Schauen Sie sich das an, was das Goiserer Theatercafe Maislinger mit einfachen Mitteln und Tricks so alles auf das Podium bringt. Bühne gibt es nämlich keine, auch der Vorhang fehlt und wenn man will, kann man sogar den Protagonisten vorne bei der Theke beim Vorbereiten ihres Auftritts zuschauen. Allein schon diese Improvisationskunst beeindruckt, aber was dann folgt, ist lokale Extraklasse.
Mit Nonchalance zeigt der jugendliche Charmeur dem etwas tollpatschigen Ureinwohner wie man richtig flirtet, die frivole Blondine führt vor, wie man einen stocknüchternen Arzt zum lasterhaften Tete-a-tete in ein Labor schleppt, eine makabre Friedhofsszenerie erinnert an gute alte, leider verblichene Bekannte, und, ja natürlich, unser Biowahnsinn darf auch nicht fehlen.
Nach der Pause kriegt der ORF sein Fett ab ebenso wie die Politiker, die reden und reden und so gar nichts sagen. Richtig bemitleidenswert sind die netten Piefkes, die den Launen eines hoffentlich nicht typisch österreichischen Herrn Obers ausgesetzt sind. Und dann kommen die Alten, herrlich grantelnd wie immer, aber doch so treffend mit ihren Aussagen zum politischen Alltag. Mundls turbulente Geburtstagsparty ist dramaturgischer Höhepunkt und zugleich fulminanter Schlusspunkt eines außergewöhnlichen Kabarettabends und wenn ganz am Ende quasi als Draufgabe Frau Sackbauer bescheiden aber inbrünstig sich zum Geburtstag bloß einen Vorderzahn wünscht jubeln nicht nur die Zahnärzte.
Schön, dass es das Goiserer Theatercafe gibt, die tüchtige Chefin Barbara, die das alles ermöglicht, die herrlich laszive Irene, den Karl Valentin-artigen Albrecht, den charmanten Bernhard, den sangeskräftigen Willibald, die in jeder Rolle beeindruckende Elfriede, den Sprachästheten Christoph, den komödiantischen Tausendsassa Manfred, den von allen Musen geküssten Sepp am Klavier und die unsicht- aber unverzichtbare Babsi im Hintergrund.
Sie alle machen das Goiserer Kabarett zu einem beeindruckenden Kulturereignis, das sich den langen Schlussapplaus im ausverkauften Cafe Maislinger redlich verdient.