„… oh Tannenbaum, wie grün sind …“ eh scho wissen. So heißt es also in dem alten Kinder-Weihnachtslied, und damit hätten wir das Thema schon beinahe verfehlt. Denn nicht um den Tannbaum, vielmehr um den Weihnachtsbaum geht es hier eigentlich, oder um den Christbaum, was nicht zwingend dasselbe ist, wie wir noch erfahren werden. Aber natürlich ist der Tannenbaum die ideale Verkörperung des uralten Weihnachtssymbols, wenn auch nicht die einzige.

 

Wenn man die Quellen durchforscht, seit wann es den Weihnachtsbaum gibt, woher er kommt, wer ihn zuerst aufgestellt hat, so bekommt man zwar keine exakte Antwort, aber dafür erfährt man, dass der erste nicht unbedingt ein Tannenbaum gewesen sein muss, ja nicht einmal ein Nadelbaum. Der Baum an sich war schon in uralten Mythologien als Lebensspender angebetet worden, er und auch die Farbe Grün galt(en) als Symbol für Lebenskraft, Gesundheit, und Hoffnung – speziell im Winter als Hoffnung auf den Frühling. Über der Tür aufgehängte Zweige sollten auch böse Geister abhalten. Manche Kulturvölker schmückten einen Baum zur Wintersonnenwende, um damit den Sonnengott zu ehren. Überhaupt wurden Bäume zu den verschiedensten Anlässen geschmückt, das hat sich bis in unsere heutige Zeit so erhalten, denken wir nur an den Maibaum.

 

Die ersten urkundlichen Erwähnungen über geschmückte Bäume zur Weihnachtszeit stammen aus dem frühen 16ten Jahrhundert, und kommen aus verschiedenen Städten Deutschlands sowie aus Straßburg. Dass schon 100 Jahre früher Weihnachtsbäume in Riga oder Freiburg aufgekränzt worden seien, sind Überlieferungen, für die es aber keine belegbaren Aufzeichnungen gibt. Im 18ten Jahrhundert jedenfalls dürfte dieser Brauch in Deutschland weit verbreitet gewesen sein, sogar in den Werken von Dichterfürsten wie Goethe oder E.T.A. Hoffmann kommt er vor. Dort heißt er übrigens Christbaum, so benannten ihn nämlich die Protestanten, die im Baum ein Weihnachtssymbol gefunden hatten, dass sich von der bei den Katholiken aufgestellten Krippe unterschied. Erst langsam fand der Baum auch in die katholischen Wohnzimmer, als Weihnachtsbaum eben. Dass die katholische Kirche den Weihnachtsbaum lange ablehnte, hatte aber auch eine andere Ursache: weil sich kaum jemand einen Baum leisten konnte, besorgten sich die Menschen halt welche aus dem Wald – eine grüne Form der Wilderei - und die Wälder gehörten meist der Kurie.



 

Aber besonders für Städter war es lange nahezu unmöglich, an Bäume zu kommen. So weiß man, dass in Wien erstmals 1829 Christbaumverkäufer den neuen Markt erkannt hatten. Die Wiener waren von ihrem Herrscherhaus auf den Geschmack gebracht worden. Henriette von Nassau-Weilburg hatte bei ihrer Hochzeit mit Erzherzog Karl diesen Brauch aus ihrer deutschen Heimat in die österreichische Hauptstadt mitgebracht. Auch Kaiser Franz I war bei einer Weihnachtsfeier um den geschmückten und mit Kerzen beleuchteten Baum anwesend und war davon so angetan, dass er befahl, überall in der Hofburg Christbäume aufzustellen! Was die kaiserliche Familie tat, wurde natürlich nachgeahmt – zuerst von den sogenannten „besseren Kreisen“, bald auch in den unteren Ständen. Der erste Christbaum in Wien stand aber schon 1814, auch er war aus Deutschland nach Österreich gekommen: die Gattin des Großbankiers von Arnstein, Fanny, war aus Berlin nach Wien gekommen und hatte – obwohl jüdischer Herkunft – diesen Brauch mitgebracht.

 

Heutzutage ist es einfacher, an einen Christbaum zu kommen. Um die 2,5 Millionen Christbäume sollen allein in Österreich jedes Jahr in den Verkauf gelangen! Die meisten davon sind Tannen, aber auch viele Fichten werden geschmückt (früher gehörte auch die Kiefer zu den auserwählten, was heute kaum mehr üblich ist). Am beliebtesten ist die Nordmanntanne, die ihren Namen nicht ihrer Herkunft, aus dem Land der Nordmänner, sondern dem finnischen Botaniker Alexander von Nordmann verdankt. Sie wird in unserer Heimat in großen Stückzahlen speziell zu diesem Zweck gepflanzt und hat nach ca. 12 Jahren die Größe erreicht, in der sie als Christbaum brauchbar ist. Würde man sie wachsen lassen, würde sie bis zu 500 Jahre alt und könnte eine Höhe von ca. 50 Metern erreichen - andere Tannenarten (es gibt immerhin über 50 davon!) werden sogar bis zu 100 Meter hoch!

 

Alle Arten jedenfalls wachsen ausschließlich auf der nördlichen Erdhalbkugel, was für christliche Völker, die Weihnachten in südlichen Ländern feiern, den Kompromiss bedeutet, Palmen schmücken zu müssen! Wer schon einmal in der Weihnachtszeit zB. in der Karibik war, weiß, wie skurril das ausschaut! Ob die Einheimischen dort singen: „Oh Palmenbaum, oh Palmenbaum, wie grün sind deine Fächer …“ entzieht sich aus sprachlichen Gründen unserer Kenntnis ….

Text und Fotos: Hannes Denzel

 

 
 

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