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Keramik-Kunst-Geschichte: Kurt Ohnsorg + 55 Jahre Sommerseminare Gmunden

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Prof. Kurt Ohnsorg Portrait von H.g. Prillinger, 1970

Der Gmundner Keramiker Kurt Ohnsorg (1927 – 1970) hat Kunstgeschichte geschrieben, sowohl als Künstler als auch als Kunstvermittler. Seine 1963 gegründeten Gmundner „Sommerseminare“ wurden in der Gattung Keramik zur Initialzündung und zum Vorbild einer weltweiten Symposiumsbewegung. Beides, der Künstler Kurt Ohnsorg und die Gmundner Keramiksymposien, stehen im Mittelpunkt einer Retrospektive in den K-Hof Museen der Stadt Gmunden, die bis April 2019 dauern wird. Zu sehen sind an die 50 Eponate, eine Dokumentation der nunmehr 15 Symposien mit Texten, Bildern und einem Dokumentarfilm.

 

Foto: Stadtgemeinde Gmunden

Aufbrechen in die Moderne
In seiner Disziplin gilt Kurt Ohnsorg bis heute als revolutionärer Erneuerer, der die Keramikkunst der Jahrhundertwende in die Moderne übergeführt hat. Schon an der Wiener „Angewandten“ widersetzte er sich vehement seinem Professor, der biedere Gefäßkeramik haben wollte. Ohnsorg mochte die Auseinandersetzung, er war provokant, schwierig, charismatisch, ein blendender Rhetoriker. Er brach radikal und in doppeltem Sinn das auf, was als akademisch-gefällig galt. Er suchte neue (Gefäß-)formen, sprengte die Grenze zur Bildhauerei, modellierte „kleinplastische Kuriosa“, experimentierte mit zerreißenden, grob strukturierten Oberflächen, nahm Anleihen aus der uralten japanischen und chinesischen Tradition und malte auf seinen Artefakten mit neuen Glasuren wie ein abstrakter Expressionist. Wie er seine irdenen Werkstücke beim Brennen aufreißen ließ – und dazu auch die Intention und Ästhetik seiner Zunft – dafür fanden Kritiker wiederholt einen trefflichen Vergleich: Vulkanismus.

Foto: Stadtgemeinde Gmunden

Mutter aller Keramiksymposien
Der gebürtige Niederösterreicher Kurt Ohnsorg übernahm die Symposiumsidee von seinem Künstlerfreund Karl Prantl, der die weltbekannten Bildhauersymposien im Steinbruch von St. Margarethen ins Leben gerufen hatte. In Gmunden, wo Ohnsorg in der keramischen Industrie eine Anstellung gefunden hatte, boten sich ideale Rahmenbedingung: eine große Keramiktradition und Industriebetriebe, die ihre Ateliers dafür zu Verfügung stellten.
Ohnsorg organisierte und leitete selber sechs Symposien, zu denen Künstler aus aller Welt anreisten, beispielsweise aus den USA, aus Ghana oder Indien – von dort im Übrigen eine Nichte der Ministerpräsidentin Indira Gandhi. Sogar der damalige Ostblock ließ führende Keramiker ins neutrale Österreich ausreisen, was diese prompt zur Gründung weiterer Symposien in der CSSR und Ungarn inspirierte. Auch Israel, Italien, Schweden und die USA schlossen sich der Symposiumsidee an.
Gmunden gilt bis heute als Mutter aller Keramiksymposien. Hier fand das allererste internationale statt, und hier sind die Bedingungen und Möglichkeiten in den Ateliers der Industrie – Gmundner Keramik und seit heuer auch wieder bei Laufen – die besten.

Kurt Spurey, der 1978 das erste Symposium nach Ohnsorgs tragischem Freitod leitete, nennt dafür noch einen wesentlichen Umstand: die „Laborsituation“ fernab von Erfolgs- und Leistungszwang. „Das Abenteuer des Experiments, gepaart mit persönlichem Erleben“ beschreibt er diesen wichtigen Anreiz.
Seit 2003 führen Gmundner Keramik, Stadtgemeinde, der Verein zur Förderung europäischer Keramkkünstler und neuerdings auch wieder der Laufen-Konzern die Symposien weiter. Heuer fand das achte dieser Art statt. Fünf Wochen arbeiteten 10 KünstlerInnen aus sechs Ländern gemeinsam in den beiden genannten Industriebetrieben.

Ausstellungseröffnung
Einführung: Mag. Carl Aigner, Direktor des Museums Niederösterreich
Musik: Suyang Kim, Klavier
Donnerstag, 15. 11., 19 Uhr, K-Hof Museen Gmunden
Dauer bis April 2019

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1 Kommentar

  1. 2003 war es vor allem der damalige Gmundner Keramik Geschäftsführer DI Robert Staribacher, der sowohl materiell wie immateriell die Wiedereinführung des Keramik-Symposiums ermöglichte. Vor allem die Sanierung und Belebung des beeindruckenden Veranstaltungsraumes “Kunst.Werkstatt” im OG der Gmundner Keramik war Staribachers Verdienst und dem damaligen Besitzer Johannes Graf von Moy ein großes Anliegen. Ohne Staribacher’s großem Engagement wäre die Wiederbelebung dieser Veranstaltungsreihe nicht möglich gewesen.

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