In der letzten Ausgabe der Salzi Spezial haben wir den Krotensee zwischen St. Gilgen und Mondsee besucht. Diesmal befinden wir uns beim Krottensee mitten in Gmunden, wo man, dicht umringt mit Siedlungsgebiet, ein derartiges Landschaftsjuwel eigentlich gar nicht vermuten würde. Und auch wenn man denkt, dass diese Oase von Erholungssüchtigen geradezu umschwärmt würde, liegt man falsch.

Tiefe Stille vermittelt das ruhige Gewässer, außer zwei Joggern und einem Herrn mit Hund sind wir allein in diesem Areal. Würde man nicht hinter Zweigen das eine oder andere Hausdach hervor blitzen sehen, könnte man denken, irgendwo in der Wildnis zu sein. Lediglich der Anblick des allgegenwärtigen Traunsteins im Hintergrund lässt einen nicht vergessen, wo man ist.

Was man vom See aus nicht sieht, ist das Schloss Cumberland, das sich auf einer Anhöhe unmittelbar über dem See befindet. Es versteckt sich hinter dichtem Baumbestand und ist mit dem See lediglich mit einem Fusspfad verbunden. Das Schloss wurde 1882 von König Georg als Exilresidenz für seinen Sohn Ernst August, Kronprinz von Hannover, erbaut. Weil der nebenbei auch noch Duke of Cumberland war, kam nur der neugotische Tudorstil in Frage (der eigentlich gar nicht in die Gegend passt). Wenn man vor dem Märchenschloss mit seinen Erkern, Spitzbogenfenstern, Türmchen, Giebeln und Nebenbauten steht, glaubt man irgendwie auf die britische Insel gebeamt worden zu sein, oder gar eine Zeitreise in die Ära König Artus gemacht zu haben.

Der Kronprinz hielt sich gerne in diesem Refugium auf und ist –zusammen mit anderen Familienmitgliedern– in einem Mausoleum in einem Nebengebäude bestattet. Nach seinem Tod wurde das Haus in ein Familienmuseum umgewandelt bevor es 1938 von den Nazis beschlagnahmt wurde. 1940 bis 1945 diente es als Kriegslazarett. Nach Ende des Krieges übernahm es die Republik Österreich und machte es zu einer Erholungsstätte für an Tuberkulose Erkrankte, seit 1973 ist es eine Landes-Pfleganstalt (es war vorher gründlich desinfiziert worden) und mittlerweile im Besitz des Landes OÖ.

Der Krottensee wurde zwar vom Kronprinz unter Mitwirkung eines Landschaftsarchitekten als Erholungsgebiet umgestaltet, künstlich angelegt hat der ihn aber nicht. Zu Ernst Augusts Zeiten war das Gewässer schon uralt. Es war vor ca. 18.000 Jahren entstanden, als sich der Gletscher zurückgezogen hatte und in einer Wanne ein Eisblock übrig geblieben war. Langsam entwickelte sich die Wanne zum Moorsee und lieferte Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Und für den Menschen, Funde aus der Hallstattzeit beweisen deren Anwesenheit.
Im Mittelalter wurde der Krottensee als Löschwasserreservoir genutzt, bevor der Prinz ihn für seine Bedürfnisse umgestalten ließ.

Nach dem Tod des Prinzen wäre es beinahe auch um den See geschehen gewesen, er diente als Mülldeponie (was sein ökologisches Gleichgewicht beträchtlich ins Wanken brachte) und sollte sogar zugeschüttet werden. Zum Glück nahmen sich umweltbewusste Naturliebhaber seiner an und stellten den Urzustand wieder her. Seit 1980 steht der See unter Denkmalschutz.
Und deshalb kann unsereiner jetzt bei einem Rundgang die Ruhe genießen, die das stille Gewässer ausstrahlt, kann ein Schwanenpärchen bei einem Ausflug mit dem Nachwuchs beobachten, sieht Haubentaucher und Wildenten und kann sich an dem dichten Bewuchs von blühenden Seerosen erfreuen. Und das eigentlich mitten in der Stadt!

 

 

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Text und Fotos: Hannes Denzel

   
 
 

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