„Wir lassen uns von der ÖBB unsere Regionalbahnen nicht kaputt-sparen!“
Systematischen Fahrgast-Vertreibungen müssen endlich flächendeckende Sanierungs- und Attraktivierungsmaßnahmen entgegengesetzt werden!“

Es unübersehbar: Die Situation der heimischen Regionalbahnen wird immer prekärer, und das offensichtlich gewollt: Denn nach Planungen einer ÖBB-internen Arbeitsgruppe soll das Netz der Bahn in ganz Österreich aus Kostengründen auf wenige Hauptstrecken reduziert werden. Der angedachte Kahlschlag trifft alle Bundesländer – OÖ mit seinen vielen Regionalbahnen ganz besonders. Die Mühlkreisbahn droht ein erstes Opfer zu werden. Geht es nach Teilen der Wiener ÖBB, sollen weitere Regionalbahnstrecken in OÖ wie die Salzkammergutbahn und die Almtalbahn folgen. Dabei wäre die Salzkammergutbahn ab Ebensee und die Almtalbahn zur Gänze zwischen Wels – Grünau von der Einstellung bedroht.
Die Grünen werden hier nicht tatenlos zusehen: „Wir wollen und werden uns gemeinsam mit der Bevölkerung gegen diese Schließungspläne wehren, an all den bedrohten Stecken Widerstand aufbauen und uns massivst dafür einsetzen, die Regionalbahnen zu attraktivieren statt stillzulegen“, betont der Grüne Verkehrssprecher Markus Reitsamer. Begonnen haben die Grünen mit Initiativen zur Rettung der Mühlkreisbahn, hier haben die Grünen OÖ bereits erfolgreich eine Online-Petition zum Erhalt dieser wertvollen Bahn „auf Schiene“ gebracht.
Bereits ausverhandelte Vereinbarung zwischen Land OÖ und ÖBB für Infrastruktursanierungspaket seit einem Jahr von ÖBB-Infrastruktur-Gesellschaft noch nicht unterzeichnet
Auf beiden Bahnen lassen sich die zweifelsohne noch vorhandenen Potentiale aufgrund der mangelnden Infrastruktur der Schienen und Anlagen und der damit einhergehenden Geschwindigkeits- und Attraktivitätseinschränkungen bei weitem nicht ausschöpfen. Seitens des Landes OÖ wurde daher 2009 gemeinsam mit den ÖBB für beide Bahnen eine Infrastrukturentwicklung durchgeführt, welche in mehreren Modulen in den nächsten Jahren folgende dringende Maßnahmen vorgesehen hätte:
- Sanierung Langsamfahrstellen zur durchgehenden Anhebung der Streckengeschwindigkeit
- Umbau, Auflassung oder technische Sicherung der Eisenbahnkreuzungen
- Errichtung barrierefreier Bahnsteige einschließlich niveaufreier Zu- und Abgänge
Die ÖBB hat zwar im April 2009 eine Vereinbarung mit dem Land OÖ über die Finanzierung dieser Maßnahmen geschlossen, aber bis dato noch nicht unterzeichnet. Die längst notwendigen Sanierungen konnten daher noch nicht in Angriff genommen werden. Völlig unattraktive Durchschnittsgeschwindigkeiten von 30 km/h stehen somit weiterhin an der Tagesordnung. Viele Fahrgäste sind daher in den letzten 10 Jahren auf das Auto umgestiegen.
Gezielte ÖBB-Fahrgastvertreibung
„Eine nur an lukrativen Hauptstrecken interessierte ÖBB-Infrastrukturgesellschaft vollzieht bei diesen Bahnen eine gezielte Fahrgastvertreibung und setzt offenbar alles daran, das Potential der Regionalbahnen Oberösterreichs nachhaltig zu zerstören. Jetzt werden langsam, aber sicher die Fahrgäste durch fehlende Sanierungen beziehungsweise Langsamfahrstellen und ungesicherte Eisenbahnkreuzungen vertrieben, dann folgt eine Fahrgasterhebung, die aufzeigt, dass man sie zusperren kann. Eine durchschaubare Vorgehensweise, der in einer breiten Allianz entschieden entgegen getreten werden muss“, betont Reitsamer.
Die dezenten Hinweise verschiedenster ÖBB-Infrastrukturmanager, die Länder könnten „schlecht laufende“ Regionalbahnen durch Busse ersetzen, ist sicherlich der falsche Weg die schwindende Kundenakzeptanz im öffentlichen Verkehr zu bekämpfen.
„Das ÖBB-Management ignoriert damit Untersuchungen, die eindeutig zeigen, dass bei einer Einstellung von Regionalbahnen zwei Drittel der Fahrgäste nicht auf den Autobus, sondern auf den Pkw umsteigen. Die Vorzüge der Bahn gegenüber dem Bus sind der größere Komfort, die höhere Zuverlässigkeit und der geringere Stress bei Umstiegen. Busse sind unverzichtbar in Regionen ohne Bahn und als Ergänzung zu dieser“, so Reitsamer.
Salzburger Lokalbahn zeigt, dass Regionalbahnen florieren können
Was eine beispielhafte „regionale Identifikation“ mit der Regionalbahn und das daraus erwachsene Engagement der BürgerInnen und Gemeinden für Ihre Regionalbahn bewirken, zeigt das Positivbeispiel Salzburger Lokalbahn: Dort hat eine offensive Investitionspolitik und ein durchgehender Halbstundentakt dazu geführt, dass innerhalb von 15 Jahren die im Landeseigentum befindliche Bahn eine Fahrgaststeigerung von 1,5 auf fast 5 Millionen pro Jahr erreichte.
Erfolgsfaktoren der Salzburger Lokalbahn:
• 365 Tage im Jahr Halbstunden-Takt – zur „Rush hour“ Viertelstunden-Takt
Die SB-LB bietet den Fahrgästen von 5:00 Uhr früh bis 23:30 Uhr, von Montag bis Sonntag, einen durchgehenden Halbstundentakt. Darüber hinaus bietet sie zu den Hauptverkehrszeiten einen Viertelstunden-Takt – dies bringt „U-Bahnqualität“ in die Region. Insgesamt gibt es täglich 96 Verbindungen auf der Lokalbahnstrecke.
• Eilzugtakte – schnelle Schiene für Pendler
• Nachtzüge für Nachschwärmer
• SchaffnerInnen machen’s persönlich – ZugbegleiterInnen in jedem Zug
• Optimale Verkehrsdrehscheiben am Einstiegs- und Ausstiegspunkt
Salzkammergut-Bahn: Historische Bahn wird kaputt gespart
Wie bei zahlreichen andere Regionalbahnen auch ist das zentrale Problem der Salzkammergutbahn das mangelhafte Schieneninfrastrukturzustand sowie zahlreiche ungesicherte Eisenbahnkreuzungen und die damit einhergehenden Geschwindigkeits- und Attraktivitätseinschränkungen. Viele Züge enden in Obertraun, die Fahrgäste müssen dann beispielsweise zur Weiterfahrt nach Bad Aussee ihre Koffer zum Bus bringen, und diesen für die Weiterfahrt nützen.
Gravierende Probleme bestehen im Schienenoberbau der Salzkammergutbahn: Dadurch ergeben sich zahlreiche „Langsamfahrstellen“, durch die daraus resultierenden Fahrzeitverzögerungen können verschiedene Anschlusszüge einfach nicht mehr erreicht werden, wie etwa die Schnellzüge in Stainach-Irdning nach Graz. Da die Schnellzug-Intervalle oftmals im 2-Stunden-Bereich liegen, ergeben sich dadurch enorme Wartezeiten. Die Beseitigung von Langsamfahrstellen (schadhafter Oberbau, Beseitigung von Erhaltungsrückständen) sollte hierbei oberste Priorität eingeräumt werden.
Unannehmbare Fahrzeiten zwingen zum Umstieg aufs Auto
„Es schmerzt nicht nur sachlich sondern auch persönlich, dass die fest verankerte Traditionsbahn mit 1,8 Millionen Fahrgästen pro Jahr offenbar auf das Abstellgleis verschoben wird und ihre Potentiale nicht erkannt werden“, betont Reitsamer, der hier für viele Menschen in der Region spricht: „In unzähligen Gesprächen haben mir die Menschen versichert, wie sehr sie den Niedergang der Bahn bedauern und dass sie die Salzkammergutbahn auf jeden Fall nutzen würden, wenn die Rahmenbedingungen verbessert werden“, so Reitsamer.
Für immer mehr PendlerInnen sind die Fahrzeiten derart unannehmbar geworden, dass sie gezwungen sind, mit dem Auto zu fahren und selbst Stauzeiten in Kauf zu nehmen.
„Almtal-Bahn ist sanierungsbedürftig auf allen Ebenen!“, so Hans Ahammer, OBB Betriebsrat Produktions GesmbH
Probleme im Schieneninfrastrukturbereich gibt es auch bei der 43 Kilometer langen Almtalbahn: Bereits seit Jahren zögert man die Sanierung der Langsamfahrstellen hinaus, bei denen der Schienenoberbau, die Schwellen und die Schienen schon dermaßen ausrangiert sind, sodass eine jährliche Geschwindigkeitsreduktion die Folge ist. „Hierbei wurde in regelmäßigen Abständen die Durchfahrtsgeschwindigkeit von 60km/h auf 40km/h, ein Jahr später von 40 km/h auf 20km/h, wieder ein Jahr später auf nur mehr 10km/h gesenkt“, kritisiert ÖBB-Betriebsrat Hans Ahamer.
Auch die Eisenbahnbrücken von Wels nach Thalheim über die Traun sowie die Almbrücke sind bereits in desolatem Zustand und daher sanierungsbedürftig, wegen der höheren Meterlast will man mit schwereren vier-achsigen Loks die Brücken nicht mehr befahren, Risikofaktoren wie noch immer nicht beschrankte Bahnübergänge sorgen durch einhergehende Geschwindigkeitsreduktionen zudem für Zeitverluste auf der Strecke.
Mangelhafte Ausstattung der Züge – Bahn wird kaputt gespart!
Auch die Ausstattung der Almtal-Bahn ist in einem bemerkenswert miserablen Zustand: „Der neue Dieseltriebwagen 5022 (Desiro) wurde den AlmtalbewohnerInnen im Rahmen von Railshows in den verschiedenen Gemeinden entlang der Almtalbahn vor etwa 3 Jahren vorgestellt. Da aber noch immer nicht ausreichend neue Dieseltriebwagen angeschafft wurden, werden noch immer die alten Diesel TWG 5047 im Rahmen der vorgesehenen Teilausbesserungen neu adaptiert und in einer Sparvariante unzeitgemäß umgebaut“, berichtet Ahamer.
So kommt es, dass noch immer weder im Fahrgastraum noch am Führerstand Klimaanlagen installiert wurden und somit für ein kunden- sowie personalfreundliches Umfeld geschaffen wurde. Besonders im Sommer kommt es daher auf den Führerständen und in den Fahrgasträumen der TWG 5047 auf Grund der nicht vorhandenen Klimaanlagen zu außergewöhnlichen Hitzebelastungen sowohl des Personals als auch der Passagiere. Im Gegenzug gibt es auch Probleme mit den WEBASTO-Geräten, mit denen die Fahrgastraumheizung der TWG 5047 betrieben, diese Geräte fallen sehr oft aus, was in den Wintermonaten im Fahrgastraum für unangenehm kalte Temperaturen sorgt.
„Besorgniserregend ist zudem, dass die ÖBB aus Kostengründen die Wartungs- u. Serviceintervalle auf das doppelte gestreckt haben, die Fehleranfälligkeit der TWG wurde dadurch stark erhöht“, so Ahamer.
Aushöhlen der Infrastruktur auf der Tagesordnung
Ein regelrechtes Kaputt-Sparen der Bahn auf Kosten der KundInnen ist auch in den Bereichen Infrastruktur sowie Personal der Almtalbahn deutlich erkennbar: In den letzten 20 Jahren wurden mit Aschet, Maidorf, Moos, Wasserhub und Heiligenleithen fast ein Viertel der Haltestellen aufgelassen.
Personal wurde eingespart und mittels Fahrkarten-Automaten ersetzt, deren Benutzerfreundlichkeit und besonders das Fehlen von persönlichen Ansprechpartnern von älteren Kunden kritisiert werden. Durch Schließungen von Bahnhöfen (als Servicestellen für Reservierungen, Verlängerung der Gültigkeit von Ausweisen oder Bestellabwicklungen) entlang der Strecke sind Fahrgäste gezwungen, Informationen direkt beim Lokführer einzuholen, da zudem in den Regionalzügen auch der Zugbegleiter eingespart wurde. Diese werden auch auf der touristisch wertvollen Salzkammergut-Bahn besonders von nicht orts- und sprachkundigen Touristen schmerzlich vermisst.
Bahn darf nicht kaputt gespart werden!
Dieses sukzessive Kaputtsparen der ÖBB hat natürlich seine negativen Auswirkungen bei den Fahrgastzahlen: Mit nur mehr rund 1000 Fahrgästen pro Tag ist die Almtalbahn weit weg von ihrem eigentlichen Potential von 2000 bis 2500 Fahrgästen pro Tag. „Das alles sind Zustände, die nicht mehr länger hingenommen werden dürfen“, kritisiert Reitsamer. „Die Bahn darf nicht kaputt gespart werden, gerade die Regionalbahnen sind das Verkehrs-Rückgrat einer jeden Region.
Es ist nun das Gebot der Stunde, im Interesse der täglich Tausenden PendlerInnen und Fahrgäste diese Regionalbahnen vor dem AUS zu schützen. Wir Grüne werden uns daher mit allen möglichen Mitteln für ihren Erhalt stark machen, sei es mit weiteren Unterschriftenlisten, Online-Petitionen oder im Gespräch mit den Verantwortlichen.
Gemeinsamer Apell zur Erhalt der Lokalbahnen
Als Verkehrssprecher der Grünen OÖ appelliere ich daher auch an die BürgermeisterInnen der Anrainergemeinden der betroffenen Regionalbahnen, sich für den Erhalt ihrer Bahnen stark zu machen. Man erinnere sich nur an die historische Salzkammergut- Lokalbahn, die 1959 eingestellt worden ist. Nun versucht man mit aller Kraft und Mühe, diese Bahn wieder als modernes Nahverkehrsmittel zu revitalisieren. Hier sieht man sehr deutlich, wie schwierig diese Wiederbelebung einer bereits eingesparten Lokalbahn ist, man sollte nicht wieder den Fehler begehen, so wenig vorausschauend zu denken, mahnt Reitsamer. „Was hingegen passieren kann, wenn man wieder in die heimische Bahn-Infrastruktur investiert, sieht man am positiven Beispiel der Salzburger Lokalbahn“.