salzi.at - Aktuelles aus dem Salzkammergut

Eine Zukunftsperspektive für das Recycling

0

Umwelt­schutz ist eins der wich­tigs­ten The­men heut­zu­ta­ge, beson­ders im Salz­kam­mer­gut. Dazu gehö­ren nicht nur Natur­pro­jek­te wie der Schutz von Wäl­dern und Hoch­moo­ren. Auch Recy­cling und die gene­rel­le Müll­ver­mei­dung sind ein wich­ti­ger Teil davon, die immer wie­der neu gedacht und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den müssen.

Plastikberge – nicht nur an Land, sondern mittlerweile auch in den Ozeanen. Das zeigt, dass Recycling neu gedacht und weiter entwickelt werden muss, um die Umwelt und auch den Menschen selbst zu schützen. Foto: fotolia.de © joey333 (#84883577)

Plas­tik­ber­ge – nicht nur an Land, son­dern mitt­ler­wei­le auch in den Ozea­nen. Das zeigt, dass Recy­cling neu gedacht und wei­ter ent­wi­ckelt wer­den muss, um die Umwelt und auch den Men­schen selbst zu schüt­zen. Foto: fotolia.de © joey333 (#84883577)

Plas­tik­müll im Oze­an, Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen, Ver­schmut­zung der Wäl­der, Ver­un­rei­ni­gung der Gewäs­ser – die Natur lei­det unter dem Men­schen und das nicht erst seit ges­tern. Der Pla­net muss viel Müll ver­dau­en, den unse­re Spe­zi­es ihm zufügt. Es gibt Land­schaf­ten, die mehr dar­un­ter lei­den als das Salz­kam­mer­gut — mehr als sechs Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik bil­den im Meer schwim­men­de Müll­hal­den, set­zen sich auf den Mee­res­bö­den ab oder ver­schmut­zen die Küs­ten. Das heißt, der Mensch muss sich Gedan­ken machen, denn es ist bereits so weit, dass so man­cher Müll zurück­kommt. Ein Bei­spiel: Plas­tik­ge­füll­ter Fisch. In Form von mikro­me­ter­gro­ßen Plas­tik­müll Teil­chen, die von Plank­ton ver­speist wer­den. Das Plas­tik-Plank­ton wird von grö­ße­ren Fischen gefres­sen, die­se wie­der­um von ande­ren Fischen – die dann am Ende auf den Tel­lern lan­den und das Plas­tik zurück­brin­gen. Ent­wick­lun­gen wie die­se wer­den immer mehr sicht­bar, der Mensch merkt, wie er sei­nen Lebens­raum ver­schmutzt und lang­sam zer­stört. Recy­cling und ganz beson­ders Müll­ver­mei­dung wer­den immer wichtiger.

Recy­cling in Österreich

Kli­ma­schutz ist wich­tig  — und Öster­reich ist vor­ne mit dabei, wenn es dar­um geht,  Maß­nah­men zu die­sem Zweck umzu­set­zen. Laut Kli­ma­schutz-Index ist es eins der Län­der mit den höchs­ten Leis­tun­gen für den Kli­ma­schutz, was mit viel­fäl­ti­gen Maß­nah­men im Wald­schutz, dem Gewäs­ser­schutz und der Sen­si­bi­li­sie­rung der Öffent­lich­keit zu tun hat. Vor allem die Ein­be­zie­hung der Bevöl­ke­rung hat einen wich­ti­gen Anteil, denn nur die­se kann ihr eige­nes Ver­hal­ten regu­lie­ren und anpas­sen. So ist bei­spiels­wei­se Müll­tren­nung in Öster­reich ein gro­ßes The­ma. Die Men­schen wer­den dazu ange­hal­ten, ihren Müll zu tren­nen, denn vie­le Abfäl­le kön­nen recy­celt oder ver­wer­tet wer­den. Dazu gehören:

  • Bio­ab­fäl­le
  • Altpapier/ Kar­ton
  • Alt­glas
  • Altmetalle/ Dosen (und ande­re Metallverpackungen)
  • Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen, ins­be­son­de­re Kunst­stoff­fla­schen und Kunststoff-Hohlkörper
  • Pro­blem­stof­fe
  • Alt­klei­der
  • Sty­ro­por-Form­tei­le
  • Elek­tro­alt­ge­rä­te
  • Geträn­ke­ver­bund­kar­tons

Somit gehö­ren die­se nicht in den Rest­müll, der bei sau­be­rer Tren­nung kom­plett ver­brannt und bio­tech­nisch behan­delt wer­den könn­te. Beson­ders die Samm­lung von Alt­glas ren­tiert sich dabei – 100 % davon kön­nen recy­celt und belie­big oft wie­der­ver­wen­det wer­den. Schwie­ri­ger ist das mit den Inhal­ten des Gel­ben Sacks, der zu Bal­len gepresst an ver­schie­de­ne Fir­men wei­ter­ge­ge­ben wird und wei­ter ver­wen­det wird. Je nach­dem wie rein die Kunst­stof­fe dar­in sind, kön­nen sie zu Tex­ti­li­en oder ande­ren Kunst­stof­fen wer­den, ande­re – wie die in Plas­tik­sa­ckerln ent­hal­te­nen Kunst­stof­fe – ver­ur­sa­chen Pro­ble­me und lan­den am Ende doch auf der Depo­nie, wo sie 100 bis 400 Jah­re brau­chen, um zu sand­gro­ßen Teil­chen zu zer­fal­len, jedoch nie kom­plett ver­schwin­den wer­den. Beson­ders an die­ser Stel­le müs­sen neue Maß­nah­men anset­zen, die solch pro­ble­ma­ti­sche Abfäl­le durch recy­cel­ba­re Stof­fe erset­zen oder gleich ganz ver­mei­den. Das Umden­ken muss vor allem beim Lebens­mit­tel­kauf gesche­hen, denn da ent­steht der meis­te Müll.

Eine Zukunftsperspektive für das Recycling

Eine ord­nungs­ge­mä­ße Müll­tren­nung ist Grund­vor­aus­set­zung für mög­lichst gutes und erfolg­rei­ches Recy­cling. Foto: fotolia.de ©ladysuzi (#124525970)

Plas­tik­frei­es Ein­kau­fen nennt sich der Trend, der ursprüng­lich in Ber­lin begann und sich ste­tig aus­wei­tet. In soge­nann­ten Unver­packt Läden gehen die Kun­den mit ihren Schraub­glä­sern, Tup­per-Dosen und Stoff­sa­ckerln ein­kau­fen und ver­zich­ten so auf die vie­len Umver­pa­ckun­gen, die schlicht­weg nicht nötig sind und den Pla­ne­ten unnö­tig belas­ten. Denn inzwi­schen ist bei­na­he alles in nor­ma­len Super­märk­ten ein­ge­schweißt. Bes­tes Bei­spiel: Die Bio-Gur­ke im Plastiksackerl.

Müll­ver­mei­dung beim Einkauf

Die Krux dabei: Es wird viel Ener­gie dar­auf ver­wen­det, die Ver­pa­ckun­gen her­zu­stel­len, die dann im Müll lan­den und erneut mit Ener­gie recy­celt wer­den müs­sen. Man­ches davon erfolg­reich, ande­res weni­ger erfolg­reich – das lan­det dann in den Ozea­nen. Das sorgt dafür, dass die Ver­pa­ckun­gen am Ende das Dop­pel­te an Ener­gie ver­schlin­gen – Her­stel­lung, Ent­sor­gung – und eigent­lich nicht benö­tigt wür­den. In den Unver­packt Läden wird auf sol­che Zwi­schen­lö­sun­gen ver­zich­tet, die Betrei­ber kau­fen in mög­lichst gro­ßen Men­gen ein und fül­len im Laden in gro­ße Behäl­ter um, die dann im Laden von Kun­den selbst­tä­tig bedient wer­den kön­nen.  So nimmt jeder nur das mit, was er benö­tigt und wirkt somit auch der Lebens­mit­tel Ver­schwen­dung entgegen.

Noch sind die­se Läden eine Sel­ten­heit — in Öster­reich gibt es mitt­ler­wei­le 13 Stück, im Salz­kam­mer­gut lei­der noch kei­nen — sie wer­den aber immer wich­ti­ger. Denn auch die Bevöl­ke­rung inter­es­siert sich für die plas­tik­frei­en Lösun­gen. Schon län­ger ist bekannt, dass in Plas­tik ver­pack­te Ware auch Rück­stän­de an sich trägt, die es wie­der­um an den Kör­per abgibt. Die ein­ge­schweiß­te Bio-Gur­ke wird so zur Schad­stoff-Schleu­der, wo sie doch so sorg­fäl­tig und natur­nah auf­ge­zo­gen wurde.

Aber nicht alles kann Plas­tik­frei ein­ge­packt oder pro­du­ziert wer­den. Man­che Din­ge aus Kunst­stoff sind schlicht­weg prak­tisch und las­sen kei­ne Alter­na­ti­ve zu. Hier ist Recy­cling ein wich­ti­ger Punkt, aber es gibt noch wei­te­re Kon­zep­te, die das The­ma Plas­tik- und Müll­ver­mei­dung weiterdenken.

Von der Wie­ge zur Wiege

Da, wo es nicht geht und nicht auf den Werk­stoff „Kunst­stoff“ ver­zich­tet wer­den kann, müs­sen also alter­na­ti­ve Kon­zep­te erar­bei­tet wer­den. Eins die­ser Kon­zep­te ist das Crad­le to Crad­le Prin­zip. Alles wird hier „von der Wie­ge zur Wie­ge“ wei­ter­ent­wi­ckelt. Kaf­fee­satz bei­spiels­wei­se, ist ein Ver­bund­stoff, der mit spe­zi­el­len Pil­zen zum fle­xi­blen, form­ba­ren Mate­ri­al wer­den kann. So wird aus einem genutz­ten Roh­stoff, ein neu­er Roh­stoff – Poten­zi­al, dass es zu nut­zen gilt. Die­se Ansät­ze gehen weit über Recy­cling hin­aus und ver­lan­gen neue Denk­wei­sen. Durch­dach­te Pro­duk­ti­ons­ket­ten, Syn­er­gien und vor allem den Men­schen, der mit­denkt und sich für sei­ne Umwelt ein­setzt, sind die Grund­vor­aus­set­zun­gen für eine Umstel­lung des Pro­duk­ti­ons­zy­klus, der aktu­ell aus „From Crad­le to Gra­ve“, also aus der Wie­ge zum Gra­be, besteht.

Ein ande­res Wort dafür wäre auch „Upcy­cling“, was ver­sucht aus alten, eigent­lich nutz­lo­sen Stof­fen neue her­zu­stel­len. Ein Bei­spiel: Aus einer alten Jeans eine Tasche nähen. Das ist bis­her jedoch eher eine Bast­ler­ni­sche, die von der Indus­trie nicht direkt über­nom­men wer­den kann. Der wich­ti­ge Punkt dabei ist viel­mehr, dass sich die Bevöl­ke­rung Gedan­ken macht, sen­si­bi­li­siert ist für die The­men des Umwelt­schut­zes und ihren Teil zum Recy­cling und der Müll­ver­mei­dung beiträgt.

Gewäs­ser­be­las­tung ver­hin­dern und Eindämmen

Mit einem natür­li­chen Kunst­stoff – plas­tik­frei und 100 % wie­der­ver­wert- oder recy­cel­bar – könn­te so auch die Gewäs­ser­be­las­tung ein­ge­dämmt wer­den. Das soll­te vor allem im Salz­kam­mer­gut groß­ge­schrie­ben wer­den, wo stark an den Hoch­moo­ren gear­bei­tet wird, um die­se wich­ti­ge natür­li­che Was­ser-Regu­la­ti­on bei­zu­be­hal­ten und intakt zu las­sen. Aber auch im Gro­ßen gedacht: die Mee­re müs­sen geschützt und dür­fen vor allem nicht wei­ter ver­schmutzt wer­den. Aktu­ell sieht das anders aus.

Jähr­lich wer­den rund 250 Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik pro­du­ziert. Davon wer­den 40 % als Plas­tik-Umver­pa­ckung ver­wen­det, von denen wie­der­um 58 % nicht recy­celt wer­den. Das sind am Ende acht bis zwölf Ton­nen Plas­tik­müll pro Jahr, die in den Ozea­nen lan­den. Das Pro­blem sind dabei nicht die gro­ßen Plas­tik­hau­fen, die sich immer wie­der sicht­bar in Häfen und Ein­mün­dun­gen bil­den. Es sind die klei­nen Plas­tik­tei­le, die Mikro­plas­tik­par­ti­kel, die weni­ger als 5mm Durch­mes­ser haben und sich über­all im Meer ver­tei­len. Die­se sind es, die zurück­kom­men und auch auf dem Spei­se­plan des Men­schen lan­den – und die, die nach und nach den Oze­an vergiften.

Pro­ble­ma­tisch ist jedoch, dass die Indus­trie bis­her kei­ne wirk­lich nach­hal­ti­ge, bio­lo­gisch sinn­vol­le Alter­na­ti­ve zu Plas­tik­ver­pa­ckun­gen gefun­den hat. Alle Stof­fe, die es mög­li­cher­wei­se mit dem Plas­tik auf­neh­men könn­ten, sind ent­we­der eine wei­te­re Umwelt­ka­ta­stro­phe, da dabei viel mehr CO2 pro­du­ziert wird, oder eben genau so schlecht recycelbar.

Ener­gie­ge­win­nung?

Eine wei­te­re Mög­lich­keit der Ver­wer­tung des nicht wei­ter­ver­wend­ba­ren oder upcy­cel­ba­ren Kunst­stoffs, ist die Ener­gie­ge­win­nung – und das wäre mög­li­cher­wei­se der idea­le Ansatz, da hier aus den nicht wie­der­ver­wend­ba­ren Stof­fen wenigs­tens noch Ener­gie wür­de, die durch die „Ver­grü­nung“ der Ener­gie, drin­gend nötig wird. Ob das jedoch mög­lich wird, bleibt der Pro­dukt­ent­wick­lung über­las­sen, die wei­ter an alter­na­ti­ven Stof­fen forscht, um den Pla­ne­ten ein wenig plas­tik­frei­er zu gestal­ten und damit die Umwelt lang­fris­tig zu entlasten.

Upcycling findet bisher nur im kleinen Anwendung – muss aber zukünftig aufs große Ganze ausgeweitet werden, um auf Dauer Müll zu vermeiden und so gleich doppelt Energie und Rohstoffe einzusparen. Foto: fotolia.de ©marugod83 (#120829629)

Upcy­cling fin­det bis­her nur im klei­nen Anwen­dung – muss aber zukünf­tig aufs gro­ße Gan­ze aus­ge­wei­tet wer­den, um auf Dau­er Müll zu ver­mei­den und so gleich dop­pelt Ener­gie und Roh­stof­fe ein­zu­spa­ren. Foto: fotolia.de ©marugod83 (#120829629)

Teilen.

Comments are closed.