Groß war am Donnerstagabend das Interesse aller Hallstätter bei der Bürgerversammlung gegen die Pläne und regelrechte Bevormundung des Bundesdenkmalamtes (BDA). Mehr als 350 Hallstätter haben sich im Kulturhaus getroffen, um mit Bürgermeister Alexander Scheutz, Bürgermeister Egon Höll (Gemeinde Obertraun) und Bürgermeister Peter Ellmer (Gemeinde Bad Goisern) zu diskutieren. Als Vertretung von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer kam LAbg. Josef Steinkogler.
Das Bundesdenkmalamt beabsichtigt in naher Zukunft durch den sogenannten Ensembleschutz den Ortsteil Markt (Gebiet zwischen Tunnelröhre Nord und Süd) sowie in weiterer Folge die Ortsteile Lahn und Salzberg unter Denkmalschutz zu stellen. Gesamt sieht das Bundesdenkmalamt vor, mehr als 150 Häuser in Hallstatt unter Denkmalschutz zu stellen.
Bürgerversammlung ohne Bundesdenkmalamt
Die Gemeinde Hallstatt hat extra für das Bundesdenkmalamt einen Termin für ein gemeinsames Gespräch vereinbart, an dem im Rahmen der Bürgerversammlung Klartext gesprochen hätte werden sollen. Das ganze war jedoch ohne der Rechnung des BDA. Die hätte auf Nachfrage das Gespräch im kleinen Rahmen gewünscht. Dr. Barbara Neubauer, Präsidentin des BDA schrieb in einem Brief an Bürgermeister Alexander Scheutz, dass es nicht ihre Art sei vor so großem Publikum dieses Thema abzuwickeln. Ein Termin für Anfang Mai sei seitens des BDA mit der Gemeindevertretung anberaumt.
Es war wie eine Vergewaltigung
"Erst durch einen konkreten Fall einer Bewohnerin habe ich mitbekommen, wie diese Bundesbehörde mit uns um geht. Ich habe es am eigenen Leibe miterlebt", berichtet Scheutz, "Beamte würden ohne Erlaubnis in die Häuser gehen, alles Fotografieren und Dokumentieren. Sogar ins Schlafzimmer einer Hallstätterin sind sie ohne zu fragen gegangen, in dem ihr kranker Gatte schlief. Es war wie eine Vergewaltigung!"
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| Bis auf den letzten Platz war das Kulturhaus bei der Bürgerveranstaltung gefüllt - mehr als 350 Interessenten kamen |
"Um eine Rechtsberatung werden wir nicht herum kommen!", sagt Scheutz und hat sich daher den Spezialisten Dr. Michael Schneditz-Bolfras aus Gmunden ins Boot geholt. "Wir können es nicht darauf ankommen lassen, es muss bereits im Vorfeld zurückgewiesen werden, denn wenn das Verfahren einmal läuft, dann ist es sicherlich schon zu spät!" Dr. Michael Schneditz-Bolfras ist Rechtsanwalt aber auch Gemeinderat sowie im Bauausschuss in Gmunden.
Bürgerinitiative "Denkmalschutz - Nein Danke!"
Sofort nach bekanntwerden der Pläne des BDA hat sich in Hallstatt eine große Bürgerinitiative mit Peter Frühauf an der Spitze geformt, die diese Eingriffe ins Privatrecht aufs schärfste verhindern möchte. Mittlerweile konnten über 700 Unterschriften gesammelt werden. Sogar das Web 2.0 wird hierfür herangezogen. Im Sozialnetzwerk Facebook haben sich sogar schon mehr als 980 "Fans" gegen die Pläne BDA ausgesprochen.


Marktgemeinde Hallstatt lehnt Vorhaben des Bundesdenkmalamtes ab
Die Marktgemeinde Hallstatt lehnt das Vorhaben des BDA entschieden ab, weil die Gemeinde es als völlig überzogen betrachtet den gesamten Ort Hallstatt unter Denkmalschutz zu stellen und es nicht zulassen wird, dass Bewohner von einer Bundesbehörde (BDA) enteignet, bevormundet und in ihren Persönlichkeitsrechten beschnitten werden.


Lassen uns nicht von Wien, Linz oder Paris aus dirigieren
Hallstatt ist in Jahrtausenden historisch und ohne Zutun des Bundesdenkmalamtes gewachsen. Die vorherrschenden Instrumentarien, wie die OÖ Naturschutzbehörde, sowie die Oö. Bauordnung reichten bisher aus und werden auch in Zukunft vollkommen ausreichen, um die Häuser von Hallstatt zu erhalten und zu schützen wie sie sind - war der einheitliche Konsens der Veranstaltung im Kulturhaus im Herzen von Hallstatt.