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Wohnhaus der Lebenshilfe in Gmunden feierlich eröffnet

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Das neue Wohn­haus der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich in Gmun­den für 15 Men­schen mit intel­lek­tu­el­ler Beein­träch­ti­gung wur­de fei­er­lich eröff­net. Coro­nabe­dingt fand die offi­zi­el­le Eröff­nung mit LH-Stv. Mag. Chris­ti­ne Haber­lan­der, Sozi­al-Lan­des­rä­tin Bir­git Gerstor­fer und wei­te­ren Ehr­gen­gäs­ten erst ein Jahr nach dem Ein­zug statt. Die Bewohner*innen haben sich mitt­ler­wei­le gut ein­ge­lebt und schät­zen beson­ders die zen­tra­le Lage.

v. l. n. r.: LH-Stv. Mag.a Chris­ti­ne Haber­lan­der, Sozi­al-Lan­des­rä­tin Bir­git Gerstor­fer, Haus­spre­cher Chris­ti­an Reb­han, Wohn­haus­lei­tung Mag.a Katha­ri­na Laage, Obmann der AG Gmun­den der Lebens­hil­fe Arnold Bau­er und der Gmund­ner Bür­ger­meis­ter Mag. Ste­fan Krapf (Foto: Land /Denise Stinglmayr)

Woh­nen, wo ande­re Urlaub machen. Das oft ver­wen­de­te Mot­to gilt auch für die Bewohner*innen des neu­en Wohn­hau­ses der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich in Gmun­den. Vom Ober­ge­schoss gibt es einen Blick auf den Traun­see, Bade­platz und Zen­trum mit See­pro­me­na­de sind in weni­gen Minu­ten zu Fuß erreich­bar „Wir freu­en uns sehr, unser neu­es Wohn­haus in Gmun­den nach einer lan­gen War­te­zeit und immer wie­der auch Ver­schie­bun­gen des Pro­jekts nun fei­er­lich eröff­nen zu kön­nen“, sagt Mag. Ger­hard Schein­ast, Geschäfts­füh­rer der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich. Seit Jän­ner 1986 gibt es eine Werk­stät­te der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich in Gmun­den. Zuerst war die­se im Schloss Mühl­wang ange­sie­delt, 2004 wur­de die neue Werk­stät­te in der Georg­stra­ße eröff­net. Das Gelän­de schräg gegen­über der Werk­stät­te wur­de gleich nach der Eröff­nung von der Arbeits­grup­pe Gmun­den der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich für den Bau eines Wohn­hau­ses ins Visier genom­men. Bereits im Jahr 2006 wur­den die ers­ten Plä­ne ent­wor­fen. 2018 wur­de für das Bau­pro­jekt grü­nes Licht gege­ben, 2021 waren die Bau­ar­bei­ten abge­schlos­sen und die Bewohner*innen konn­ten einziehen.

Rapha­el Fischer ist einer von den 15 Bewohner*innen im Wohn­haus der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich in Gmun­den. (Foto: Lebens­hil­fe )

Unter­stüt­zung bei selbst­be­stimm­tem Leben

Wir leben in einer Zeit, in der die Erwar­tun­gen immer höher geschraubt wer­den. Grö­ßer, schnel­ler, höher lau­tet das Mot­to. Man­che Men­schen in unse­rer Gesell­schaft kön­nen mit die­sem Tem­po jedoch nicht mit­hal­ten. Die­sen Men­schen gegen­über tra­gen wir Ver­ant­wor­tung, ihnen muss die Gesell­schaft hel­fen. Die Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich hat sich in den mehr als vier Jahr­zehn­ten ihres Bestehens als akti­ve Inter­es­sen­ver­tre­tung für alle Men­schen mit Beein­träch­ti­gung ent­wi­ckelt. Es ist auch der Ver­dienst des Ver­eins Lebens­hil­fe, dass Men­schen mit Beein­träch­ti­gung ihren Platz in der Gesell­schaft gefun­den haben. Pro­jek­te wie das neue Wohn­haus der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich in Gmun­den, tra­gen dazu bei, dass Men­schen mit Beein­träch­ti­gung ein akti­ves Leben pla­nen kön­nen, dass sie geför­dert und bera­ten wer­den – nicht nur gepflegt und betreut“, betont LH-Stell­ver­tre­te­rin Mag. Chris­ti­ne Haberlander.

Im ver­gan­ge­nen Jahr haben in Ober­ös­ter­reich rund 4.800 Men­schen mit Beein­träch­ti­gung eine Wohn­be­treu­ung erhal­ten. Da der Bedarf mit den bestehen­den Ange­bo­ten aber nicht gedeckt ist, ist der wei­te­re Aus­bau von Wohn­plät­zen ein wich­ti­ger Schwer­punkt mei­ner Arbeit als Sozi­al-Lan­des­rä­tin. Auf­grund einer im Jahr 2018 gestar­te­ten Aus­bau­of­fen­si­ve, wer­den bis Ende nächs­ten Jah­res 500 neue, ziel­grup­pen­ge­rech­te Plät­ze in Ober­ös­ter­reich zur Ver­fü­gung ste­hen. Obwohl bereits etli­che Wohn­ein­rich­tun­gen fer­tig gestellt wor­den sind oder sich gera­de im Bau befin­den, war­ten noch immer vie­le auf einen Wohn­platz. Daher freue ich mich sehr, dass wir mit der Eröff­nung die­ses Hau­ses die War­te­lis­te für die Regi­on schon jetzt ver­kür­zen konn­ten“, sagt Sozi­al-Lan­des­rä­tin Bir­git Gerstor­fer bei der Eröffnung.

Mag. Ger­hard Schein­ast, Geschäfts­füh­rer der Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich, freut sich über die Eröff­nung des Wohn­hau­ses in Gmun­den. (Foto: Lebens­hil­fe )

15-köp­fi­ges Team beglei­tet Bewohner*innen

15 Men­schen mit intel­lek­tu­el­ler Beein­träch­ti­gung zwi­schen 25 und 54 Jah­ren aus Gmun­den, Ohls­dorf, Pins­dorf, Vorch­dorf, Stey­rer­mühl und Fran­ken­burg haben im Lebens­hil­fe-Wohn­haus in Gmun­den ein neu­es Zuhau­se gefun­den. Wei­ters steht auch ein Kurz­zeit-Wohn­platz zur Ver­fü­gung. Gut zwei Jah­re nach dem Spa­ten­stich konn­ten die Bewohner*innen im Som­mer 2020 ein­zie­hen und haben sich mitt­ler­wei­le gut ein­ge­lebt. Das Wohn­haus kön­ne man sich wie eine „gro­ße, selbst­be­stimm­te Stu­den­ten-WG“ vor­stel­len, sagt Wohn­haus­lei­te­rin Mag.a Katha­ri­na Laage: „Die Bewohner*innen leben so selbst­be­stimmt wie mög­lich und sind nicht an fixe Zei­ten – etwa zum Essen oder Schla­fen – gebun­den. Jede/r Bewohner*in soll die glei­chen Rech­te und Pflich­ten haben, wie das auch außer­halb der Lebens­hil­fe-Struk­tu­ren der Fall wäre.“ Beglei­tung und Unter­stüt­zung erhal­ten die Bewohner*innen dabei von einem 15-köp­fi­gen Team über­all dort, wo sie die­se brau­chen. Im Betreu­ungs­team befin­den sich Mitarbeiter*innen mit den ver­schie­dens­ten Aus­bil­dun­gen: Sozialarbeiter*innen für den Bereich Behin­der­ten­ar­beit bzw. Behin­der­ten­be­glei­tung, Altenfachbetreuer*innen und diplo­mier­tes Kran­ken­per­so­nal sowie sich noch oder bald in Aus­bil­dung befin­den­de Per­so­nen. Wei­ters arbei­ten zwei Reinigungs‑, eine Büro­kraft sowie zwei Zivil­die­ner im Wohn­haus: „Unser Team zeich­net sein Zusam­men­halt und Respekt dem ande­ren gegen­über aus. Wir haben Spaß an unse­rer Arbeit.“ Aktu­ell wird eine Per­son als Kran­ken­ver­tre­tung gesucht und auch jun­ge Men­schen, die ihren Zivil­dienst im Wohn­haus absol­vie­ren möch­ten, kön­nen sich jeder­zeit im Wohn­haus melden.

Im ers­ten Jahr haben sich die Bewohner*innen gegen­sei­tig ken­nen­ge­lernt, ihren Platz im Haus gefun­den und ihre groß­zü­gi­gen Zim­mer mit Sani­tär­be­reich per­sön­lich gestal­tet. Ein gro­ßer Teil der Bewohner*innen hat zuvor lan­ge auf den Wohn­platz gewar­tet und ist vom Eltern­haus aus­ge­zo­gen: „Die Bewohner*innen genie­ßen die damit gewon­ne­ne Frei­heit und Selbst­stän­dig­keit – muss­ten aber auch ler­nen, damit umzu­ge­hen.“ Als nächs­tes gehe es nun ans Deko­rie­ren der Gemein­schafts­flä­chen, also Küche, Wohn­zim­mer sowie Gän­ge und man sei dabei, die neue Hei­mat ken­nen­zu­ler­nen. Das Wohn­haus befin­det sich direkt neben der Lebens­hil­fe-Werk­stät­te und damit der Arbeits­stät­te vie­ler Bewohner*innen und in Geh­wei­te zum Zen­trum. „Die Bewohner*innen schät­zen die zen­tra­le Lage sehr und sind viel in der Stadt unter­wegs“, sagt Laage und fügt schmun­zelnd hin­zu: „Coro­nabe­dingt müs­sen wir unser Stamm­lo­kal erst fin­den — aber wir sind dabei.

Die Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich hat im Bezirk Gmun­den wei­te­re Wohn­häu­ser in Alt­müns­ter, Bad Ischl, Scharn­stein sowie Stey­rer­mühl und zwei Werk­stät­ten in Gmun­den und Bad Ischl. Die Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich ist mit ins­ge­samt über knapp 2.000 zu betreu­en­den Men­schen mit intel­lek­tu­el­ler Beein­träch­ti­gung in über 70 Ein­rich­tun­gen und über 1.500 Mitarbeiter*innen der größ­te Trä­ger in der Behin­der­ten­ar­beit in Ober­ös­ter­reich. Von den in Ober­ös­ter­reich vor­han­de­nen Wohn­plät­zen für Men­schen mit Beein­träch­ti­gung betreut die Lebens­hil­fe Ober­ös­ter­reich ein Fünftel.

Text: Lebens­hil­fe / Foto 1: Land /Denise Sting­lmayr, Foto 2 + 3: Lebens­hil­fe 

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