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Jahresbericht 2020 der Österreichischen Wasserrettung LV

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22000 Stun­den ehren­amt­li­che Arbeit, 8 Lebens­ret­tun­gen und ein Virus namens Sars-CoV‑2
Ohne die frei­wil­li­ge und ehren­amt­li­che Arbeit der rund 550 Ein­satz­kräf­te der Öster­rei­chi­schen Was­ser­ret­tung in Ober­ös­ter­reich, hät­ten 8 Men­schen im Zeit­raum Anfang Okto­ber 2019 bis Ende Sep­tem­ber 2020 den Auf­ent­halt im und am Was­ser mit hoher Wahr­schein­lich­keit mit dem Leben bezahlt. Das ist zwei­fels­frei der wich­tigs­te Punkt der Leis­tungs­sta­tis­tik 2019/2020 des Lan­des­ver­ban­des.

In die­sem Zeit­raum star­ben 7 Per­so­nen in Ober­ös­ter­reich bei Ertrin­kungs­un­fäl­len. Dass es nicht mehr wur­den ist auch dem beherz­ten Ein­grei­fen von Augenzeug*innen zu ver­dan­ken, die rasch und rich­tig reagier­ten und zu Lebensretter*innen wur­den. So kam es zum Bei­spiel am Aus­ee in der Nähe von Linz Anfang August an einem Tag inner­halb weni­ger Stun­den zu zwei Bei­na­he-Ertrin­kungs­un­fäl­len und am Traun­see konn­te ein Mann zwei Kin­der und ihre Müt­ter mit einem Stand-Up-Padd­le­board ret­ten, nach­dem die­se beim Baden in der Traun in den See abge­trie­ben wur­den.

Stolz auf unse­ren ÖWR-Nach­wuchs mach­te uns auch die Ret­tung einer in Not gera­te­nen Sur­fe­rin am Traun­see. Als die alar­mier­ten Ein­satz­kräf­te ein­tra­fen, war die sicht­lich gezeich­ne­te und stark unter­kühl­te Frau bereits von einem E‑Boot auf­ge­nom­men wor­den. Zu Hil­fe gekom­men waren der Was­ser­sport­le­rin ein 15jähriger mit sei­nen Freun­den, wel­cher erst weni­ge Tage zuvor sei­nen ers­ten regu­lä­ren Dienst auf dem Ein­satz­boot Traun­kir­chen absol­viert hat­te und die als Augen­zeu­gen sofort han­del­ten.

Bei wei­te­ren Ein­sät­zen der Was­ser­ret­tung wur­den 119 Per­so­nen­ret­tun­gen gezählt, vor allem Wassersportler*innen auf den gro­ßen Salz­kam­mer­gut­se­en, die bei Sturm oder See­not von den Boots­mann­schaf­ten der ÖWR ans Ufer gebracht wur­den und 140 gebor­ge­ne Sach­gü­ter und Was­ser­fahr­zeu­ge. Dazu kom­men noch 199 geleis­te­te Ers­te-Hil­fe-Maß­nah­men.

Auf­merk­sam­keit über die Lan­des­gren­zen hin­aus sorg­te die Ber­gung eines gesun­ke­nen Zwei­mas­ters Bau­jahr 1952 am bay­ri­schen Ammer­see. Die Taucher*innen der Was­ser­ret­tung aus dem Lan­des­ver­band sind seit Jah­ren mit Schiffs­ber­gun­gen ver­traut, nicht zuletzt bei einer spek­ta­ku­lä­ren Ber­gung eines Holz­boo­tes aus 135 Metern Tie­fe aus dem Atter­see und auch die­ses Jahr muss­ten meh­re­re Boo­te aus den Salz­kam­mer­gut­se­en geho­ben wer­den. Des­halb frag­ten die bay­ri­schen Ein­satz­kräf­te der Was­ser­wacht um Unter­stüt­zung an um die 11 Meter lan­ge und 10 Ton­nen schwe­re „Sir Shack­le­ton“ aus rund 7 Meter zu heben, was nach 2 Tagen erfolg­reich gelang.

Ins­ge­samt leis­te­ten die ca. 550 akti­ven Mit­glie­der in der Sai­son 2019/2020 knapp 22.000 ehren­amt­li­che Stun­den bei Ein­sät­zen, Siche­rungs­leis­tun­gen, Aus­bil­dun­gen und Jugend­ar­beit. Gegen­über den Vor­jah­ren ist das ein Drit­tel weni­ger, wobei die­ser Rück­gang vor allem auf die Covid-19 Maß­nah­men zurück­zu­füh­ren ist. So blie­ben die Ein­satz­stun­den mit 13.733 annä­hernd gleich, aller­dings muss­ten Schwimm­kur­se, inter­ne Aus­bil­dungs- und Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen abge­sagt oder ver­scho­ben wer­den. Und auch die Jugend­ar­beit litt stark unter den Ein­schrän­kun­gen, so wur­den zum Bei­spiel die Jugend­la­ger am Atter­see abge­sagt und wöchent­li­che Jugend­trai­nings in den Orts­stel­len vie­len Groß­teils aus.

Wie für gro­ße Tei­le der Gesell­schaft, ist auch für die Was­ser­ret­tung die­se von der Pan­de­mie gepräg­te Zeit sehr her­aus­for­dernd. Vie­le Orts­stel­len erzie­len durch Schwimm- und Ret­tungs­schwimm­kur­se oder durch die Über­wa­chung von Kul­tur- und Sport­ver­an­stal­tun­gen ihre Ein­künf­te, die für die Abde­ckung der Kos­ten des Ein­satz­diens­tes not­wen­dig sind. Gera­de die­se Ein­nah­men sind dras­tisch zurück­ge­gan­gen, wäh­rend die War­tungs- und Betriebs­kos­ten, Mate­ri­al- und Aus­rüs­tungs­auf­wand etwa gleich geblie­ben sind. Auch das Jugend- und Aus­bil­dungs­zen­trum am Atter­see, wel­ches von April bis Okto­ber auch für Pri­vat­per­so­nen offen steht, ver­zeich­ne­te einen Rück­gang der Näch­ti­gun­gen auf fast die Hälf­te gegen­über dem Vor­jahr.

Durch strik­te Vor­sor­ge-Maß­nah­men bei den Über­wa­chungs­diens­ten und Ein­sät­zen und auch der Absa­ge von Ver­an­stal­tun­gen wie der Jah­res­haupt­ver­samm­lung oder Jah­res­ab­schluss­fei­er konn­te eine Anste­ckung oder Aus­brei­tung von COVID-19 inner­halb der ÖWR in Ober­ös­ter­reich ver­mie­den wer­den. Auch der über­durch­schnitt­lich gro­ße Andrang im Som­mer an den hei­mi­schen Bade­se­en hat sich glück­li­cher­wei­se nicht in den Ver­un­glück­ten­zah­len wider­ge­spie­gelt. Es bleibt zu hof­fen, dass auch die Schwimm- und Ret­tungs­schwimm­aus­bil­dun­gen und die Jugend­ar­beit bald wie­der regu­lär statt­fin­den kön­nen um grö­ße­re nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen in der län­ger­fris­ti­gen Prä­ven­ti­on von Ertrin­kungs­un­fäl­len und der Nach­wuchs­ar­beit ver­mei­den zu kön­nen.

Foto: Öster­rei­chi­sche Was­ser­ret­tung Lan­des­ver­band

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