salzi.at - Aktuelles aus dem Salzkammergut

Menschen mit Beeinträchtigung in Krisenzeiten nicht vergessen

0

Wäh­rend ein Groß­teil der Österreicher*innen auf­grund der gelo­cker­te Aus­gangs­be­schrän­kun­gen per Anfang Mai auf­at­men, ist für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung das Besuchs­ver­bot in den Wohn­häu­sern wei­ter­hin auf­recht und kei­ne Locke­rung in Sicht. Zum mor­gi­gen Tag der Inklu­si­on macht sich die Lebens­hil­fe für mehr Sicht­bar­keit von Men­schen mit Beein­träch­ti­gung auch in Kri­sen­zei­ten stark.

Seit ihrer Grün­dung im Jahr 1969 setzt sich die Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich für eine selbst­ver­ständ­li­che Teil­ha­be von Men­schen mit Beein­träch­ti­gung in der Gesell­schaft ein. In Zei­ten von Coro­na waren nicht nur die­se wich­ti­gen sozia­len Kon­tak­te ein­ge­schränkt, son­dern auch in der Öffent­lich­keit fan­den Men­schen mit Beein­träch­ti­gung kaum Beach­tung.

Wäh­rend Alten- und Pfle­ge­hei­me mit ihren beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen als Risi­ko­grup­pe häu­fig in den Medi­en erwähnt wur­den, wur­den Men­schen mit Beein­träch­ti­gung wie so oft ver­ges­sen. Der Ver­gleich der Bewoh­ner mit Alten- und Pfle­ge­hei­men mit den
Bewoh­nern unse­rer Wohn­ein­rich­tun­gen ent­spricht über­haupt nicht der Rea­li­tät – hier han­delt es sich um unter­schied­li­che Per­so­nen­grup­pen mit völ­lig ande­ren Bedürf­nis­sen“, stellt Hel­ga Scheidl, Prä­si­den­tin der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich, fest. Zum Tag der Inklu­si­on am 5. Mai macht die Lebens­hil­fe auf die beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen die­ser Per­so­nen­grup­pe und ihrem Umfeld beson­ders in Kri­sen­zei­ten auf­merk­sam.

Beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung und ihr Umfeld
Seit dem 16. März 2020 sind die Werk­stät­ten der Lebens­hil­fe geschlos­sen, auch beim mobil betreu­ten Woh­nen, der Früh­för­de­rung, den Kin­der­gär­ten und dem Hort ist ledig­lich ein Not­be­trieb auf­recht. Men­schen mit Beein­träch­ti­gung wer­den ent­we­der von ihren Ange­hö­ri­gen daheim oder ganz­tä­tig von Mit­ar­bei­tern der Lebens­hil­fe in den Wohn­häu­sern beglei­tet, wo das Besuchs­ver­bot auf noch auf unge­wis­se Zeit auf­recht blei­ben wird. Mit Unter­stütz­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on, Bil­dern und viel Geduld wird den Bewoh­nern die aktu­el­le Lage erklärt – mit feh­len­der Per­spek­ti­ve auf Locke­rung ihrer Bewe­gungs­frei­heit wird es jedoch zuneh­mend schwie­rig zu erklä­ren, war­um ande­re Men­schen ab Anfang Mai wie­der Ange­hö­ri­ge besu­chen und Dienst­leis­tun­gen wie etwa einen Fri­sör­be­such in Anspruch neh­men kön­nen, sie jedoch nicht.

Unse­re Bewoh­ner und Mit­ar­bei­ter sind krea­tiv in der Frei­zeit­ge­stal­tung, doch der ‚Lager­kol­ler‘ nimmt mit fort­schrei­ten­der Dau­er zu. Auch die Belas­tung für die Ange­hö­ri­gen, die Men­schen mit Beein­träch­ti­gung zu Hau­se beglei­ten, steigt und vie­len Beschäf­tig­ten fehlt
der struk­tu­rier­te Tages­ab­lauf in den Werk­stät­ten. Beson­ders bei den mobil beglei­te­ten Bewoh­nern, die in ihren pri­va­ten Woh­nun­gen unter­stützt wer­den, ist die Gefahr der Ver­ein­sa­mung ohne die sozia­len Kon­tak­te in den Werk­stät­ten groß“, erklärt Mag. Ger­hard
Schein­ast, Geschäfts­füh­rer der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich.

Wäh­rend Gesamt­spre­che­rin Karin Rieg­ler gut mit der Situa­ti­on umge­hen kann und die Frei­zeit­mög­lich­kei­ten daheim zum Teil auch genießt, sehnt sich Gesamt­spre­cher Roland Öhlin­ger wie vie­le der Beschäf­tig­ten schon sehr nach sei­ner Arbeit in der Inte­gra­ti­ven Beschäf­ti­gung in der Kell­ner & Kunz AG und auch in den Wohn­häu­sern wird eine bal­di­ge Locke­rung des Besuchs­ver­bots her­bei­ge­sehnt. „Ich habe mei­nen Sohn nun seit Wochen nicht mehr gese­hen, wir kön­nen nur tele­fo­nie­ren, aber der per­sön­li­che Kon­takt fehlt ihm natür­lich sehr. Er emp­fin­det die noch in den Wohn­häu­sern andau­ern­den Aus­gangs­be­schrän­kun­gen zuneh­mend als Frei­heits­ent­zug. Er könn­te auch Sicher­heits­maß­nah­men wie das Abstand-Hal­ten mühe­los umset­zen. Bei der schritt­wei­sen Öff­nung von Geschäf­ten, Schu­len, Alten­hei­men etc. darf nicht auf die Ein­rich­tun­gen für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung ver­ges­sen wer­den“,“, for­dert Hel­ga Scheidl.

Mehr Sicht­bar­keit von Men­schen mit Beein­träch­ti­gung in Kri­sen­zei­ten gefor­dert
Mehr Sicht­bar­keit sowie Par­ti­zi­pa­ti­on, Betei­li­gung und Sicher­stel­lung von Men­schen mit Beein­träch­ti­gung in Kri­sen­zei­ten for­der­te heu­te auch die Lebens­hil­fe Öster­reich in einer Pres­se­kon­fe­renz. „In den letz­ten sechs Wochen beob­ach­ten wir einen neu­en Aus­schluss von Men­schen mit Behin­de­rung in gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen. So ist die Situa­ti­on von Men­schen mit Behin­de­rung in den mit Coro­na ver­bun­de­nen Maß­nah­men nicht direkt mit­be­rück­sich­tigt. Die­se Grup­pe wur­de in den Krei­sen, die die­se Ent­schei­dun­gen vor­be­rei­tend beglei­tet haben, ein­fach ver­ges­sen. Auch sind Men­schen mit Behin­de­rung in der aktu­el­len öffent­li­chen Bericht­erstat­tung kein The­ma“, so Ger­main Weber, Prä­si­dent der Lebens­hil­fe Öster­reich.

Die Exper­ti­se von Men­schen mit Behin­de­run­gen und ihrer Ange­hö­ri­gen muss in die­ser Coro­na-Kri­se gehört und auf Augen­hö­he in Ent­schei­dun­gen ein­be­zo­gen wer­den. Sie hal­ten gera­de am meis­ten Ein­schrän­kung, Iso­la­ti­on und Lebens­ver­än­de­rung aus und wer­den auch
wei­ter­hin Durch­hal­te­ver­mö­gen zei­gen müs­sen. Der ein­zi­ge Plan, den es aktu­ell gibt, scheint ‚Sepa­rie­rung‘ für Men­schen mit Behin­de­run­gen vor­zu­se­hen. Doch es braucht jetzt einen Plan B und für die Zukunft einen Plan für eine zwei­te Wel­le, mit einer Balan­ce aus Schutz
und Frei­heit. Die­ser muss unter Ein­be­zug der Men­schen mit Behin­de­run­gen gestal­tet wer­den“, so Her­bert Pich­ler, Prä­si­dent des Öster­rei­chi­schen Behin­der­ten­ra­tes.

Foto: Lebens­hil­fe GUV 

Teilen.

Comments are closed.