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21. Februar 2021 ist Equal Pay Day

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Frauen arbeiten jedes 7. Jahr gratis!

Das inter­na­tio­na­le Frau­en­netz­werk BPW – Busi­ness and Pro­fes­sio­nal Women – berech­net seit 2009 den Equal Pay Day für Öster­reich. Die­ser Akti­ons­tag fällt heu­er auf den 21. Febru­ar 2021. Obwohl er die­ses Jahr um vier Tage nach vor­ne gerückt ist, fällt die Begeis­te­rung gedämpft aus. Die Daten­grund­la­ge für die Berech­nung ist 2019, also vor der Coro­na-Kri­se, die dra­ma­ti­sche Aus­wir­kun­gen auf Frau­en hat.

Aktu­ell beläuft sich der Gen­der Pay Gap auf 14,3 Pro­zent, umge­rech­net sind das 52 Kalen­der­ta­ge, die Frau­en unbe­zahlt arbei­ten – oder anders aus­ge­drückt, jedes 7. Jahr. In der Gesell­schaft wird die­se Unge­rech­tig­keit oft negiert oder auf die hohe Teil­zeit­quo­te von Frau­en gescho­ben. Das stimmt so nicht. Die Lohn­sche­re von 14,3 % resul­tiert aus dem Ver­gleich von ganz­jäh­rig voll­be­schäf­tig­ten Frau­en und Män­nern aus den Berei­chen Arbeiter*innen, Ange­stell­te, Ver­trags­be­diens­te­te und Beamt*innen, also ist Teil­zeit kein Argu­ment! Auch die unbe­zahl­te Care­ar­beit oder ehren­amt­li­che Tätig­kei­ten von Frau­en fal­len nicht ins Gewicht!

Mehr Trans­pa­renz ist gefor­dert

Lasst euch das nicht gefal­len!, Ihr müsst bes­ser ver­han­deln!“, die­se wohl­wol­len­den Zuru­fe hören Frau­en von allen Sei­ten, wenn es um glei­ches Geld für gleich­wer­ti­ge Arbeit geht,“ sagt Cor­ne­lia Pes­sen­leh­ner, Prä­si­den­tin von BPW Aus­tria, „Frau­en sol­len den Kampf um Equal Pay aus­fech­ten, der von der Poli­tik gere­gelt wer­den muss!“

Unter­neh­men, die dau­er­haft mehr als 150 Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen, ste­hen in der Pflicht, alle zwei Jah­re Ein­kom­mens­be­rich­te abzu­lie­fern, auf deren Basis die Sta­tis­tik Aus­tria arbei­tet und der Rech­nungs­hof berich­tet. BPW stellt die Fra­ge: „War­um wer­den Ein­kom­mens­be­rich­te nicht auch von klei­ne­ren Unter­neh­men und detail­lier­ter ein­ge­for­dert?“ Klein- und Mit­tel­be­trie­be sind die größ­te Grup­pe der Arbeitgeber*innen, aber unter 150 Mitarbeiter*innen müs­sen sie kei­ne Berich­te über ihr Ent­loh­nungs­sche­ma abge­ben. “Da muss sei­tens der Regie­rung nach­ge­bes­sert wer­den“, lau­tet die For­de­rung des Frau­en­netz­werks.

Die Gleich­stel­lungs­an­walt­schaft (kurz GAW) for­dert schon lan­ge eine Ver­bes­se­rung in der inner­be­trieb­li­chen Ent­gelt­trans­pa­renz, ins­be­son­de­re die Auf­schlüs­se­lung in ein­zel­ne Ent­gelt­be­stand­tei­le. Ohne das Wis­sen um die kon­kre­te Ein­kom­mens­si­tua­ti­on der Ver­gleichs­per­so­nen im Unter­neh­men ist es nicht mög­lich, den recht­li­chen Anspruch gel­tend zu machen.

Die GAW hat in ihrem letz­ten Bericht aus der Pri­vat­wirt­schaft (2018/19) fest­ge­hal­ten, dass 85 % aller Dis­kri­mi­nie­rungs­fäl­le in der Arbeits­welt statt­fin­den, 9 % der Kate­go­rie „Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von Geschlecht“ die Ent­gelt­dis­kri­mi­nie­rung betref­fen.

Weni­ger Geld – weni­ger Pen­si­on

Die Ein­kom­mens­dif­fe­renz mani­fes­tiert sich vor allem in den Berufs­grup­pen der Ange­stell­ten mit 31,4 Pro­zent und Arbeiter*innen mit 27,4 Pro­zent. Das wirkt sich nicht nur auf den Kon­to­stand und die Lebens­qua­li­tät aus, son­dern auch lang­fris­tig auf die Pen­si­on. Frau­en leben zwar län­ger, die Fra­ge ist: wovon? Ohne ein finan­zi­el­les Vor­sor­ge­pro­gramm füh­ren die nied­ri­gen Alters­pen­sio­nen, die aktu­ell weni­ger als die Hälf­te der Pen­sio­nen der Män­ner betra­gen, zwangs­läu­fig in die Alters­ar­mut. Aber wann mit die­ser Spar­form begin­nen – und vor allem, von wel­chem Ein­kom­men etwas bei­sei­te­le­gen, wenn es so oft nicht zum Leben reicht? Beson­ders „Frau­en­be­ru­fe“ sind dra­ma­tisch unter­be­zahlt, den­ken wir an die kör­per­na­hen Dienst­leis­tun­gen oder auch Per­so­nal in der Pfle­ge und im Bil­dungs­be­reich.

Wohn- und Arbeits­ort ent­schei­dend für die Ein­kom­mens­dif­fe­renz

In Öster­reich besteht im euro­päi­schen Ver­gleich ein hohes geschlechts­spe­zi­fi­sches Lohn­ge­fäl­le zwi­schen Frau­en und Män­nern, wir sind bei den Schluss­lich­tern zu fin­den. Die Zah­len der Sta­tis­tik Aus­tria las­sen auch regio­na­le Ver­glei­che im Bun­des­ge­biet zu, denn ent­schei­dend für die tat­säch­li­che Höhe des Ein­kom­mens­un­ter­schieds ist das Bun­des­land. Wäh­rend in Wien der Pay Gap mit 4,8 % Pro­zent ver­hält­nis­mä­ßig klein ist, klafft in Vor­arl­berg eine Lücke von 23,3 Pro­zent!

Ist EQUA­LI­TA die Lösung?

Im März 2020 prä­sen­tier­ten Mar­ga­re­te Schram­böck (aktu­ell Bun­des­mi­nis­te­rin für Digi­ta­li­sie­rung und Wirt­schafts­stand­ort) und Frau­en­mi­nis­te­rin Susan­ne Raab das neue Qua­li­täts­sie­gel für Gleich­be­rech­ti­gung: EQUA­LI­TA. Die­se Aus­zeich­nung soll Unter­neh­men ver­lie­hen wer­den, die unter­schied­li­che Kri­te­ri­en erfül­len, das reicht von Equal Pay bis zur struk­tu­rel­len, inner­be­trieb­li­chen Frau­en­för­de­rung. Hier stellt BPW die Fra­ge, war­um ein Recht auf glei­che Bezah­lung mit einem Good­will auf Frau­en­för­de­rungs­maß­nah­men kom­bi­niert wird? Glei­ches Geld für glei­che Leis­tung soll­te nicht mit einem Sie­gel belohnt, son­dern im Jahr 2021 selbst­ver­ständ­lich sein.

Laut Aus­kunft des zustän­di­gen Minis­te­ri­ums (per 8.2.2021) ist die BAWAG Trä­ge­rin des Sie­gels, wei­te­re Unter­neh­men wer­den nicht genannt, obwohl es schon Unter­neh­men im zwei­stel­li­gen Bereich geben soll. Auch die Jury, die über die Ver­ga­be ent­schei­det, wird weder auf der Hom­pe­page ver­öf­fent­licht, noch auf Nach­fra­ge mit­ge­teilt. „Hin­sicht­lich der Jury­be­set­zung für die Aus­zeich­nun­gen — bestehend aus Wirtschaftsexpert*innen —  hal­ten wir uns kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nisch noch etwas bedeckt“, teilt das Minis­te­ri­um mit.

Die Poli­tik ist gefor­dert, Ein­kom­mens­trans­pa­renz zu schaf­fen und alle dafür nöti­gen Daten von Unter­neh­men ein­zu­for­dern. Nur so kann die Basis für gerech­te Ent­loh­nung geschaf­fen wer­den, die weder Frau­en noch Män­ner dis­kri­mi­niert!

Quel­le: BPW Aus­tria

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