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Abgefahrene Botschaften

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Die Evan­ge­li­sche Gemein­de hat seit März einen neu­en Pfar­rer, Klaus Kudel­la (58) aus Baden-Würt­tem­berg, einen früh beru­fe­nen Theo­lo­gen, der spät zum Quer­ein­stei­ger wur­de.

Klaus Kudel­la wuchs in Karls­ru­he auf. Weil er sich dort in einer sehr leben­di­gen Gemein­de rund­um gebor­gen fühl­te, fass­te er den Ent­schluss Pfar­rer zu wer­den. Er stu­dier­te Theo­lo­gie und wei­te­te sei­nen Hori­zont mit einer Son­der­pfarr­stel­le für vor­wie­gend afri­ka­ni­sche Stu­den­ten.

Aber: Damals gab es so vie­le Bewer­ber, dass er als regu­lä­rer Pfar­rer ein­fach nicht rein­kam. Drei­mal bewarb er sich ver­geb­lich, aber es wur­de nichts, wobei er beim drit­ten Mal zu hören bekam, dass sei­ne Aus­bil­dung nun doch schon zu lan­ge her sei. Er muss­te eine Nach­prü­fung machen, aber es wur­de immer noch nichts. „Das war ein Schock“, erzählt er heu­te.

Klaus Kudel­la schlug einen ande­ren Weg ein, bil­de­te sich als Sozi­al­ma­na­ger wei­ter, büf­fel­te Recht, BWL und wur­de Exper­te für Alten­pfle­ge und Finanz­fra­gen rund um die 1995 in Deutsch­land neu ein­ge­führ­te Pfle­ge­ver­si­che­rung. Hei­me mit kirch­li­cher Trä­ger­schaft enga­gier­ten ger­ne einen Lei­ter, der noch dazu, aber neben­bei auch ein wenig seel­sor­ge­risch tätig war.

Der Mann Got­tes in mir war lan­ge Zeit fast ver­schwun­den“, sagt Kudel­la nach­denk­lich. In sei­ner
Wohn­ort­ge­mein­de habe er bloß als Prä­di­kant mit­ge­hol­fen.

Wes­halb sind sie aus­ge­stie­gen? Wie ist es zum Quer­ein­stieg in Gmun­den gekom­men?
„Mit der Zeit hat sich aber die Fra­ge, ‚wie lan­ge willst du noch so wei­ter­ma­chen?‘ aber immer drän­gen­der gestellt. Der Fach­kräf­te­man­gel in der Alten­pfle­ge war über die Jah­re bedrü­ckend groß gewor­den und eine qua­li­täts­vol­le Arbeit immer schwieriger.Ich bin vom Natu­rell her ein Team­play­er und auch davon über­zeugt, dass ein Heim­lei­ter ein Team­play­er sein muss. Aller­dings muss­te ich ler­nen, mich als Füh­rungs­per­son zu behaup­ten und durch­zu­set­zen. Ich habe da schö­ne Erfol­ge gehabt, auch eini­ges an Lehr­geld bezahlt.
Nach dem Ent­schluss, noch mal den Job zu wech­seln, hab ich mich auf eine kirch­li­che Stel­len­bör­se geschrie­ben, nicht ein­mal mit dem Pfar­r­erwunsch, son­dern als ‚Lei­ter für ein Frei­zeit­heim‘. Dort haben die Gmund­ner mich ent­deckt und ein­ge­la­den.“

Klaus Kudel­la und sei­ne Frau Dag­mar, von Beruf eine kauf­män­ni­sche Ange­stell­te, wer­den vor­aus­sicht­lich Ende April nach Pins­dorf über­sie­deln. Mit­kom­men wer­den nur ihre zwei Hun­de. Ihre drei erwach­se­nen Kin­der leben und blei­ben in Deutsch­land.

Jesus meint immer mich per­sön­lich“
Was sei­ne Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen angeht, ist Klaus Kudel­la ein bun­ter Hund. Er liebt Jog­gen und Rad­fah­ren, spielt gern Disc Golf, hat sich fürs Bogen­schie­ßen sel­ber einen Bogen gebaut und folgt als Kunst­hand­wer­ker und Hob­by­tisch­ler ver­mut­lich einer gene­ti­schen Ver­an­la­gung, die von sei­ner Mut­ter – sie stu­dier­te Male­rei – stam­men dürf­te.

Die ers­ten Din­ge, die Kudel­la ins Gmund­ner Pfarr­haus gebracht hat, sind mehr als ein Dut­zend kunst­voll umge­bau­te und bemal­te alte Long­boards. Aus den übli­chen Ska­ter-Gra­phics und coo­len Sprü­chen auf der Unter­sei­te hat er spi­ri­tu­el­le Denk­an­stö­ße, zeit­ge­mä­ße Hin­wei­se auf Jesus Chris­tus gemacht. Mit den Boards stellt er gera­de eine Wan­der­aus­stel­lung zusam­men. Sin­ni­ger Titel: „Abge­fah­re­ne Bot­schaf­ten“.

Da fragt man sich natür­lich: Was sind für den neu­en Pfar­rer die abge­fah­rens­ten, die hei­ßes­ten Bot­schaf­ten?
Klaus Kudel­la: „Dein Leben kann noch so ver­rückt sein, aber Gott kann etwas dar­aus machen.“ Und „Jesus meint immer mich per­sön­lich.“

Foto: Josef Aigner

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