Zu einem „Publikumsrenner“ in des Wortes echter Bedeutung wurde das Gastspiel des „Mundharmonika-Quartett Austria“ beim Kultursommer im Traunseemarkt. Weil schon Tage vorher 400 Vorverkaufskarten abgesetzt waren, der Speisesaal der Gastgewerbeschule aber mit 350 Personen limitiert ist hoffte Kulturreferent Hans Schögl auf einen einsichtigen Wettergott um den großräumigen Schlosshof nützen zu können. Er hoffte vergeblich, denn die Wetterprognosen verschlechterten sich stündlich, sodass die Verantwortlichen schließlich in den Hauptschulturnsaal ausweichen mussten. Dieser war aber bereits dreiviertel Stunden vor Beginn mit Quartett-Fans fast vollbesetzt und die noch freien Plätze mussten für die „Rückwanderer“ vom Schloss und die Vorverkaufskarteninhaber reserviert werden. Eine erkleckliche Zahl von Wartenden musste diesen Abend leider ohne Musikgenuss verbringen.
Beste Laune
Jene Glückologen aber, die von der „Muse geküsst“, erlebten dann ein blendend disponiertes Quartett, das mit einem bunten, alle Musikstile und –richtungen einbeziehenden Programm und technischen (Solo-)Gustostückerln en serie beste Laune verbreitete. Das schuf schnell eine beide Seiten aneifernde Stimmung zumal der Moderator gepflegten Humor versprühte, das Publikum dabei einband und so eine kumpelhafte Atmosphäre schuf.


für jede Stilrichtung der richtige Sound
Seit den frühen neunziger Jahren gibt es das Quartett (in der LMS Laakirchen entstanden) das mit hochkarätigen wie hochmusikalischen Solisten besetzt ist. Gerald Seyr, Hans Ortner, Brigitte Laska und Thomas Stockhammer sind phänomenal aufeinander eingespielte Instrumentalisten, die ihre Parts perfekt beherrschen und auf jede kleine Andeutung in der Gruppe sofort eingehen. Ihre technische Perfektion verdutzt das Publikum genauso wie die von ihnen genussvoll zelebrierten Soloeinlagen. Ihr Klang ist trotz der exerzierten rhythmischen Akkuratesse niemals hart sondern geschmeidig weich und exakt, kann bei Bedarf aber auch bis zu exzessiven Fortis gepusht werden. Sie finden für jede Stilrichtung den richtigen Sound. Die Solodarbietungen schufen stets spürbare Spannung und Ergriffenheit bei der Zuhörerschaft.
Der Beginn wurde mit einigen fröhlichen Volksmusik-Versatzstücken gesetzt und fortan gab es eine bunte Mischung von ungarischer Zigeunermusik, Instant-Solostücken verschiedener „Ohrwürmer“, russische, mexikanische, griechische Hits und unversehens war man bei der „Wilhelm-Tell-Ouverture“, zwar nur als Fragment gespielt aber dennoch ein Schulstück von Instrumentbeherrschung und rhythmischem Zusammenspiel ist.


Nach klangsüßen Strauß-Melodien gab es eine großartige und locker dargebotene Big-Band-Session, wurden mit „Elvis größte Hadern“ die einst smarten Jünglinge der sechziger Jahre (mittlerweile zu Senioren mutiert) an ihre Aufreißerzeit erinnert, Tom Doley und Bonanza „relauncht“ und der Wilde Westen („Spiel mir das Lied“ . . .) mit sentimental weit ausholenden und schluchzenden Mundharmonika-Schmelz hervorgeholt. Rundum also Hörerlebnisse für alle Altersgruppen, was sich denn auch im stürmischen Applaus und den „Zugabe“-Rufen manifestierte. Im Resümee: Ein leichtfüßiger Musikabend mit Genusspotential für alle Zuhörergruppen.