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Lehrlingssuche spitzt sich zu: Alle Branchen sind betroffen

7. Januar 2018
in Politik / Wirtschaft, Vöcklabruck
6
Lehrlingssuche spitzt sich zu: Alle Branchen sind betroffen
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Betriebe verzweifeln oft, sagt WKO-Bezirksobfrau Angelika Winzig

So groß war die Diskrepanz zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden in den vergangenen Jahren nie, schlägt die Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Vöcklabruck Alarm. Beim AMS sind im Bezirk nur noch 37 lehrstellensuchende Jugendliche registriert – aber 441 offene Lehrstellen in den Betrieben. „Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit“, weiß WKO-Bezirksobfrau NAbg. Dr. Angelika Winzig aus vielen Gesprächen mit den Unternehmerinnen und Unternehmern im Bezirk Vöcklabruck. „Einige Betriebe haben bereits resigniert und melden ihre offenen Lehrstellen gar nicht mehr dem AMS, obwohl sie dringend Lehrlinge benötigen.“ Dazu kommt auch, dass Unternehmen – speziell in der Gastronomie – Lehrlinge auf anderen Wegen wie sozialen Medien, Internet oder direkte Aussendungen an Jugendliche und Schulen suchen. Winzig schätzt, dass derzeit weit mehr als 500 Jugendliche im Bezirk Vöcklabruck eine Lehrstelle bekommen könnten.

Die Tabelle zeigt klar die Diskrepanz am Lehrstellenmarkt im Bezirk Vöcklabruck: immer mehr offene Lehrstellen, immer weniger Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. 37 Lehrstellensuchende könnten derzeit unter mehr als 440 offenen Lehrstellen wählen

 

„Der akute Lehrlingsmangel lässt sich inzwischen nicht mehr auf einzelne Branchen zurückführen“, berichtet WKO-Bezirksstellenleiter Josef Renner. „Es gibt keine Branche, keinen Berufszweig mehr, in dem keine Lehrlinge gesucht werden.“ Spitzenreiter im Bezirk Vöcklabruck ist die Metalltechnikbranche mit mehr als 100 offenen Lehrstellen. Mehr als 80 Lehrlinge werden in der Gastronomie gesucht, auch im Handel ist der Lehrlingsmangel mit mehr als 70 offenen Lehrstellen sehr groß. Selbst in den beliebtesten von allen Lehrberufen – Frisörin und Kfz-Technik – sind viele Lehrstellen im Bezirk Vöcklabruck unbesetzt.

Die Aufgaben sind klar für WKO-Bezirksstellenobfrau Dr. Angelika Winzig und Bezirksstellenleiter Josef Renner: Betriebe, Schulen, Jugendliche unterstützen, Netzwerke weiterführen und die Lehre attraktiver machen

„Wir haben in der Wirtschaftskammer diese Problematik schon vor einigen Jahren erkannt und viele Initiativen gesetzt – vom Jobemon-Go-Projekt über die Lehrlings- und Bildungsmesse bis hin zur intensiven Zusammenarbeit mit den Schulen und Betrieben“, sagt WKO-Bezirksobfrau Angelika Winzig. Auch Unternehmernetzwerke wie „business-meets-business“ oder die Junge Wirtschaft schaffen Möglichkeiten, die Lehrbetriebe im Bezirk zu unterstützen. Mit zahlreichen Schulen forciert die WKO Vöcklabruck eigene kleine Lehrlingsmessen – am 1. Februar zum Beispiel gemeinsam mit der „Wirtschaft Mondseeland“ und der Polytechnischen Schule Mondsee eine eigene Lehrlingsmesse für die Betriebe im der Mondsee-Region. Mehr Information für die Jugendlichen, mehr Möglichkeiten für die Schulen, Betriebe kennenzulernen, und mehr Chancen für die Lehrbetriebe, sich zu präsentieren – das sind neben dem Service für die rund 10.000 Unternehmer im Bezirk Vöcklabruck die wohl wichtigsten Schwerpunkte der Wirtschaftskammer im Jahr 2018, sagt Winzig.

Foto: privat

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Comments 6

  1. Thomas says:
    8 Jahren ago

    Ich möchte hier festhalten dass eine Verallgemeinerung und negativ darstellung der Unternehmen nicht nur unfair sondern auch unrichtig ist. Durch dieser Art derBetrachtung haben auch die Betriebe die sehr viel für die Mitarbeiter und im speziellen für Lehrlinge machen immer das Nachsehen.

  2. Amelieschreibt says:
    8 Jahren ago

    Solange Facharbeiter nicht wissen, wie ihr Schichtdienst in der naechste Woche ausfällt, Urlaub maximal für eine Woche am Stück gewährt wird, Überstunden spontan zärtlich anfallen können, somit weder Arzttermine eingehalten werden können, noch eine Freizeitplanung erfolgen kann. Solange nur der, der andere unterdrückt oder mobbt irgendwie durchkommt. Solange trotz vorhandener Gewerkschaft wahllos gekündigt werden kann, würde ich keinem empfehlen Facharbeiter zu werden!

  3. Herbert Haumtratz says:
    8 Jahren ago

    „Ohne Geld ka Musi“, auf diese Kurzaussage kann man das treffend benennen. Solange die Unternehmer auf ihrer „Mindestlohnlinie“ von 1500 € herumeiern, werden sie keinen Jugendlichen für eine Lehre begeistern können, wenn er jetzt schon weis, wo sein Lohnniveau sein wird. Ich verfolge laufend die Stellenofferten in den verschiedenen Medien: Was da als Löhne für Fachkräfte angeboten wird, ist unter aller Würde und kann man nur als „Arbeitnehmer-Intensivhaltung“ bezeichnen. Die nunmehrige ÖVP/FPÖ-Minderheitsregierung hat zudem den 12-stündigen Arbeitstag und die 60-stündige Arbeitswoche „beschlossen“; das wird letztlich den „Fachkräftemangel“ beschleunigen. Viele Unternehmen tragen zudem in erheblichen Masse negativ zur Steuerung des Arbeitsmarktes bei, in dem sie viele einheimische Arbeitnehmer- vorwiegend etwa über 50 – durch „biligere Ausländer“ ersetzen. Da diese Entwicklung in Österreich schon seit Jahren herrscht, hat jeder interessierte Berufsanfänger – vor allem durch die heutigen Informationsmöglichkeiten – ausreichende Informationen, um sich nicht unbedingt für eine Berufslehre zu entscheiden zu wollen. Frau Winzig, Sie sollten vielleicht etwas mehr „nach oben treten“, denn unten sind schon alle „ausgelaugt“ und haben keine Motivation mehr.

  4. Rudi Froscher says:
    8 Jahren ago

    und was passiert mit Vielen, die auch gute Fach Berufe gelernt haben, in guten Ausbildungsstätten und mit gutem Erfolg?

    viele landen irgendwann in Leasingverträgen……. und werden obwohl vielfach gut weiterqualifiziert mitunter aus Sparsamkeitsgründen, obwohl eh meist nicht viel herausschaut als 1500 netto dann mitunter selbst dort wieder hinausgefeuert. Und dann erleben wir Chefs solcher großer Firmen, die die Frechheit besitzen zu sagen, wir bekommen kein Fachpersonal in Austria…… und der brave Betriebsrat macht nicht einmal eine öffentliche Gegenerklärung, wohl aus Feigheit! Eh klar das jeder schaut, das er irgenwie im Leben weiterkommt und Firmen die ihr Personal gut behandeln, eine gewisse Sicherheit bieten und als sozial gelten, da ist es umgekehrt, da muss man jemand haben um einen Lehrplatz zu bekommen. Ein Gejammere, weil eben viele Firmen nichts bieten können……..auch darüber sollten die Bürokraten der Wirtschaft einmal nachsinnen. Menschlichere und fairere Umgangsweise würde ein Klima schaffen, aber viele Firmen können sich das offensichtlich nicht leisten und man sieht es auch bei Alters Langzeitarbeitslosen, die trotz hoher Qualifikation kaum wo genommen werden, die könnten ja öfter krank sein und nicht mehr so im Schnellzugstempo….. Zu viel unmenschliche Bürokratie auf Kosten fairer Arbeitsbedingungen ist das Problem vieler nicht zustandekommender Möglichkeiten für Arbeitgeber und Dienstnehmer.

    • Sabine says:
      8 Jahren ago

      Genau richtig! Ich kenne viele Jugendliche, durch meine Kinder, die sagen wir gehen weiterlernen, oder studieren!

      Ich würde es denen nicht verübeln, sind sie fertig, haben sie die Chance immer einen besseren Gehalt zu bekommen, als eine Fachkraft!

      Was bekommt ein Schlosser, Maler……,netto heraus??
      Machen sie Überstunden, ist der Vater Staat da mit seinen Steuerabzügen!
      Von den Hilfskräften möchte ich gar nicht reden, Reinigungsdame in Reinigungsfirmen, € 8,49 brutto, kein Wunder wenn es nur mehr ausländische Kräfte hier gibt!

      Bessere Gehälter bei Lehrlinge , würde auch vieles geschmackvoller machen!

      Und die Gastronomie war schon mal beliebter als jetzt!

      • autounion says:
        8 Jahren ago

        Die Differenz zwischen 1500 und der sozialen Hängematte Mindestsicherung ist zu klein. Nicht die 1500 sind das Problem, sondern die Mindestsicherung!


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