger-Traxler. Bereits im Laufe der meisten dieser Erstgespräche spüren die Expertinnen der First-Love-Ambulanz wie sich die jungen Frauen entspannen und der Besuch beim/bei der Frauenarzt/ärztin seine vermeintliche Bedrohung verliert.

Vereinzelt kommt es auch vor, dass verzweifelte junge Mädchen die Pille danach benötigen oder definitiv schon schwanger sind und nicht mehr weiter wissen. „Das sind dann ganz besonders sensible Situationen, aber auch da lassen sich gemeinsam mit den Mädchen meist positive Lösungen finden“, sagt die Expertin, die bereits fünf Jahre die First-Love-Ambulanz am LKH Bad Ischl betreute.

First-Love-Netzwerk mit Schulen und Jugendeinrichtungen
Zusätzlich zur Ambulanzstunde jeden zweiten und vierten Donnerstag will das Team der Gmundener First-Love-Ambulanz mit den Schulen und Jugendeinrichtungen der Region ein engmaschiges Netzwerk aufbauen und bietet deshalb ein besonderes Service:

„Wir laden Schulklassen und Jugendgruppen zu Besichtigungen der First-Love-Ambulanz ein“, sagt Gynäkologie-Primar Dr. Michael Sommergruber. „So können die Burschen und Mädchen das Ambiente und auch die beiden Ärztinnen kennen lernen und wissen, wir sind für sie da, wenn sie uns brauchen. Da fällt der erste Besuch alleine dann auch leichter, denn überall, wo man schon mal war, kommt man erfahrungsgemäß auch eher wieder hin.“

Die Informationsveranstaltungen für Gruppen und Schulklassen sind besonders für die tendenziell zurückhaltenderen, aber doch wissbegierigen Buben eine Chance, sich dem Thema First-Love-Beratung zu nähern. „Sind die Burschen bei den normalen Ambulanzterminen eher in der Minderheit, zeigen sie sich bei den Gruppenveranstaltungen sehr interessiert und wollen vor allem ganz viel über die Mädchen und deren Anliegen erfahren “, berichtet der Experte schmunzelnd.

Neue First-Love-Ambulanz des LKH Gmunden

• Beratungsstelle für zwölf- bis 19-Jährige
• anonym, kostenlos und ohne Anmeldung
• jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 13 bis 14 Uhr in der Ambulanz für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
• Leitung: OÄ Dr.in Carola Fuschlberger-Traxler

Redaktion


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