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| "SAMMELWUT"
In einem amerikanischen Reiseführer
sollen die Bewohner des Salzkammerguts mit folgendem
Satz charakterisiert worden sein: ein Volk von Sammlern
und Jägern. Den Jäger in seiner ureigensten
Bedeutung (egal ob im grünen Wams oder mit dem
schwarzen Gesicht) wollen wir hier ausklammern, in
unserer Rubrik „Sammelwut“ wollen wir
vielmehr über erstere berichten, die auf der
Suche nach raren Objekten zur Erweiterung und Bereicherung
ihrer Schatzkammern auch durchaus zu Jägern werden.
Es gibt nichts, was nicht gesammelt
wird. Die klassische Briefmarke oder der Bierdeckel
sind nur die ganz oberste Spitze dieses „Freizeit-Eisbergs“,
dessen weitaus größter Teil unter Wasser
liegt – oder eher im Dunkeln, denn die meisten
Sammler hüten ihre Schätze im Verborgenen,
oft in Kellern und Dachböden. Diesen Schätzen
und ihren Gralshütern wollen wir hier im Salzkammergut
nachspüren, und werden so selbst zu Jägern.
diese Woche: |
Was dabei alle
gemeinsam haben, die dem Hobby „Sammeln“
anhängen (wenn auch ihre Aufmerksamkeit völlig
unterschiedlichen Gattungen angehört): Sammelobjekte,
die sich auf den ersten Blick als völlig skurril
darstellen und scheinbar keinerlei Nutzen zuzuordnen
sind, gewinnen rapide an Bedeutung, wenn ihr Besitzer
darüber zu berichten beginnt. Denn jedes einzelne
Stück ist mit einer Geschichte behaftet, die
oftmals interessanter ist als der Gegenstand selbst.
Wenn sie also einmal einem Sammler in die Hände
fallen, der ihnen voller Stolz über die Objekte
seiner Begierde erzählen will, hören sie
ihm zu – meistens lohnt es sich!
Hier wollen wir versuchen, den versteckten Schätzen
eine Plattform zu geben und bitten um ihre Mithilfe:
haben sie auch eine Sammlung, oder kennen sie jemanden,
von dem sie denken, es würde sich lohnen, seine
Schätze der Öffentlichkeit zu präsentieren,
kontaktieren sie uns: 0664/1521264 oder h.denzel@salzi.at.
Sollte der Besitzer selbst anonym bleiben wollen,
berücksichtigen wir das natürlich auch.
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Ein paar Treppen nur,
aber sie führen in eine ganz andere
Zeit. Ein gutes Jahrhundert zurück,
in die Zeit der beginnenden Technisierung,
wo der Mensch eben begann, sich die
Arbeit seiner Hände leichter zu
machen.
Im oberen Stock des Zweiradmuseums
in Altmünster hat Walter Neumayer
einen Marktplatz wie anno dazumal aufgebaut.
Vor der eleganten Fassade einer Fahrradhandlung
warten einige chromblitzende, scheinbat
noch nie benutzte Waffenräder auf
interessierte, betuchte Kunden (denn
betucht musste man sein damals, um sich
so einen Nobeldrahtsesel leisten zu
können. Die alten, stark gebrauchten
findet man in der Ecke gegenüber,
in einer komplett eingerichteten Fahrradwerkstatt
aus Uropas Ära werden sie wieder
auf Vordermann gebracht.
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Und was es alles zu sehen
gibt in diesem scheinbaren Durcheinander,
wo aber doch jedes Gerät seinen
logischen Platz hat: im Vordergrund
dominiert eine fußbetrieben Drehbank,
eine sogenannte „Schlapfendrehbank“
das Geschehen. Sie steht im Freien.
Dahinter, gleich unterm Vordach, aber
noch außerhalb der eigentlichen
Werkstatt, fällt eine von einem
uralten Elektromotor gespeiste Transmission
auf, die ihrerseits andere Maschinen
antreibt. Daneben eine Ständerbohrmaschine,
eine Fräsmaschine, und vieles auf
den ersten Blick skurriles Gerät
mehr, manches davon noch mit einer Handkurbel
in Betrieb zu bringen. Skurril schaut
auch das aufrecht stehende Fass aus,
an dem unten drei Hähne befestigt
sind. Kein Bier kann man allerdings
hier zapfen, sondern Petroleum, allerfeinstes
amerikanisches Petroleum, wie auf dem
Fass zu lesen steht. |
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In der kleinen Werkstatt
selbst blickt man sich zuerst nach dem
fleißigen Mechaniker um, der augenfällig
hier eben noch zu Werke war. Ein uralter,
in einem Käfig gefangener Ventilator
spendet etwas Kühle, die alten
Birnenleuchten machen seine Bemühungen
zunichte. Im Speichenzentriergerät
ist ein Fahrrad-Vorderrad eingespannt,
ihm soll hier die Unwucht ausgetrieben
werden. Die Straßen damals waren
holprig genug, da soll wenigstens das
Rad rund laufen. Altes Werkzeug, wohin
man schaut. Manches schon etwas angerostet,
anderes ölig, aber alles liegt
zur Hand. Die Ersatzteile sind fein
säuberlich in Sortierkästen
untergebracht, an den Wänden sind
Explosionszeichnungen und Ersatzteillisten
angebracht. In jedem Winkel findet man
witziges, aber sinnvolles Handwerkszeug,
wie zB. die Kugelsortiermaschine, wo
die Kügelchen für die Kugellager
eine schiefe Ebene hinunterrollen, und
jede Kugel in das passende Loch fällt.
Überhaupt beeindruckt die Liebe
zum Detail. Sogar die Lichtschalter
sind keine modernen, sondern die alten
aus Bakelit. Ganz fertig wird die Werkstatt
nie, denn von jedem Floh- oder Teilemarkt
bringt Neumayer wieder eine neues/altes
Stück mit, und auch die Museums-Besucher
haben schon so manches mitgebracht,
was für den Eigengebrauch einfach
zu antiquiert ist.
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Text
und Fotos: Hannes Denzel |
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