salzi.at - Aktuelles aus dem Salzkammergut

Dekubitus: Sommermonate erhöhen Risiko für Druckgeschwüre durch Wundliegen

0

Die Sommermonate stellen für viele pflegebedürftige, ältere Menschen eine besondere Herausforderung dar. Die Hitze und der durch vermehrtes Schwitzen entstehende Flüssigkeitsmangel setzt nicht nur Kreislauf und Gedächtnis zu, auch die empfindliche Haut und das Gewebe sind in dieser Zeit anfälliger für Schädigungen. Für Personen, die viel Liegen und sich nur schlecht selbstständig bewegen können, erhöht sich das Risiko für Druckgeschwüre (Fachsprache: Dekubitus) im Sommer auf das Doppelte.

Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von Druck oder von Druck in Verbindung mit Scherkräften. Die Entwicklung eines Dekubitus ist grundsätzlich an jeder Köperstelle möglich (im Sitzen oder Liegen), besonders gefährdet sind Körperstellen, bei denen direkt unter dünner Haut konvexe Knochenvorsprünge liegen oder die durch Hilfsmittel oder Kleidung einem externen Druck ausgesetzt sind. Zu exponierten Körperstellen zählen beispielsweise Fersen, Ellbogen, Hinterkopf, Knöchel, Ohrmuschel, Schulterblatt, Sakralbereich, Sitzbeinhöcker, Trochanter major, Zehen.

Die vermehrte Schweißbildung in den warmen Sommermonaten stellt ein besonderes Problem für Dekubitus gefährdete Personen dar. Starkes Schwitzen in den warmen Sommermonaten zieht zudem ein schlechtes Bettklima nach sich und belastet die Haut der Pflegebedürftigen noch zusätzlich. Die Wärme erhöht die Stoffwechselrate und verringert dadurch die Toleranz des Gewebes gegenüber Druck. Hauttemperatur, Hautfeuchtigkeit und Bettklima spielen dabei eine entscheidende Rolle.

DGKPin Barbara Schmid, Stationsleitung der Inneren Medizin 1 und 2 am Salzkammergut-Klinikum Gmunden

Umlagerung und Mikroklima ist im Sommer besonders wichtig
„Um einen Dekubitus vorzubeugen, ist es wichtig, dass die Patientinnen und Patienten regelmäßig bewegt und umgelagert werden.

Dies soll verhindern, dass auf besonders gefährdeten Haut- und Geweberegionen wie etwa den Schulterblättern, Ellenbogen, Handgelenken, Fersen, der Hüfte, dem Hinterkopf oder dem Kreuzbein nicht länger als notwendig Druck lastet“, erklärt DGKPin Barbara Schmid, Stationsleitung der Innere Medizin 1 und 2 am Salzkammergut-Klinikum Gmunden.

Mit folgenden Interventionen lässt sich das Mikroklima in positiver Weise verändern:
• Durch die Positionsveränderung des Pflegebedürftigen kann die Haut, die zuvor mit Matratzenbezügen und/oder Lagerungshilfsmitteln in Kontakt war, der Luft ausgesetzt werden und dadurch abkühlen. Ein regelmäßiges Lüften und Drehen der Bettdecke und der Lagerungshilfsmittel schaffen ein angenehmes Bettklima und zusätzlich kann dadurch Schweiß verdunsten.
• Wichtig ist auch eine individuelle Inkontinenzversorgung (Zurückhaltung bei der Verwendung geschlossener Inkontinenzartikel), denn durch die hohe Hautfeuchtigkeit erhöht sich das Risiko für Mazerationen der Haut.
• Auswahl atmungsaktiver Kleidung.
• Hautpflege ist vor allem bei älteren Menschen wichtig, da diese häufig eine trockene bzw. auch fettarme Haut aufweisen. Durch Hautpflegeprodukte werden jedoch weder Druck, noch Druckdauer oder die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber Druck beeinflusst.
• Hautpflegeprodukte zeigen in Bezug auf die Dekubitusprophylaxe daher keinen positiven Effekt, da sie an den Faktoren zur Entstehung eines Dekubitus nichts ändern.
• Hautreinigung mit klarem Wasser, eventuell pH-neutrale Waschzusätze beigeben.
• Verwendung von Hautpflegemitteln, die trockener Haut Feuchtigkeit zuführen
(Wasser in Öl – Präparate). Grundsätzlich gilt: „Weniger ist mehr“.
• Wichtig sind regelmäßige Hautinspektionen, damit Rötungen schnell erkannt werden.
Nicht zu empfehlen sind:
• Massagen zur Förderung der Hautdurchblutung
• Energisches Reiben Dekubitus gefährdeter Haut
• Abwechselnde Kälte-/Wärmebehandlungen

Dekubitus – ein tiefsitzendes Problem
„Das primäre Ziel in der Dekubitusprophylaxe ist immer die Druckentlastung“, so DGKPin Barbara Schmid. Dieses Ziel ist durch regelmäßige körperliche Bewegung und/oder durch Freilagerung gefährdeter Körperstellen zu erreichen. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Interventionen zur Reduktion/Verhinderung von Scherkräften und/oder Reibung, sowie durch Gestaltung eines positiven Mikroklimas.

Die Wahl der Intervention orientiert sich immer am Zustand des Pflegebedürftigen. Kommt es zu auffallenden Rötungen oder Schmerzen, so sollte jedoch in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden. „Ein unzureichend behandelter Dekubitus kann zum Absterben betroffener Gewebe- und Hautschichten sowie tiefen Wunden führen“, erklärt die Expertin.

Foto: gespag

Teilen.

Comments are closed.