Der November hat einen schlechten Ruf: Nebel, kurze Tage, früh dunkel. Das Offene Kulturhaus Vöcklabruck im ehemaligen Krankenhaus verschreibt dagegen ein dichtes Programm. Darunter ein Schweizer Duo, welches bereits beim Montreux Jazz Festival auf der Bühne stand, ein K-Pop-Abend für Fans der koreanischen Popkultur, ein neues Kunstfestival und zwei literarische Debüts zu den Aktionstagen gegen Gewalt an Frauen.
Konzerte: Zwei Schweizer Duos experimentieren mit den Grenzen ihrer Möglichkeiten
Am 13. November gastiert IKAN HYU aus der Schweiz im OKH. Hannah Bissegger und Anisa Djojoatmodjo machen zu zweit, wofür andere eine ganze Band brauchen. Djojoatmodjo spielt auf einem selbst entworfenen Hybrid aus E-Gitarre und Keyboard gleichzeitig Gitarre und Bass. Dieses Austesten der eignen Möglichkeiten, erinnert unweigerlich an das zuletzt durch die Decke gehende Duo Angine de Poitrine aus Kanada. IKAN HYU gründete sich vor 10 Jahren und bezeichnet seine Musik selbst als „genre bending“ zwischen Pop-Punk und Elektronic. Auf der Bühne standen die beiden schon beim Montreux Jazz Festival oder dem Reeperbahn Festival. Eröffnet wird der Abend vom ebenfalls aus der Schwiz kommende Duo Elio Ricca. Ausgestattet mit nichts als einer Baritongitarre, einem Schlagzeug und einer Besessenheit für eigene Melodien, machen sie explosive Live-Shows.

Bereits am 7. November steht das Wiener Quartett Endless Wellness auf der OKH-Bühne. Das Wiener Quartett steht für eine einzigartige Mischung aus Westerngitarrenklängen und Texten über Verletzlichkeit und gesellschaftliche Überforderung. Musik für alle, die nicht still sein wollen, aber auch nicht mehr wissen, wie laut man noch schreien soll. Den Abend eröffnet die Band ZAK! rohen Proto-Punk mit Garagensound. Die Jazzreihe thursdays4jazz bringt am 12. November das Armin Jambor Quartet: Der ungarische Saxofonist Armin Jambor verbindet amerikanischen Jazz mit Bartóks europäischer Klassik. Sein in Wien entstandenes Quartett präsentiert das neue Album „Touch & Fade“.
Die neunköpfige Vöcklabruck Vintage Band bringt am 26. November Blues, Jazz und Soul in die OKH-Jazzbar. Mit Bläsersatz, Rhythmusgruppe und Gesang in klassischer Mini-Bigband-Besetzung.
Literatur: Zwei Debüts zu den Aktionstagen gegen Gewalt an Frauen
Die OKH-Literaturgruppe 4840 Kulturakzente lädt am 30. November zu einer Doppellesung im Rahmen der Aktionstage „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ ein. Die Buchhändlerin Nicole List legt mit „Angst vor Männern“ einen persönlichen Essay vor. Evelyn Bubich erzählt in ihrem Debütroman „All These Pretty Girls“ fragmentarisch von Gewalt, Verschweigen und Überleben.
Party & Diskurs: Ein Abend im Seoul-Feeling, dazu Politik, Kabarett und Philosophie
Am 21. November steht die nächste K-Pop Night mit Random Playdance an. Die Tanzcrew DisCover aus Gmunden stimmt das Publikum mit beeindruckenden Choreografien auf den Abend ein, danach ist das Publikum selbst an der Reihe: Bei der sogenannten Random Playdance Session laufen bekannte K-Pop-Tracks jeweils 90 Sekunden lang, und alle tanzen mit, ob geübt oder nicht. Dazu gibt es einen Second-Hand-Basar für K-Pop-Alben und Photocards und jede Menge Korean-Snacks. Willkommen sind alle ab 16 Jahren, jüngere Gäste gern in Begleitung eines Erwachsenen.
Du liebst den einzigartigen Klang von Schallplatten, stöberst gern in Kisten voller Vinyl-Schätze oder möchtest neue Musik entdecken? Dann ist das Vinyl Kollektiv am 18. November der richtige Ort für dich. Einen Raum weiter liest am selben Abend der Wiener Publizist Robert Misik aus seinem neuen Buch „Erziehung zur Grausamkeit“. Robert Misik fragt in seinem neuen Buch, wie aus Menschen verhetzte Individuen werden. Seine These lautet: Radikalisierung ist kein Naturereignis. Sie ist das Ergebnis gezielter Stimmungsmache, die Wut und Verbitterung schürt. Der Abend findet in Kooperation mit dem Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung OÖ (VÖGB OÖ) statt.
Am 20. November kehrt Kabarettist Romeo Kaltenbrunner in seinem zweiten Soloprogramm „Heimweh“ zu seiner Kindheit auf dem Land zurück. Zwischen Zeltfest, alter Liebe und der Frage, wo man dazugehört und trotzdem auffällt. Ein Abend über Herkunft, Identität und das Fremdgefühl im eigenen Dorf. „Meins: Bin ich, was ich habe?“, fragen sich hingegen die Teilnehmenden der nächsten Philosophische Matinée. Menschen zeigen einander Wohnungen und Autos und sagen „mein Job“, „meine Beziehung“, als wäre das alles ein Teil von uns. Die Philosophin Danièle Holick, geht mit den Gästen auf Spurensuche was eigentlich „meins“ bedeutet, und was von uns übrig bliebe, wenn wir es nicht mehr sagen könnten.
Am 23. November holt das OKH die in Deutschland lebende Journalistin und Moderatorin Miriam Davoudvandi nach Vöcklabruck. Bekannt als Host des erfolgreichen WDR-Podcasts „Danke, gut“ bringt Davoudvandi mit ihrem neuen Buch „Das können wir uns nicht leisten“ ihre eigne Geschichte über das Aufwachsen in Armut auf die Bühne. Eine Live-Show mit persönlichen Geschichten, popkulturellen Analysen und jede Menge Millennial-Nostalgie.
Kunst: Ein neues Kunstfestival und drei Perspektiven von Pop-Art bis Fotografie
Vom 11. bis 15. November findet im OKH und in den Lichtspielen Lenzing das neue Kurzfilm- und Kunstfestival BILDER:WELTEN statt. Ein Nachfolgeprojekt des langjährigen Kurzfilmfestivals Festival of Nations aus Lenzing. FoN-Gründer Christian Gaigg übergab nun den Stab an den Vöcklabrucker Lichtkünstler Heinz Kasper, der zusätzlich zum gewohnten Kurzfilmprogramm – mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendfilm – das Programm mit Ausstellungen, Medieninstallationen und Konzerten erweitert. Kaspers Lichtprojektion „Luminous Origins“ wird während des Festivals die Vorderseite der OKH-Fassade erleuchten. Mehr Informationen unter: https://www.bilder-welten.art/.
Am 19. November eröffnet die OKH-Galeriegruppe ihre nächste Gruppenausstellung „Blickrichtungen“, bei der auch dieses Mal drei Kunstschaffende in einem Raum zusammentreffen. Die in Linz lebende Künstlerin und Grafikdesignerin Laurena Dier steht für Pop-Art-Arbeiten mit klaren Linien und starken Farbkontrasten. Im Zentrum stehen bei ihr Frauenfiguren mit ausdrucksstarken Gesichtern. Pia Fronia aus Gmunden studierte Künstlerische Fotografie an der Prager Fotoschule. In ihren dokumentarischen Momentaufnahmen, Street- und Reisefotografien untersucht Fronia flüchtige Begegnungen und Geschichten. Der aus Ried im Innkreis stammende Maler Joe Köstlinger verbindet in seinen Arbeiten reale Motive mit Fantasie, Symbolik und einer Faszination für die Welt unter Wasser. Die Ausstellung ist ab der Vernissage bis Mitte Februar zu den OKH-Bürozeiten sowie während öffentlichen Veranstaltungen zu sehen.
Mehr Infos zum Programm unter www.okh.or.at/programm











