Gesunde Arbeitsplätze entstehen dort, wo Arbeitsmittel, Abläufe und Umgebung an die tatsächlichen körperlichen Anforderungen einer Tätigkeit angepasst werden. Das betrifft Lager und Logistik ebenso wie Werkstätten, Produktionsbereiche, Versandarbeitsplätze und Büros. Besonders bei wiederholtem Heben, langem Stehen, Arbeiten in ungünstiger Höhe oder häufigen Transportwegen kann eine durchdachte Gestaltung Belastungen reduzieren. Für Betriebe bedeutet das, nicht erst auf Beschwerden zu reagieren, sondern Arbeitsplätze von Beginn an so zu planen, dass Beschäftigte ihre Aufgaben möglichst sicher und körpergerecht ausführen können.
Die betriebliche Bedeutung von Gesundheit zeigt sich auch in den Fehlzeiten. Nach Angaben von Statistik Austria zu Krankenständen entfielen 2025 durchschnittlich 14,7 Krankenstandstage auf jede erwerbstätige Person. Erfasst werden abgeschlossene, ärztlich bestätigte Krankenstände von Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten. Die Statistik lässt keine direkte Zuordnung zu den Arbeitsbedingungen zu, verdeutlicht aber, welche wirtschaftliche Bedeutung Prävention und Gesundheit für Unternehmen haben.
Körperliche Belastungen in Lager, Logistik und Betrieb gezielt reduzieren
Ergonomie wird häufig zuerst mit Schreibtisch und Bürostuhl verbunden. In vielen Betrieben liegen die größeren körperlichen Anforderungen jedoch beim Heben, Tragen, Ziehen, Schieben und Bereitstellen von Waren. Beschäftigte in Lagern, Werkstätten, Versandbereichen und der Produktion bewegen täglich Materialien, bedienen Maschinen oder führen wiederkehrende Arbeitsschritte in vorgegebenen Körperhaltungen aus.
Die AUVA definiert den grundlegenden Ansatz klar: „Ergonomie bedeutet, Arbeits- und Umgebungsverhältnisse menschengerecht zu gestalten.“ Die Informationen der AUVA zur Ergonomie beziehen ausdrücklich auch Heben und Tragen, körperliche Belastungen sowie Produktions- und Montagearbeitsplätze ein.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Arbeitshöhe. Werden schwere oder sperrige Güter regelmäßig vom Boden aufgenommen oder weit über Schulterhöhe bewegt, entstehen unnötig belastende Bewegungsabläufe. Hubtische, Hebelifte und elektrisch unterstützte Flurförderzeuge können Materialien dagegen auf eine günstigere Höhe bringen. Transportwagen und Fördertechnik reduzieren zugleich die Strecke, über die Güter getragen werden müssen.
Die österreichische Arbeitsinspektion weist bei manueller Lastenhandhabung darauf hin, dass Arbeitgeber geeignete organisatorische Maßnahmen treffen oder Hilfsmittel einsetzen sollen, damit manuelles Hantieren mit Lasten möglichst vermieden wird. Die Behörde nennt außerdem Lastgewicht, ergonomische Bedingungen, Kraftaufwand, Arbeitsumgebung und die konkrete Aufgabe als Faktoren, die bei der Arbeitsplatzevaluierung zu berücksichtigen sind.
Gute Arbeitsplatzausstattung beginnt bei den täglichen Abläufen
Die passende Ausstattung hängt davon ab, welche Tätigkeit an einem Arbeitsplatz tatsächlich ausgeführt wird. In einem Versandbereich sind andere Lösungen erforderlich als an einer Werkbank oder in einem Kommissionierbereich. Ziel ist jeweils, unnötige Wege, ungünstige Greifbewegungen und dauerhaft belastende Körperhaltungen zu reduzieren.
Betriebe können Arbeitsbereiche beispielsweise mit ergonomischen Produkten an unterschiedliche Tätigkeiten anpassen. Das Sortiment reicht dabei weit über klassische Büroausstattung hinaus: Auf dem Linkziel werden unter anderem elektrische Hubtische, Hebelifte, Hochhubwagen, Arbeitsplatzmatten, höhenverstellbare Packtische, Förderlösungen, elektrisch verstellbare Werkbänke sowie Werkstatt- und Montagewagen aufgeführt. Auch Sicherheitsschuhe und Lösungen für Büroarbeitsplätze gehören zum Angebot.
Für verschiedene Betriebsbereiche kommen beispielsweise folgende Maßnahmen infrage:
- Lager und Logistik: Hub- und Transporthilfen können das wiederholte manuelle Heben und Tragen reduzieren und Waren auf geeigneter Arbeitshöhe bereitstellen.
- Versand und Verpackung: Höhenverstellbare Packtische und kurze Greifwege erleichtern das Verpacken unterschiedlich großer Waren und können an wechselnde Beschäftigte angepasst werden.
- Werkstatt und Montage: Verstellbare Werkbänke, Materialständer und mobile Werkstattwagen helfen dabei, Werkzeuge und Bauteile in gut erreichbarer Höhe zur Verfügung zu stellen.
- Steharbeitsplätze: Dämpfende Arbeitsplatzmatten und geeignete Schuhe können dort relevant sein, wo Beschäftigte über längere Zeit an derselben Station stehen.
- Büro: Höhenverstellbare Tische und anpassbare Sitzmöbel bleiben ein Teil der ergonomischen Gestaltung, bilden jedoch nur einen von mehreren Arbeitsbereichen.
Entscheidend ist das Zusammenspiel. Ein Hubtisch bringt wenig, wenn ein schweres Bauteil anschließend mehrmals zwischen ungünstig angeordneten Stationen getragen werden muss. Ebenso verbessert ein höhenverstellbarer Packtisch einen Arbeitsplatz nur teilweise, wenn häufig benötigte Materialien außerhalb des günstigen Greifbereichs gelagert sind. Ergonomie muss deshalb entlang des gesamten Arbeitsablaufs geplant werden.
Arbeitsorganisation und Ausstattung müssen zusammenpassen
Technische Hilfsmittel können körperliche Belastungen deutlich verringern, ersetzen aber keine sinnvolle Arbeitsorganisation. Arbeitsplätze sollten so gestaltet sein, dass Beschäftigte Belastungsarten wechseln können und nicht über eine gesamte Schicht dieselben Bewegungen ausführen müssen. Auch Aufgabenteilung, Materialfluss, Pausengestaltung und die Verfügbarkeit geeigneter Hilfsmittel beeinflussen die körperliche Beanspruchung.
Die Arbeitsinspektion empfiehlt bei Muskel-Skelett-Belastungen eine Kombination aus technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen. Genannt werden unter anderem kleinere Gebinde zur Verringerung des Lastgewichts, belastungsorientierter Tätigkeitswechsel, eine angepasste Pausengestaltung sowie persönliche Schutzausrüstung.
Auch dauerhaftes Stehen verdient Aufmerksamkeit. Die AUVA zu Bewegung im Arbeitsalltag bezeichnet langes Sitzen und Stehen als beruflich bedingte Zwangshaltungen und empfiehlt, einseitige statische Tätigkeiten regelmäßig zu unterbrechen. Als Orientierung nennt sie zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde. In derselben Veröffentlichung wird auf den Fehlzeitenreport 2023 verwiesen, nach dem 18,5 Prozent der Krankenstandstage auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen waren.
Eine gesunde Arbeitsgestaltung berücksichtigt daher nicht nur den einzelnen Arbeitsplatz. Materialbereitstellung, Transportwege, Arbeitshöhen und wiederkehrende Tätigkeiten sollten gemeinsam betrachtet werden. Gerade in Lager, Produktion und Werkstatt können bereits Änderungen an der Position von Behältern, Werkzeugen oder Arbeitsflächen dazu beitragen, unnötiges Bücken, Drehen und Überkopfarbeiten zu vermeiden.
FAQ zu gesunden Arbeitsplätzen
Welche Bereiche eines Betriebs profitieren von ergonomischer Gestaltung?
Ergonomische Gestaltung ist überall sinnvoll, wo Menschen körperliche oder einseitige Tätigkeiten ausführen. Dazu zählen Lager, Logistik, Produktion, Versand, Werkstatt, Montage und Büro. Die Maßnahmen unterscheiden sich je nach Belastung: Während im Lager Hebe- und Transporthilfen wichtig sein können, stehen in einer Werkstatt passende Arbeitshöhen und kurze Greifwege im Mittelpunkt.
Welche Rolle spielen Hebehilfen für gesunde Arbeitsplätze?
Hebehilfen können dafür sorgen, dass schwere Güter weniger häufig von Hand angehoben, getragen oder in ungünstigen Körperhaltungen bewegt werden müssen. Dazu zählen beispielsweise Hubtische, Hebelifte oder geeignete Flurförderzeuge. Entscheidend ist, dass das Hilfsmittel zur Last, zum Arbeitsablauf und zur Umgebung passt.
Was ist bei dauerhaftem Arbeiten im Stehen wichtig?
Langes unbewegtes Stehen sollte möglichst unterbrochen werden. Haltungswechsel, kurze Bewegungsphasen, geeignete Arbeitshöhen und eine angepasste Arbeitsplatzausstattung können die Belastung reduzieren. Bei stationären Steharbeitsplätzen können je nach Tätigkeit auch Arbeitsplatzmatten oder geeignetes Schuhwerk sinnvoll sein.
Reicht ergonomische Ausstattung allein für einen gesunden Arbeitsplatz?
Nein. Technische Lösungen wirken am besten zusammen mit einer guten Arbeitsorganisation. Dazu gehören kurze Transport- und Greifwege, passende Arbeitshöhen, wechselnde Tätigkeiten, sinnvoll geplante Pausen und die Unterweisung der Beschäftigten. Die österreichische Arbeitsinspektion empfiehlt bei körperlichen Belastungen ausdrücklich eine Kombination aus technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen.












