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Sternenpark Attersee-Traunsee auf der Zielgeraden

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Ver­ein Natur­park Atter­see-Traun­see reicht Antrag zur Zer­ti­fi­zie­rung als Dark Sky Park ein
Nach mona­te­lan­gen Vor­be­rei­tun­gen und viel­fa­chem Enga­ge­ment aller Natur­park- und zukünf­ti­gen Ster­nen­park­ge­mein­den Alt­müns­ter, Aurach am Hon­gar, Schörf­ling, Weyregg und beson­ders der Licht­schutz­ge­mein­de Stein­bach am Atter­see, der Umwelt­schutz-Abtei­lung des Lan­des Ober­ös­ter­reich, des Insti­tu­tes für Astro­phy­sik an der Uni­ver­si­tät Wien, des Astro­no­mi­schen Arbeits­krei­ses Salz­kam­mer­gut und des Natur­park­ver­eins wur­de der Antrag zur Zer­ti­fi­zie­rung als inter­na­tio­na­ler Dark Sky Park (Ster­nen­park) bei der IDA (Inter­na­tio­nal Darks­ky Asso­cia­ti­on) eingereicht.

Ein Ster­nen­park ist ein Licht- und Land­schafts­schutz­ge­biet, in dem die nächt­li­che Dun­kel­heit, die natür­li­che Nacht­land­schaft als Schutz­gut betrach­tet und vor Licht­ver­schmut­zung („Lichts­mog“) geschützt wird. Dies wird mit­tels Umset­zung von Licht-Manage­ment-Plä­nen und Umrüs­tung von alten und über­hol­ten Leuch­ten und Licht­kör­pern erreicht.

Denn ein natur­be­las­se­ner Nacht­him­mel ist in Euro­pa schon eine Sel­ten­heit gewor­den. In grö­ße­ren Städ­ten ist es so hell, dass eine Neu­mond­nacht von einer Voll­mond­nacht nicht mehr unter­scheid­bar ist. Der Ein­satz von künst­li­cher Beleuch­tung nimmt in Öster­reich etwa 5 % jähr­lich zu. Ten­denz stark stei­gend. Der natür­lich-dunk­le Nacht­him­mel muss daher zu einem schüt­zens­wer­ten Kul­tur­gut erklärt werden.

Aktu­el­le For­schungs­er­geb­nis­se bele­gen, dass der nächt­li­che Ein­satz von künst­li­chem Licht eine der Haupt­ur­sa­chen für den dra­ma­ti­schen Ver­lust der nacht- und däm­me­rungs­ak­ti­ven Lebe­we­sen ist. Vor allem nacht­ak­ti­ve Insek­ten leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag im Öko­sys­tem. Durch künst­li­che Licht­quel­len wer­den die­se Tie­re ange­lockt, irri­tiert und geblen­det. Dadurch ver­lie­ren sie die Ori­en­tie­rung und ver­en­den oft vor Erschöp­fung. Däm­me­rungs- und nacht­ak­ti­ve Tie­re wie Fle­der­mäu­se, Igel, Amphi­bi­en und auch Vögel sind auch auf die­se Insek­ten als Nah­rungs­quel­le ange­wie­sen. Nacht­ak­ti­ve Insek­ten – wie vor allem die Schwär­mer aus der Fami­lie der Schmet­ter­lin­ge — sind wich­ti­ge Blü­ten­be­stäu­ber. So wer­den in den dunk­len Stun­den der Nacht Pflan­zen wie die Nacht­ker­zen, die wei­ße Licht­nel­ke, das Nicken­de Leim­kraut, das Wald-Geiß­blatt und die Hecken­kir­schen bestäubt.

Der effi­zi­en­te und intel­li­gen­te Umgang mit künst­li­chem Licht ist daher ein Gebot der Stun­de. Eini­ge Regio­nen und Gemein­den in Ober­ös­ter­reich beken­nen sich bereits zum Schutz der vor­han­de­nen natür­li­chen Nacht­land­schaf­ten durch Maß­nah­men zur Redu­zie­rung der Lichtverschmutzung.

Der Natur­park Atter­see-Traun­see soll zum 1. Ster­nen­park Öster­reichs (Dark Sky Park) wer­den. Was kann jeder selbst für Ver­mei­dung von Lichts­mog und Natur­schutz im Dun­keln tun?
• Licht dort­hin len­ken, wo es wirk­lich benö­tigt wird. Nur von oben nach unten.
• Licht dann ein­schal­ten, wenn ich es wirk­lich brauche.
• Warm­wei­ßes Licht ver­wen­den (Farb­tem­pe­ra­tur zw. 1800 und 3000 Kelvin)

Nähe­re Infos gibt’s im prak­ti­schen Rat­ge­ber „Bes­se­res Licht – Alter­na­ti­ven zum Lichts­mog“ oder im Öster­rei­chi­schen Leit­fa­den für Außenbeleuchtung:
https://www.ooe-umweltanwaltschaft.at/Mediendateien/Leitfaden.pdf
Aktu­el­le Infos zum Ster­nen­park Atter­see-Traun­see gibt’s auf www.sternenpark.at

Foto: Alex Limberger

State­ments der Projektpartner:
„Bereits seit eini­gen Jah­ren führt das Land Ober­ös­ter­reich erfolg­reich Unter­su­chun­gen zur The­ma­tik Licht­ver­schmut­zung durch. Seit 2014 wur­de ein Licht­mess­netz mit 23 Sky Qua­li­ty Meter ver­teilt über unser Bun­des­land instal­liert. Die lang­jäh­ri­gen Mes­sun­gen – unter­stützt und aus­ge­wer­tet durch die Uni­ver­si­tät Wien (Insti­tut für Astro­phy­sik) brach­ten nun Auf­schluss dar­über, wo der Him­mel über Ober­ös­ter­reich noch als „natur­nah“ bezeich­net wer­den kann. Die Aus­zeich­nung eines Dark Sky Par­kes (Ster­nen­park) sehe ich als sehr wich­tig an, um die natür­li­che Dun­kel­heit des Nacht­him­mels zu erhal­ten und Bewusst­sein zu schaf­fen für die poten­ti­el­len nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen von künst­li­chem Licht bei Nacht auf uns Men­schen, Natur und Umwelt.“
Ste­fan Kai­ne­der, Lan­des­rat für Umweltschutz

Im Jahr 2018 muss­te unse­re gesam­te Orts­be­leuch­tung erneu­ert wer­den, da der alters­be­ding­te, deso­la­te Zustand eine Sanie­rung erfor­der­te. Dabei haben wir dar­auf geach­tet, dass die Beleuch­tung nicht nur ener­gie­ef­fi­zi­en­ter son­dern auch die Beleuch­tungs­qua­li­tät opti­miert wur­de. Wir freu­en uns, dass wir mit die­ser zukunfts­wei­sen­den Erneue­rung einen wich­ti­gen Grund­stein gelegt und einen essen­ti­el­len Bei­trag geleis­tet haben für die Aus­zeich­nung unse­rer Gemein­de und Regi­on als Sternenpark.“
Nico­le Eder, Bür­ger­meis­te­rin der Licht­schutz­ge­mein­de Stein­bach am Attersee

Nach jah­re­lan­gem Bemü­hen freue ich mich, dass nun ein gigan­ti­scher Schritt in Rich­tung Schut­ze des natür­li­chen Nacht­him­mels gelun­gen ist. Seit der Aus­wer­tung unse­rer Mes­sun­gen war bekannt, dass gera­de das Gebiet rund um den Natur­park eine her­vor­ra­gen­de Nacht­him­mels­qua­li­tät auf­weist, die es zu schüt­zen gilt. Es ist daher gera­de für uns Astro­nom­In­nen eine gro­ße Freu­de, dass nun der von Ster­nen, Pla­ne­ten und ande­ren Him­mels­ob­jek­ten über­sä­te Him­mel ein wich­ti­ges Merk­mal der Regi­on gewor­den ist. Der geplan­te Dark Sky Park soll ein Vor­bild sein, wie nach­hal­ti­ge und ener­gie­ein­spa­ren­de Beleuch­tung funk­tio­nie­ren und so das Phä­no­men der Licht­ver­schmut­zung ein­ge­dämmt wer­den kann. Nicht nur für die Umwelt oder die Tier­welt, son­dern auch uns Men­schen ist dies eine erheb­li­che Stei­ge­rung der Lebensqualität. ”
Dr. Ste­fan Wall­ner, BSc MSc vom Insti­tut für Astro­phy­sik an der Uni­ver­si­tät Wien

Fak­ten­box Ster­nen­park Attersee-Traunsee
20201130_Antrag zur Zer­ti­fi­zie­rung als Inter­na­tio­nal Dark Sky Park/Sternenpark wird eingereicht
Bei Zer­ti­fi­zie­rung wäre die­ser Ster­nen­park der 1. Ster­nen­park Österreichs

Flä­che des geplan­ten Ster­nen­parks: 106 km²
Betei­lig­te Gemein­den: Alt­müns­ter, Aurach am Hon­gar, Schörf­ling, Weyregg am Attersee
Stein­bach als Licht­schutz­ge­mein­de mit der gesam­ten Gemeindefläche

Licht­in­ven­tar im Gebiet des Ster­nen­parks (mit Stand 30. 11. 2020)
ca. 460 Licht­punk­te (dazu zäh­len Licht­punk­te von öffentlichen/gewerblichen Außenbeleuchtungen)
davon ent­spre­chen zum Zeit­punkt der Antrag­stel­lung drei Vier­tel dem Licht-
Manage­ment-Plan wie er von den Mit­glieds­ge­mein­den beschlos­sen wurde.

Die rest­li­chen Licht­punk­te müs­sen dann in den nächs­ten 5 bzw. 10 Jah­ren (nach erfolg­ter Zer­ti­fi­zie­rung) umge­rüs­tet wer­den, sodass nach 10 Jah­ren ein Umrüs­tungs­grad von 100% erreicht wird. Durch Bewusst­seins­bil­dung und För­der­an­rei­ze will man errei­chen, dass v. a. im Zuge von not­wen­di­gen Erneue­run­gen von Lichtkörpern/Leuchtmitteln die­se Umrüs­tun­gen dann erfolgen.

Die Dun­kel­heit des Nacht­him­mels (bzw. wis­sen­schaftl. kor­rek­ter Hel­lig­keit des Nacht­him­mels) wird gemes­sen mit einem Sky Qua­li­ty Meter (SQM‑L), einem Gerät zur objek­ti­ven Erfas­sung der Hel­lig­keit des Nacht­him­mels. Es misst die Leucht­dich­te des Him­mels in der astro­no­mi­schen Ein­heit Größenklassen/Quadratbogensekunden (mag/arcsec2).

Die Mes­sun­gen wur­den durch das Insti­tut für Astro­phy­sik der Uni­ver­si­tät Wien im Jahr 2019 bei zwei nächt­li­chen Kar­tie­run­gen (in der Nacht vom 30. auf den 31. März bzw. vom 30. auf den 31. August 2019) durch­ge­führt. Die Min­des­ter­for­der­nis an einen Ster­nen­park-wür­di­gen Nacht­him­mel (21,2 mag/arcsec²) wur­de im unter­such­ten Gebiet erreicht.

Wei­ters wur­den ‚Allsky-Auf­nah­men‘, Fisch­au­gen­auf­nah­men des gesam­ten Him­mels, durch­ge­führt, wel­che mit­tels spe­zi­el­len Soft­wares Ana­ly­sen zur Nacht­him­mels­qua­li­tät und dem Ein­fluss von künst­li­chem Licht bei Nacht, mög­lich machen.

 

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1 Kommentar

  1. Lei­der ist nichts mehr wie frü­her punk­to Stil­le, Beschau­lich­keit und Gemüt­lich­keit. Nur mehr Lärm, ausufen­der Stras­sen­ver­kehr, LKWS, Trak­to­ren, Pfeif­fen von Zügen, lär­men­de Motor­rä­der, Hek­tik, Licht in der Nacht, Stress rund um die Uhr, Rück­sichts­lo­sig­keit, klein­ka­rie­te mir-san-mir Mentalität.… :(