MONDSEE. Wenn in Venedig die Chöre von den Emporen der Basilika San Marco einander antworten, entsteht ein Klang von außergewöhnlicher räumlicher Wirkung: Stimmen, Zinken und Posaunen verschmelzen zu einem festlichen, geradezu überwältigenden Musikerlebnis. Doch diese Klangwelt blieb nicht auf die Lagunenstadt beschränkt. Komponisten brachten die venezianische Mehrchörigkeit über die Alpen und entwickelten sie in Österreich weiter.
Das Konzert „Venedig – Austria“ am Freitag, 25. September 2026, um 20 Uhr in der Basilika St. Michael Mondsee macht diese musikalische Verbindung hörbar. Im Mittelpunkt stehen Komponisten, die in Venedig mit der neuen Klangsprache in Berührung kamen und sie in den österreichischen Kirchenraum übertrugen.
Eine zentrale Figur ist Anton Blasius Amon (um 1558–1590). Als Sängerknabe an der Innsbrucker Hofkapelle ausgebildet, verbrachte Amon zwischen 1574 und 1577 mehrere Jahre in Venedig. Die dort gewonnenen Eindrücke prägten sein Schaffen nachhaltig. Vor allem die venezianische Doppelchörigkeit nahm er mit in seine Heimat und wurde damit zu einem wichtigen Vermittler zwischen italienischer und österreichischer Kirchenmusik.
Auch Christoph Sätzl (1592–1655) steht für diese Entwicklung. Als Kapellmeister in Brixen und später in Hall in Tirol verband er italienische musikalische Neuerungen mit der heimischen Tradition. Seine Werke zeigen eindrucksvoll, wie aus den Impulsen Venedigs eine eigenständige österreichische Musiksprache entstand.
Besonders reizvoll: Viele der im Konzert erklingenden Werke sind heute kaum bekannt. Zahlreiche Kompositionen Sätzls wurden nie oder nur selten ediert und sind dadurch über Jahrhunderte aus dem Konzertleben verschwunden. Einige dieser musikalischen Schätze dürften nun erstmals seit Jahrhunderten wieder öffentlich erklingen.
Aufgespürt und für das Konzert in Mondsee zusammengestellt hat sie Marco Gemmani, Maestro di Cappella von San Marco in Venedig. Gemmani kennt die venezianische Mehrchörigkeit aus ihrer unmittelbaren Tradition und macht sich seit Jahren für die Wiederentdeckung vergessener Werke stark. Für „Venedig – Austria“ führt er Musiker aus Venedig und Mondsee zusammen.
Mit den I Cantori Veneziani di San Marco, der Kantorei St. Michael Mondsee und dem Consortium Lunaelacense entsteht ein Klangkörper, der die historische Idee der Mehrchörigkeit unmittelbar erfahrbar macht. Zinken und Posaunen verleihen dem vokalen Klang zusätzliche Pracht und lassen die Musik jener Zeit in ihrer ganzen Farbigkeit aufscheinen.
„Venedig – Austria“ ist damit nicht nur ein Konzert, sondern eine musikalische Spurensuche: Wie kam der Klang von San Marco nach Österreich – und was wurde daraus?
Venedig – Austria
Freitag, 25. September 2026, 20 Uhr
Basilika St. Michael Mondsee
I Cantori Veneziani di San Marco · Kantorei St. Michael Mondsee · Consortium Lunaelacense
Leitung: Marco Gemmani
Karten: Tourismusverband Salzkammergut und online
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