Von 7. bis 15. April 2026 fand im UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft Hallstatt–Dachstein/Salzkammergut eine internationale, englischsprachige Exkursion „Cultural Spaces“ der Technischen Universität Wien statt. Rund 25 Architektur-Studierende sowie Lehrende aus Österreich und ganz Europa – samt Austauschstudentinnen aus Kanada – widmeten sich intensiv der Baukultur im Salzkammergut und erarbeiteten vor Ort zukunftsorientierte Projekte.
Baukultur im Spannungsfeld von Natur und Nutzung
Im Mittelpunkt der Exkursion stand die Auseinandersetzung mit der gewachsenen Kulturlandschaft, deren besondere Qualität sich aus dem Zusammenspiel von Naturraum, historischer Entwicklung und zeitgenössischer Nutzung ergibt. Die Studierenden analysierten bestehende Strukturen, reflektierten aktuelle Herausforderungen und entwickelten Ideen, die sich in den regionalen Kontext einfügen.
Gosau und Hallstatt: Holz als Grundlage der Salzgeschichte
Ein besonderer Fokus lag auf der historischen Entwicklung von Gosau, dessen reiche Waldbestände über Jahrhunderte eine zentrale Rolle für den Salzbergbau in Hallstatt spielten. Holz war ein unverzichtbarer Rohstoff – sowohl als Bau- und Konstruktionsmaterial als auch als Energieträger für die Salzgewinnung. Diese enge Verflechtung von Naturressourcen, Wirtschaft und Siedlungsentwicklung prägte nicht nur die Landschaft, sondern auch die regionale Baukultur nachhaltig.
Traditionelle Bauweise als Vorbild
Die traditionelle Bauweise im Gosautal entwickelte sich aus funktionalen Anforderungen: Gebäude wurden mit lokal verfügbaren Materialien errichtet, an klimatische Bedingungen angepasst und auf maximale Zweckmäßigkeit ausgelegt. Kompakte Bauformen, steile Dächer sowie eine robuste Holzkonstruktion zeugen von einem ressourcenschonenden und zugleich langlebigen Umgang mit der Umwelt – Qualitäten, die auch für zeitgenössische Architektur von hoher Relevanz sind.
Austausch mit der Bevölkerung als Schlüssel
Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten war der direkte Austausch mit der lokalen Bevölkerung. Die Kooperation vor Ort gestaltete sich ausgesprochen positiv: Trotz intensiver Arbeitsphasen boten sich für die Studierenden zahlreiche Gelegenheiten zu persönlichen Gesprächen mit Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese Begegnungen lieferten wertvolle Einblicke in das Leben in der Region und trugen wesentlich zum Verständnis der lokalen Baukultur bei.
Das Salzkammergut als beliebter Forschungsplatz
Die Leiterin der Exkursion, Dipl.Ing. Dr. Ulrike Herbig resümierte nach der anstrengenden Woche in Gosau zufrieden:
„Wir machen bereits drei Jahre in Folge diese Exkursion ins Salzkammergut. In vier Lehrveranstaltungen wird während einer Woche den Studierenden vermittelt, wie sie Forschung in der Architektur umsetzen können. Die Welterberegion Hallstatt – Dachstein / Salzkammergut bietet dafür den idealen Rahmen. Hier kommen viele verschiedene Ebenen zusammen, von der Landschaft bis hin zu einzelnen Architekturdetails. Unsere Kooperation mit dem Welterbemanagement ist für die Studierenden genauso fruchttragend wie der Kontakt mit den Menschen in den Gemeinden. Das Ergebnis der Seminararbeiten wird in einem Buch zusammengefasst werden und auch in der Region aufliegen (Anm.: bei der Kulturexpo 2027). Wir kommen im Frühling 2027 gerne wieder ins Salzkammergut, geplant ist ein Aufenthalt in Obertraun.“
Impulse für die Zukunft der Welterberegion
Die Exkursion verdeutlichte einmal mehr die Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft, Planung und Bevölkerung für die nachhaltige Weiterentwicklung der Welterberegion. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie internationale Perspektiven neue Impulse für den Umgang mit historisch gewachsenen Kulturlandschaften geben können.
Mit ihren Arbeiten leisten die Studierenden einen Beitrag zur Diskussion über die Zukunft des Bauens im Salzkammergut – im Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Weiterentwicklung einer einzigartigen Kulturlandschaft.
Eine öffentliche Präsentation im von der Gemeinde Gosau kostenlos zur Verfügung gestellten Kulturzentrum Gosau bildete schließlich den passenden Abschluss für eine anstrengende, aber lehrreiche Woche.
















