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Wenn der Sommer schwere Beine macht

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Was hin­ter dem Lei­den steckt und was wirk­lich hilft
BAD ISCHL. In hei­ßen Som­mer­mo­na­ten lei­den beson­ders vie­le Men­schen unter geschwol­le­nen Füßen und Bei­nen, dar­un­ter auf­fäl­lig vie­le Frau­en. Meist ist das nur unan­ge­nehm, und regel­mä­ßi­ge Bewe­gung und vor allem Ruhe ver­schaf­fen Lin­de­rung. Doch hin­ter die­sen Beschwer­den kann auch eine erns­te Erkran­kung ste­cken. Bei wie­der­hol­tem Auf­tre­ten ist eine medi­zi­ni­sche Abklä­rung unbe­dingt rat­sam.

Vie­le ken­nen das: Man kommt nach einem lan­gen Tag mit geschwol­len, schwe­ren Bei­nen nach Hau­se und han­delt instink­tiv rich­tig, indem man die Füße hoch­la­gert. Ver­mehrt tre­ten sol­che Beschwer­den wäh­rend der Som­mer­mo­na­te auf. „Ursäch­lich für dicke, schwe­re Bei­ne sind meis­tens die Venen. Sie tre­ten bei Hit­ze noch stär­ker als sonst her­vor, weil der Kör­per zum Tem­pe­ra­tur­aus­gleich Wär­me abgibt“, klärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Alfons Gegen­hu­ber, der Lei­ter der Inne­ren Medi­zin im Salz­kam­mer­gut Kli­ni­kum Bad Ischl, auf. „Dadurch erwei­tern sich die Gefä­ße, das Blut zir­ku­liert lang­sa­mer, die Venen wer­den durch­läs­si­ger und im Gewe­be bil­den sich ver­mehrt Was­ser­an­samm­lun­gen, soge­nann­te Öde­me. Bei bis zu 20 Pro­zent der Betrof­fe­nen kön­nen auch Blut­druck­me­di­ka­men­te, soge­nann­te Cal­ci­um­ant­ago­nis­ten, beid­sei­ti­ge Knö­chelö­de­me ver­ur­sa­chen“, so der Inter­nist wei­ter. Häu­fig ent­ste­hen Öde­me in den Bei­nen auch wäh­rend einer Schwan­ger­schaft. Doch das ist nicht der Haupt­grund dafür, dass Frau­en wesent­lich anfäl­li­ger für geschwol­le­ne Bei­ne sind als Män­ner. Viel­mehr ist ihr Bin­de­ge­we­be oft zu schwach, um die Venen aus­rei­chend zu stüt­zen. Das weib­li­che Hor­mon Östro­gen sorgt zudem dafür, dass die Venen durch­läs­si­ger wer­den. Manch­mal ent­ste­hen die Beschwer­den auch in Fol­ge eines Lipö­dems, einer Was­ser­an­samm­lung im Fett­ge­we­be.

Schwel­lun­gen ver­hin­dern und lin­dern
„Aus medi­zi­ni­scher Sicht spricht nichts dage­gen, zwi­schen­durch die Schu­he aus­zu­zie­hen, die Bei­ne hoch­zu­le­gen und sie mit kal­ten Güs­sen, Fuß­bä­dern oder küh­len­den Auf­la­gen zu beru­hi­gen, ganz im Gegen­teil“, weiß Prim. Gegen­hu­ber. Das bes­te Mit­tel gegen geschwol­le­ne Bei­ne ist aber aus­rei­chend Bewe­gung.

Schon nach weni­gen Schrit­ten oder eben durch Ent­las­tung zir­ku­liert das Blut wie­der durch die Venen, die Bei­ne füh­len sich leich­ter an und die Schwel­lun­gen klin­gen ab. „Noch wirk­sa­mer ist es, wenn man sich täg­lich eini­ge Minu­ten Zeit für Fuß- und Bein­gym­nas­tik nimmt und sich im All­tag mög­lichst viel bewegt, etwa die Stu­fen anstel­le des Auf­zugs nimmt und auch län­ge­re Stre­cken zu Fuß geht“, erklärt der Medi­zi­ner.

Damit Bein- und Fuß­schwel­lun­gen gar nicht erst ent­ste­hen, emp­fiehlt Gegen­hu­ber zudem leich­te Kost mit einem hohen Gemü­se­an­teil, da auch Über­ge­wicht den Kör­per anfäl­lig macht. Alko­hol soll­te mög­lichst tabu sein und hohe Absät­ze soll­ten im Schrank blei­ben. Bes­ser sind fla­che Schu­he bezie­hungs­wei­se im Som­mer offe­ne oder ein­fach mal gar kei­ne Schu­he. Wer beruf­lich viel steht oder sitzt, soll­te zwi­schen­durch immer wie­der bewusst eini­ge Schrit­te gehen und – wie es auch bei län­ge­ren Flug­rei­sen emp­foh­len wird – Kompressionsstrümpfe tra­gen.

Dicke, schwe­re Bei­ne kön­nen auch durch Krank­heit ent­ste­hen
Schwel­len Füße und Bei­ne regel­mä­ßig an, könn­te eine ernst­haf­te Erkran­kung dahin­ter­ste­cken. Besen­rei­ser und Krampf­adern sind zum Bei­spiel Anzei­chen für ein Venen­lei­den – beson­ders dann, wenn die Schwel­lung län­ger als einen Tag anhält und es zu Haut­ver­än­de­run­gen und Schmer­zen kommt. Auch eine Erkran­kung von Herz, Nie­ren, Leber oder Schild­drü­se ist mög­lich. Für die Dia­gno­se ist unter ande­rem wich­tig, ob nur ein Bein, ein bestimm­ter Bereich oder bei­de Bei­ne betrof­fen sind. Tre­ten die Schwel­lun­gen ein­sei­tig auf, han­delt es sich viel­leicht um Durch­blu­tungs­stö­run­gen oder erkrank­te Lymph­ge­fä­ße. Betref­fen die Pro­ble­me bei­de Bei­ne, weist das eher auf eine Erkran­kung der Orga­ne hin. Auch Lipö­de­me ver­ur­sa­chen meis­tens beid­sei­ti­ge Beschwer­den.

Weil die in Fra­ge kom­men­den Ursa­chen für geschwol­le­ne Bei­ne so unter­schied­lich wie auch poten­zi­ell gefähr­lich sein kön­nen, soll­ten Betrof­fe­ne bei wie­der­keh­ren­den Pro­ble­men unbe­dingt ärzt­li­chen Rat ein­ho­len. In der Regel sind Haus­ärz­tIn­nen dabei die ers­ten Ansprech­per­so­nen. Wenn es not­wen­dig ist, über­wei­sen sie die Pati­en­tIn­nen an Fach­ärz­tIn­nen für Inne­re Medi­zin oder Gefäß­spe­zia­lis­tIn­nen wei­ter.

Foto: OÖG

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