Kontakt: Hannes Denzel - mailto: h.denzel@salzi.at
 

"SAMMELWUT"

In einem amerikanischen Reiseführer sollen die Bewohner des Salzkammerguts mit folgendem Satz charakterisiert worden sein: ein Volk von Sammlern und Jägern. Den Jäger in seiner ureigensten Bedeutung (egal ob im grünen Wams oder mit dem schwarzen Gesicht) wollen wir hier ausklammern, in unserer Rubrik „Sammelwut“ wollen wir vielmehr über erstere berichten, die auf der Suche nach raren Objekten zur Erweiterung und Bereicherung ihrer Schatzkammern auch durchaus zu Jägern werden.

Es gibt nichts, was nicht gesammelt wird. Die klassische Briefmarke oder der Bierdeckel sind nur die ganz oberste Spitze dieses „Freizeit-Eisbergs“, dessen weitaus größter Teil unter Wasser liegt – oder eher im Dunkeln, denn die meisten Sammler hüten ihre Schätze im Verborgenen, oft in Kellern und Dachböden. Diesen Schätzen und ihren Gralshütern wollen wir hier im Salzkammergut nachspüren, und werden so selbst zu Jägern.

 

diese Woche:

Was dabei alle gemeinsam haben, die dem Hobby „Sammeln“ anhängen (wenn auch ihre Aufmerksamkeit völlig unterschiedlichen Gattungen angehört): Sammelobjekte, die sich auf den ersten Blick als völlig skurril darstellen und scheinbar keinerlei Nutzen zuzuordnen sind, gewinnen rapide an Bedeutung, wenn ihr Besitzer darüber zu berichten beginnt. Denn jedes einzelne Stück ist mit einer Geschichte behaftet, die oftmals interessanter ist als der Gegenstand selbst. Wenn sie also einmal einem Sammler in die Hände fallen, der ihnen voller Stolz über die Objekte seiner Begierde erzählen will, hören sie ihm zu – meistens lohnt es sich!


Hier wollen wir versuchen, den versteckten Schätzen eine Plattform zu geben und bitten um ihre Mithilfe: haben sie auch eine Sammlung, oder kennen sie jemanden, von dem sie denken, es würde sich lohnen, seine Schätze der Öffentlichkeit zu präsentieren, kontaktieren sie uns: 0664/1521264 oder h.denzel@salzi.at. Sollte der Besitzer selbst anonym bleiben wollen, berücksichtigen wir das natürlich auch.

Ein paar Treppen nur, aber sie führen in eine ganz andere Zeit. Ein gutes Jahrhundert zurück, in die Zeit der beginnenden Technisierung, wo der Mensch eben begann, sich die Arbeit seiner Hände leichter zu machen.

Im oberen Stock des Zweiradmuseums in Altmünster hat Walter Neumayer einen Marktplatz wie anno dazumal aufgebaut. Vor der eleganten Fassade einer Fahrradhandlung warten einige chromblitzende, scheinbat noch nie benutzte Waffenräder auf interessierte, betuchte Kunden (denn betucht musste man sein damals, um sich so einen Nobeldrahtsesel leisten zu können. Die alten, stark gebrauchten findet man in der Ecke gegenüber, in einer komplett eingerichteten Fahrradwerkstatt aus Uropas Ära werden sie wieder auf Vordermann gebracht.

Und was es alles zu sehen gibt in diesem scheinbaren Durcheinander, wo aber doch jedes Gerät seinen logischen Platz hat: im Vordergrund dominiert eine fußbetrieben Drehbank, eine sogenannte „Schlapfendrehbank“ das Geschehen. Sie steht im Freien. Dahinter, gleich unterm Vordach, aber noch außerhalb der eigentlichen Werkstatt, fällt eine von einem uralten Elektromotor gespeiste Transmission auf, die ihrerseits andere Maschinen antreibt. Daneben eine Ständerbohrmaschine, eine Fräsmaschine, und vieles auf den ersten Blick skurriles Gerät mehr, manches davon noch mit einer Handkurbel in Betrieb zu bringen. Skurril schaut auch das aufrecht stehende Fass aus, an dem unten drei Hähne befestigt sind. Kein Bier kann man allerdings hier zapfen, sondern Petroleum, allerfeinstes amerikanisches Petroleum, wie auf dem Fass zu lesen steht.

In der kleinen Werkstatt selbst blickt man sich zuerst nach dem fleißigen Mechaniker um, der augenfällig hier eben noch zu Werke war. Ein uralter, in einem Käfig gefangener Ventilator spendet etwas Kühle, die alten Birnenleuchten machen seine Bemühungen zunichte. Im Speichenzentriergerät ist ein Fahrrad-Vorderrad eingespannt, ihm soll hier die Unwucht ausgetrieben werden. Die Straßen damals waren holprig genug, da soll wenigstens das Rad rund laufen. Altes Werkzeug, wohin man schaut. Manches schon etwas angerostet, anderes ölig, aber alles liegt zur Hand. Die Ersatzteile sind fein säuberlich in Sortierkästen untergebracht, an den Wänden sind Explosionszeichnungen und Ersatzteillisten angebracht. In jedem Winkel findet man witziges, aber sinnvolles Handwerkszeug, wie zB. die Kugelsortiermaschine, wo die Kügelchen für die Kugellager eine schiefe Ebene hinunterrollen, und jede Kugel in das passende Loch fällt.

Überhaupt beeindruckt die Liebe zum Detail. Sogar die Lichtschalter sind keine modernen, sondern die alten aus Bakelit. Ganz fertig wird die Werkstatt nie, denn von jedem Floh- oder Teilemarkt bringt Neumayer wieder eine neues/altes Stück mit, und auch die Museums-Besucher haben schon so manches mitgebracht, was für den Eigengebrauch einfach zu antiquiert ist.

 
Text und Fotos: Hannes Denzel
 

 

 

 

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