Unter dem Titel „Wasser des Lebens“ fand am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, in der Kapuzinerkirche Gmunden ein außergewöhnlicher Abend statt, der Musik, Literatur, Philosophie und Erinnerungskultur auf eindrucksvolle Weise miteinander verband. Die Veranstaltung war dem Zusammenspiel von Ton und Wort gewidmet und stand zugleich im Zeichen des Gedenkens an den Schauspieler, Dichter und Sänger Erich Langwiesner, der ursprünglich an dem Abend hätte mitwirken sollen.
Bereits in seinen einleitenden Worten betonte der Wiener Kulturphilosoph, Komponist und Organist Rainer König Hollerwöger die besondere Bedeutung des historischen Kirchenraumes, der vor Jahrzehnten von seinem Vater restauriert worden war. Durch das abwechslungsreiche Programm führte die Moderatorin und Sängerin Brigitte Kirchmaier mit großer Einfühlsamkeit.
Der Abend begann mit einem Auszug aus der hebräischen Genesis, begleitet von den ersten eindrucksvollen Klängen der rund 150 Jahre alten Kirchenorgel. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass die Besucherinnen und Besucher eine außergewöhnliche Verbindung von Wort, Musik und Spiritualität erwarten durfte.
Mit dem von Rainer König Hollerwöger gedichteten und komponierten Lied „Wasser des Lebens“ wurde die zentrale Bedeutung des Wassers für Mensch, Natur und Geist eindrucksvoll thematisiert. Brigitte Kirchmaier überzeugte dabei mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, begleitet von Hollerwöger an der Orgel.

Der Kirchenraum verwandelte sich zunehmend in einen Ort des Erinnerns und der Begegnung. Kirchmaier las aus den Werken des Gmundner Historikers Holger Höllwerth zur Geschichte der Jüdinnen und Juden in Gmunden. Besonders bewegend waren Auszüge aus dem Buch „Lichtspuren des Erinnerns“, das die Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Erika Bezdicova dokumentiert. Die Schilderung einer Schifffahrt auf dem historischen Raddampfer „Gisela“ wurde dabei zum Symbol für Hoffnung, Freiheit und die lebenslange Verbundenheit der Überlebenden mit dem Wasser.

Einen weiteren Höhepunkt bildete das Orchesterlied „See im Herbst“, das Rainer König Hollerwöger bereits als 18-Jähriger in der Gmundner Seebahnhof-Bucht komponiert hatte. Die musikalische Interpretation durch Brigitte Kirchmaier ließ die poetischen Bilder des Werkes lebendig werden.
Philosophische Akzente setzte Hollerwöger mit den Worten des vorsokratischen Denkers Heraklit: „Panta rhei – alles fließt.“ Im Gedenken an seinen langjährigen Künstlerfreund Erich Langwiesner las er aus dessen Dichtungen und erinnerte an dessen außergewöhnliche Sprachkraft und markante Bassstimme.

Besonders eindrucksvoll war ein improvisiertes Bass-Solo auf den Pedalen der Kirchenorgel. Aus einer tiefen Einzelstimme entwickelte sich eine vielschichtige Klanglandschaft, die von vielen Zuhörerinnen und Zuhörern als musikalische Vergegenwärtigung des verstorbenen Künstlers empfunden wurde.
In Erinnerung an die Organistin und Bach-Interpretin Ingrid Keplinger setzte sich Hollerwöger zudem musikalisch mit den Worten des Matthäus-Evangeliums über die Taufe Jesu im Jordan auseinander. Dabei verband er Motive aus Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ mit dem berühmten Tonmotiv B-A-C-H. Brigitte Kirchmaier trug die Evangelienstelle eindrucksvoll vom Altar aus vor.
Ein weiterer Programmpunkt war die Lesung aus dem Märchenbuch „Goldi und Goldinchen“ von Rainer König Hollerwöger. Das Werk schlägt einen Bogen vom Tempel von Jerusalem bis zu den historischen Erfahrungen von Vertreibung und Verfolgung jüdischer Kultur. Die dabei entstehende Dramatik fand ihren Widerhall in einem virtuosen Orgelspiel, das schließlich in die lichteren Klangwelten einer pentatonischen Kindersinfonie überging.
Für Überraschung sorgte die musikalische Gegenüberstellung des bekannten Marienliedes „Segne du Maria“ mit Motiven aus Franz Schuberts „Unvollendeter“. Zuvor hatte Brigitte Kirchmaier das von Hollerwöger komponierte Lied „Maria durchschreitet die Welt“ mit großer Ausdruckskraft vorgetragen.
Das begeisterte Publikum dankte den Mitwirkenden mit langanhaltendem Applaus. Zwei Zugaben rundeten den Abend ab, darunter eine ungewöhnliche Verbindung von Tango und mehrstimmiger Orgelmusik. So endete eine Veranstaltung, die eindrucksvoll zeigte, wie Musik, Literatur und Erinnerung zu einer tief berührenden Einheit verschmelzen können.













