Mit einem fast 50 Jahre alten Boot segelten Bernhard Strauch und seine Söhne Moritz und Johannes bei der Soling-Europameisterschaft in Grimstad. Tochter Elena war auf einem deutschen Boot am Start.
Von 14. bis 19. September 2026 kämpften 23 Crews aus neun Nationen vor der norwegischen Küste um den Europameistertitel in der Soling-Klasse, einem 8,2 Meter langen Dreimann-Kielboot. Mit dabei: Die Familie Strauch aus Seewalchen am Attersee. Moritz Strauch steuerte die AUT 43, Bruder Johannes segelte in der Mitte, Vater Bernhard am Vorschiff. Elena Strauch segelte auf der GER 1 und belegte mit ihrer Crew Platz 17.
Die Bedingungen waren extrem: starker Wind und am letzten Tag Wellen bis zu vier Meter. Für das fast 50 Jahre alte Boot der Strauchs eine Zerreißprobe. Schon beim Training vor der EM riss das Achterstag. In der zweiten Wettfahrt – die Crew lag im Mittelfeld – riss dann das Vorstag. Der Mast drohte zu brechen, AUT 43 musste von einem Rettungsboot abgeschleppt werden.
Am letzten Tag segelte die Crew noch hinaus in die vier Meter hohen Wellen, kehrte dann aber um: Am Boot waren weitere Schäden, man wollte nichts mehr riskieren. Am Ende stand Platz 22 von 23.
Die norwegische Lokalzeitung Grimstad Adressetidende berichtete ausführlich über die Meisterschaft.
Interview mit Bernhard Strauch
Wie kommt man vom Attersee auf die Idee, zu einer Regatta nach Norwegen zu fahren?
Ich war schon einmal zum Segeln in Norwegen. Damals ist nur Elena gesegelt, auch auf dem Meer. Das war ein wunderbares Erlebnis, und trotz aller Anstrengungen hat es Lust auf mehr gemacht.
Wie lange plant man so etwas?
Gut sechs bis neun Monate. Man muss sich freinehmen, das Boot prüfen und vorbereiten und schauen, dass man körperlich und mental fit ist. Allein die Anreise dauert über 24 Stunden: mit dem Auto und dem Boot am Trailer bis an die Nordspitze Dänemarks, dann mit der Fähre hinüber.
Was waren die Herausforderungen auf dem Wasser?
Vor allem Wind und Welle. Alles war neu und ungewohnt, ein unbekanntes Revier – und für uns als unerfahrene Crew waren die Bedingungen schwer. Das ist nicht wie am Attersee. Unser Boot ist fast 50 Jahre alt. Schon beim Training vor der EM ist das Achterstag gerissen, in der zweiten Wettfahrt dann das Vorstag – da lagen wir im Mittelfeld. Beide Male hätte der Mast brechen können. Am letzten Tag sind wir bei den Vier-Meter-Wellen noch hinausgesegelt, haben dann aber umgedreht, weil am Boot noch andere Schäden waren. Wir wollten nichts mehr riskieren.
Was haben Sie gelernt?
Alles. Wir haben gelernt, mit Krisen umzugehen – bis hin zum beinahe gebrochenen Mast. Wir sind mental und körperlich an unsere Grenzen gegangen und haben gelernt, in kritischen Situationen zusammenzuarbeiten. Und wir haben gelernt, zu feiern und glücklich zu sein, trotz der Platzierung.
Wie ist es, mit den eigenen Kindern zu segeln?
Das ist immer eine Herausforderung, weil die Rollen in der Familie mitsegeln. Und umgekehrt: Auf dem Boot ist Moritz der Chef, und wir tun, was er sagt. Das ist nicht immer ganz einfach – vor allem, wenn man nicht einer Meinung ist. Und auf Elena sind wir sehr stolz: Sie hat eine gute Platzierung erreicht, in einer Crew-Konstellation, in der sie noch nie gesegelt war. Auch für sie war das eine große Herausforderung.
Würden Sie es wieder machen?
Ja, sofort, wenn ich die Chance habe. Nicht nur wegen der Landschaft und der Menschen, sondern weil man unglaublich viel lernt. Diese Erfahrung nimmt einem niemand – und sie mit der Familie teilen zu können, ist wunderbar.
Interview mit Moritz Strauch, Steuermann der AUT 43
Wie ist es, den eigenen Vater am Vorschiff zu haben?
Das ist nicht leicht – vor allem, wenn mein Vater widerspricht, obwohl ich das Sagen habe. Und den eigenen Vater zu kritisieren, wenn er zu langsam ist oder nicht genug Kraft hat, ist natürlich auch nicht einfach.
Wie fühlt es sich an, bei vier Meter hohen Wellen am Steuer zu sitzen?
Das Gefühl ist super. Es ist eine ganz andere Art zu segeln als auf dem Attersee, und es ist sehr herausfordernd.
In der zweiten Wettfahrt riss das Vorstag – was ging Ihnen durch den Kopf?
Sofort Krisenmodus. Man muss erst einmal die Situation überblicken. Wir wollten noch versuchen, es zu flicken, das hat nicht geklappt. Schlussendlich wurden wir von einem Rettungsboot abgeschleppt.
Was nehmen Sie mit?
Klar habe ich mir mehr erwartet, aber das Boot und wir waren den Bedingungen nicht gewachsen. Mit einer erfahreneren Crew wäre sicher mehr möglich gewesen. Ich nehme mit, dass wir uns verbessern müssen, wenn wir wieder segeln wollen.
Was ist Ihr nächstes Ziel?
Der Abschluss der Segel-Bundesliga in Österreich und die Vorbereitung auf die nächste Saison – vor allem eine sehr gute Platzierung bei der Long Distance Challenge 2027, und zwar in der Gesamtwertung. Die 24-Stunden-Wertung habe ich ja schon einmal gewonnen.













