Vorwürfe der Im Zusammenhang mit der ersten Versammlung nach Einreichung der Freileitung zwischen Kirchdorf und Vorchdorf zur Bewilligung gab es harte Angriffe der Betroffenen gegen die Vorgehensweise der Energie AG.
“Unmoralisch” nannte ein Landwirt die Angebote, die Grundeigentümern derzeit gemacht würden, um sie umzustimmen - nämlich dazu, ihre Grundstücke nun doch für die geplante 110-kV-Freileitung zur Verfügung zu stellen. 87 Prozent dieser Grundeigentümer hatten schon vor Monaten schriftlich erklärt, damit nicht einverstanden zu sein. Hintergrund dieses Vorwurfs: Die Energie AG zahlt sieben Prozent der allfälligen späteren Entschädigung jedem Grundeigentümer, der der Nutzung seines Grunds unwiderruflich zustimmt.
Dies können im Einzelfall mehrere tausend Euro sein. Diese Summe steht dem Betroffenen selbst dann zu, wenn die Leitung woanders oder gar nicht errichtet wird. Als Bestechungsgeld bezeichnete denn auch Michael Praschma, einer der Sprecher der Initiative, dieses so genannte Optionsentgelt. Es ist Bestandteil des umstrittenen Optionsvertrags, den Landwirtschaftskammer-Präsident Hannes Herndl kürzlich genehmigt hatte. Die Mitglieder der Initiative empört aber auch, dass die Energie AG nicht Wort gehalten habe.
“Der Projektleiter der Energie AG, DI Wolfgang Angerer, hat mir gegenüber telefonisch ausdrücklich versichert, dass jetzt, bevor noch keine Trasse behördlich feststeht, keine Unterschriften bei Grundeigentümern gesammelt werden”, sagt Praschma. Lediglich “Beratung” sei vorgesehen gewesen. Diese Zusicherung sei auch Vertretern der Politik gemacht worden.
Grundeigentümer berichteten in der Versammlung hingegen von fertig mit Geldbeträgen ausgefüllten, unterschriftsreifen Verträgen, die die Energie AG ihnen präsentiert hat. Sie seien außerdem darauf hingewiesen worden, dass bereits Optionsverträge von Betroffenen unterschrieben worden seien. Heftige Kritik wurde in diesem Zusammenhang auch noch einmal an Kammerpräsident Herndl geäußert: Er habe den Weg zu den Grundeigentümern für die Energie AG erst geebnet.
Initiative sieht sich systematisch getäuscht
“110 kV ade!” vertritt seit dem Frühjahr als Initiative der Betroffenen die Gegner der Freileitung, hat aber bereits weitreichende ökologische Alternativ-Vorschläge formuliert. Das jetzige Vorgehen der Energie AG sehen die Betroffenen als Fortsetzung einer Reihe von Manövern mit dem einzigen Ziel, solche Alternativen zu verhindern.
“Das Versprechen einer weitgehenden Bürgerbeteiligung wurde nicht in die Tat umgesetzt, Informationen über interessante Details der Planungen hat man uns ausdrücklich vorenthalten. Stattdessen gab es sogar irreführende Falschinformationen, so zunächst über die angebliche technische Unmöglichkeit eines Erdkabels,” listet die Initiative auf.
Schließlich sei bei der letzten Verhandlungsrunde mit der Energie AG vor der Einreichung zum Behördenverfahren auch vereinbart gewesen, dass die Einreichunterlagen der Initiative zur Verfügung gestellt werden. Auch hierauf warten die Betroffenen nun schon Mitte Juni.
www.110kv-ade.at